Finanzen

Kaffeepreise in Europa steigen immer weiter: Wo es am teuersten ist

Kaffee gilt als alltägliches Genussmittel, doch der Kaffeepreis entwickelt sich in vielen europäischen Ländern zum Luxusfaktor. Zwischen günstiger Espressobar und Nobel-Café liegen teils Welten. Welche Städte besonders teuer sind – und was das für Verbraucher bedeutet – wirft neue Fragen auf.
27.02.2026 14:37
Lesezeit: 4 min
Kaffeepreise in Europa steigen immer weiter: Wo es am teuersten ist
Eine Tasse Kaffee wird mittlerweile immer teurer, europaweit steigen die Kaffeepreise. (Foto: dpa) Foto: Elisa Schu

Teure Tassen: Kaffeepreis in Europa teils über 10 Euro

Rund 8,70 Euro für eine Tasse Cappuccino - dieser Kaffeepreis an einer Raststätte in Österreich sorgte zuletzt für Aufsehen. Doch anderswo in Europa werden vereinzelt zweistellige Summen beim Kaffeepreis verlangt. Wie leistbar ist das Getränk in europäischen Ländern, wenn man den Kaffeepreis vergleicht? Ein Überblick:

Wien: Höherer Kaffeepreis, geringerer Pro-Kopf-Umsatz

Der erwähnte Spitzenwert beim Kaffeepreis in Österreich liegt klar über dem üblichen Niveau im Alpenland. In Wien, wo Kaffeehäuser als Kulturgut gelten, bewegen sich der Kaffeepreis für Cappuccino und die klassische Wiener Melange vielerorts zwischen 5 und knapp 6 Euro.

Wer die Melange lieber mit Sahne statt Milchschaum bestellt, zahlt in manchen Traditionshäusern beim Kaffeepreis mehr als 7 Euro. In den vergangenen Jahren seien vor allem die Löhne in der Gastronomie deutlich gestiegen, erläutert Kaffeehaus-Branchenvertreter Wolfgang Binder das hohe Niveau beim Kaffeepreis. Die Gäste reagieren: Binder berichtet von rückläufigen Pro-Kopf-Umsätzen.

Kopenhagen: 10,50 Euro als Spitzenwert beim Kaffeepreis

In Dänemark nimmt Kopenhagen beim Kaffeepreis-Ranking regelmäßig Spitzenpositionen innerhalb der EU ein. Im Durchschnitt liegt der Kaffeepreis für einen Cappuccino in der Hauptstadt bei rund 6 Euro, in exklusiven Lagen oder an stark frequentierten Orten auch bei 8 Euro. In der bekannten Kopenhagener Konditorei La Glace wird allerdings ausschließlich Filterkaffee angeboten - zu einem Kaffeepreis von etwa 10,50 Euro.

Die hohen Werte beim Kaffeepreis kommen nicht überraschend: Lebensmittel sind in Dänemark generell teuer und mit einer Mehrwertsteuer von 25 Prozent belegt. Zudem verdienen die Dänen sehr gut: Das bereinigte Monatsgehalt beträgt im Schnitt knapp 6.000 Euro.

Auch in der Schweiz: Hoher Kaffeepreis dank hoher Löhne

Umgerechnet gut 7 Euro Kaffeepreis für einen Cappuccino in der Schweiz - in Zürich und Genf ist das keine Ausnahme. Auch das Einkommensniveau liegt im Vergleich zu Deutschland deutlich höher. Bei Discountern beträgt der Mindestlohn für ungelernte Kräfte umgerechnet gut 5.000 Euro im Monat brutto. Allerdings fallen auch Ausgaben für Mieten und Gesundheit erheblich ins Gewicht.

Paris: Mieten treiben den Kaffeepreis

In Paris kann der Kaffeepreis in touristischen Hotspots an den österreichischen Spitzenwert heranreichen, wenn man einen Cappuccino bestellt. Die Spanne reicht von 2 Euro für einen einfachen Kaffee am Tresen im Viertel bis zu über 5 Euro für einen Cappuccino im Zentrum. Einfluss auf den Kaffeepreis haben vor allem die Mieten. Am Rand der Innenstadt wurde kürzlich ein traditionsreiches Café zwangsgeräumt, da es die Jahresmiete von 210.000 Euro nicht mehr zahlen konnte.

Italien: Kaffeepreis mit Aufschlag für Sitzplätze

Im Ursprungsland des Cappuccino zeigt sich beim Kaffeepreis eine große Bandbreite. In Rom erhält man die Tasse bereits für 1,20 Euro - in stark frequentierten Touristengebieten kann der Kaffeepreis jedoch ein Vielfaches betragen. Im Süden Italiens ist der Kaffeepreis für Cappuccino niedriger als im Norden.

Entscheidend ist zudem, ob man den Kaffee im Stehen oder im Sitzen trinkt: Für längeres Verweilen wird ein Aufpreis fällig. "Coffee to go" hat sich nie durchgesetzt. Die Vorstellung, seinen Kaffee hastig aus einem Pappbecher zu trinken, sorgt hier eher für Unbehagen.

Große Unterschiede beim Kaffeepreis in Spanien

In Madrid wird selten Cappuccino bestellt. Üblicher ist der "Cortado", ein Espresso mit etwas Milch. Auf den Balearen ist er als "Tallat" bekannt. Kaffee fällt in Spanien häufig kräftiger aus als in Deutschland - und ist teilweise schon für rund 1 Euro erhältlich.

Im Durchschnitt bewegt sich der Kaffeepreis für einen "Cortado" in der Hauptstadt zwischen 1,50 bis 2,50 Euro. Für Cappuccino liegt der Kaffeepreis etwas höher. In Nobelhotels oder Designer-Cafés können für einen vergleichsweise "normalen" Kaffee auch zweistellige Beträge verlangt werden.

Griechenland und Türkei: Mokka drückt den Kaffeepreis

Ein Cappuccino im Zentrum von Athen, etwa in Lokalen mit Blick auf die Akropolis, kostet zwischen 4,50 und 6 Euro. In Luxushotels kann der Kaffeepreis darüber liegen. Wer sparen möchte, wählt stattdessen griechischen Mokka. Er ist kräftig, aromatisch, ungefiltert und deutlich günstiger - meist nur 2 bis 3 Euro. Abseits touristischer Hotspots sinkt der Kaffeepreis für Cappuccino häufig unter 2,50 Euro.

Im Zentrum Istanbuls beträgt der Kaffeepreis für einen Cappuccino etwa 4,50 Euro. Auch dort gibt es Mokka, der sehr stark ist und für viele Touristen ungewohnt schmeckt. Dieser ist für etwa 3 Euro erhältlich. Für Einheimische ist der Kaffeepreis insgesamt hoch. Der monatliche Mindestlohn liegt umgerechnet bei rund 560 Euro.

Cappuccino in London bei 5 Euro Kaffeepreis

Die Briten gelten als Teetrinker, doch in der morgendlichen Rushhour greifen viele mit einem Coffee to go zum Kaffee. In bekannten Ketten wie Pret A Manger zahlen die Londoner dafür umgerechnet rund 5 Euro Kaffeepreis.

Für einen Cappuccino im Restaurant weist die Datenbank Numbeo einen durchschnittlichen Kaffeepreis von umgerechnet etwa 4,50 Euro aus. In touristisch gefragten Vierteln wie Kensington and Chelsea oder Mayfair wird allerdings teils mehr verlangt.

Touristenaufschlag beim Kaffeepreis in Budapest und Prag: 11 Euro im Nobel-Café

In Budapest liegt der Kaffeepreis für einen Cappuccino im von Touristen frequentierten Ringstraßen-Café "New York" bei umgerechnet rund 11 Euro, im eleganten "Gerbeaud" bei 7 Euro. Im durchschnittlichen Café zahlen Einheimische etwa 3,20 Euro. Vor vier Jahren lag dieser Wert noch bei 2 Euro. In diesem Zeitraum stieg der Kaffeepreis doppelt so stark wie der durchschnittliche Nettolohn.

Auch in Prag schwankt der Kaffeepreis deutlich. Die Zeiten, in denen man nur einen "turek", also Mokka, bestellen konnte, sind vorbei. Je nach Lage - Touristengegend oder "normales" Viertel - muss man mit etwa 2,25 bis 3,70 Euro rechnen.

Warschau und Moskau: Hoher Kaffeepreis für viele Bürger

In Warschau liegt der Kaffeepreis für Cappuccino bei beliebten Ketten zwischen 3,80 und 4,80 Euro. In der Altstadt können auch 6,50 Euro verlangt werden. Angesichts eines durchschnittlichen Nettogehalts von 1.450 Euro ist das viel. Zwar wird über steigende Kaffeepreise diskutiert, doch an das höhere Niveau in der Gastronomie haben sich viele gewöhnt.

In Moskau kostet ein Cappuccino bei der russischen Kette Azbuka Vkusa umgerechnet ab rund 3,80 Euro - auch nahe dem Roten Platz. Die bei wohlhabenden Jugendlichen populäre Kette Coffeemania verlangt gut 6 Euro für eine kleine Tasse. Für zahlreiche Russen ist dieser Kaffeepreis hoch. Wer in Vollzeit an einer Supermarktkasse arbeitet, verdient umgerechnet nur zwischen 550 und 930 Euro. Das Durchschnittsgehalt in Moskau beträgt rund 1.900 Euro.

Süd-Nord-Gefälle beim Kaffeepreis in Deutschland

In Deutschland lag der durchschnittliche Kaffeepreis für einen Cappuccino 2025 laut YouGov bei 3,14 Euro. 2021 waren es noch 2,24 Euro. In Bayern und Baden-Württemberg betrug der Kaffeepreis 3,20 Euro und damit etwas mehr als in nördlichen Bundesländern mit 3,08 Euro. Numbeo ermittelte für einen mittleren Cappuccino in einem Restaurant einen durchschnittlichen Kaffeepreis von 3,57 Euro. Auf dem Markt herrscht derzeit Bewegung: Mehrere neue Ketten eröffneten Filialen in deutschen Großstädten.

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