Wirtschaft

Inflation in Frankreich und Spanien: Unerwarteter Anstieg zwingt EZB harten Wechselkurs aufrechtzuerhalten

Neue Inflationsdaten aus Frankreich und Spanien sorgen für Unruhe an den Märkten. Muss die Europäische Zentralbank ihre Zinspolitik länger restriktiv halten?
02.03.2026 15:20
Lesezeit: 5 min

Teuerung zieht wieder an: Warum die EZB vorerst hart bleibt

Die jüngsten Inflationszahlen aus Frankreich und Spanien fallen höher aus als von Ökonomen erwartet. Damit gerät die Hoffnung auf rasche Zinssenkungen in der Eurozone erneut ins Wanken. Für die Europäische Zentralbank liefern die Daten Argumente, den geldpolitischen Kurs vorerst unverändert zu lassen.

Die Entwicklung zeigt, dass der Weg zu einer nachhaltigen Stabilisierung der Preisentwicklung in der Eurozone komplexer sein könnte als bislang angenommen. Insbesondere in zwei der größten Volkswirtschaften des Währungsraums verstärkt sich der Preisdruck wieder.

Frankreich mit deutlichem Preissprung

In Frankreich stiegen die Verbraucherpreise im Februar 2026 im Jahresvergleich um 1,1 Prozent. Im Januar hatte die Inflationsrate noch bei 0,4 Prozent gelegen. Die Konsensprognose der Ökonomen lag bei lediglich 0,7 Prozent. Der Anstieg fiel damit deutlich stärker aus als erwartet.

Ein wesentlicher Faktor war die geringere dämpfende Wirkung der Energiepreise. Im Vorjahr hatten regulierte Preisanpassungen noch bremsend gewirkt, dieser Effekt schwächte sich nun ab. Die Banque de France rechnet damit, dass sich der Preisauftrieb in den kommenden Monaten fortsetzt. Für das Gesamtjahr 2026 wird eine durchschnittliche Inflationsrate von 1,3 Prozent erwartet.

Spanien bleibt wachstumsstark und preissensibel

Auch in Spanien überraschte die Teuerung positiv. Die Inflationsrate stieg auf 2,5 Prozent, nachdem sie im Vormonat bei 2,4 Prozent gelegen hatte. Analysten hatten mit einem Rückgang auf 2,3 Prozent gerechnet. Die spanische Wirtschaft zählt derzeit zu den wachstumsstärksten im Euroraum.

Neben dem robusten Tourismussektor trägt auch eine starke Binnennachfrage zur Dynamik bei. Ein anhaltender Zustrom von Migranten stärkt Konsum und Arbeitsmarkt. Diese wirtschaftliche Vitalität erschwert jedoch eine schnelle Abschwächung der Preisentwicklung. Die Inflation zeigt sich widerstandsfähiger gegenüber den bisherigen geldpolitischen Maßnahmen.

EBC dürfte Zinspause verlängern

Die aktuellen Daten stärken jene Mitglieder im EZB-Rat, die für eine Fortsetzung der Zinspause plädieren. Seit Juni des vergangenen Jahres sind die Leitzinsen unverändert. Die Notenbank sieht die Inflation bislang im Bereich ihres Zielwerts von zwei Prozent verankert.

Der erneute Anstieg in wichtigen Mitgliedstaaten könnte jedoch dazu führen, dass Zinssenkungen weiter hinausgeschoben werden. Für die Märkte bedeutet dies anhaltend höhere Finanzierungskosten und eine verlängerte Phase geldpolitischer Zurückhaltung. Die überraschend höheren Inflationswerte in Frankreich und Spanien senden ein klares Signal an die Geldpolitik. Der Disinflationsprozess in der Eurozone verläuft nicht linear. Solange sich der Preisdruck in großen Volkswirtschaften als hartnäckig erweist, dürfte die Europäische Zentralbank an ihrem restriktiven Kurs festhalten. Die Aussicht auf schnelle Zinssenkungen rückt damit in weitere Ferne.

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