Politik

Iran-Krieg: Auswirkungen auf Russlands Krieg in der Ukraine

Der Iran-Krieg überschattet den Ukraine-Konflikt und verunsichert Kiew wie Moskau. Besonders Waffenlieferungen und Drohnenstrategien geraten dadurch ins Wanken.
05.03.2026 10:39
Lesezeit: 3 min
Iran-Krieg: Auswirkungen auf Russlands Krieg in der Ukraine
Auf diesem Foto, das vom Pressedienst der 93. mechanisierten Brigade der Ukraine zur Verfügung gestellt wurde, ist ein beschädigtes Wohnviertel zu sehen, nachdem eine russische gelenkte Fliegerbombe das Stadtzentrum an der Frontlinie in Druschkiwka getroffen hat. (Foto: dpa)

Wie wirkt sich der Iran-Krieg auf den Ukraine-Konflikt aus?

Der Krieg im Nahen Osten beeinflusst auch Russlands Invasion in der Ukraine. Moskau und Kiew spüren die Folgen dabei auf unterschiedliche Weise.

Nahost-Krieg überschattet Ukraine-Konflikt

Der Krieg im Iran wirft derzeit einen Schatten auf das Kampfgeschehen in der Ukraine. Auch wenn Moskau und Kiew am Konflikt im Nahen Osten nicht direkt beteiligt sind, betreffen die Ereignisse dort die Kriegsparteien sehr konkret. Einige Fragen und Antworten beleuchten die Auswirkungen der Angriffe von USA und Israel gegen den Iran auf den Ukraine-Krieg:

Iran als wichtiger Verbündeter Russlands

Der Iran war vor allem in den ersten Kriegsjahren ein entscheidender Waffenlieferant im Ukraine-Krieg. Moskau, das die Entwicklung von Drohnen verschlafen hatte, erhielt ab Sommer 2022 Kampfdrohnen des Typs Shahed aus Teheran. Iranische Spezialisten schulten russische Soldaten im Umgang mit den Drohnen. Später unterstützte das Land Moskau beim Aufbau einer eigenen Drohnenproduktion.

Zu den iranischen Lieferungen gehörten auch Patronen und Artilleriemunition sowie – Medienberichten zufolge – ab 2024 sogar Raketen. 2025 schlossen beide Länder eine «strategische Partnerschaft», bei der rund ein Drittel des 47 Paragrafen umfassenden Vertrags der Kooperation in Militär, Rüstung und Sicherheit gewidmet ist. Der exakte Umfang der gegenseitigen Waffenlieferungen bleibt im Dunkeln.

Russland und der Iran: Ressourcenaufwand

Die strategische Partnerschaft verpflichtet Russland nicht zu einem militärischen Eingreifen zugunsten des Irans. Kurz vor den Angriffen der USA und Israels sollen jedoch verstärkt russische Waffenlieferungen an Teheran gegangen sein. Kriegsentscheidend seien diese aber nicht, meint Nikita Smagin, Autor eines Blogs der US-Denkfabrik Carnegie. Auch für den Ukraine-Krieg dürften diese Lieferungen unbedeutend bleiben, da Moskau die Bedürfnisse der Front schon zuvor über alles stellte.

Wirtschaftliche Effekte für Russland

Politisch verurteilte Russland die Angriffe der USA und Israels, wirtschaftlich könnte es davon profitieren. Die Öl- und Gaspreise steigen wegen der Unsicherheit im Nahen Osten drastisch. Russland könnte zudem seine Exportmengen erhöhen – etwa nach China, Indien oder in die Türkei. Für den von einem hohen Defizit belasteten russischen Etat ist das günstig: Mehr als ein Viertel der geplanten Einnahmen stammen aus dem Verkauf fossiler Rohstoffe. So hätte Russland zusätzliche Mittel, um seinen Krieg zu finanzieren. Knapp 40 Prozent des Haushalts fließen ohnehin in Militär, Rüstung und nationale Sicherheit.

Ukraine fürchtet um westliche Militärhilfen

In Kiew wächst die Sorge, dass ein sich hinziehender Iran-Krieg wichtige Unterstützung aus dem Westen verzögern könnte. «Ja, fraglos beunruhigt uns diese Frage, und daher sind wir im Kontakt mit unseren Partnern», sagte Präsident Wolodymyr Selenskyj am Montag. Es gab Telefonate mit Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (CDU).

Neben der finanziellen Unterstützung betrifft dies vor allem Lieferungen für Flugabwehrraketen, die auch am Golf für die US-amerikanischen Patriot-Systeme gebraucht werden. Mit diesen schoss die ukrainische Flugabwehr bisher russische ballistische Raketen ab; Verzögerungen beim Nachschub hatten im Januar nach Angaben aus Kiew verheerende Folgen.

Drohnen-Know-how der Ukraine am Persischen Golf

Nach Beginn iranischer Drohnenangriffe auf die Golf-Staaten schlug Selenskyj vor, ukrainische Experten für Drohnenabwehr an den Persischen Golf zu entsenden. Bedingung sei jedoch eine Waffenruhe in der Ukraine. Außerdem sollten die Golfmonarchien ihre guten Beziehungen zu Russland nutzen. Bisher blieben seine Initiativen jedoch erfolglos.

«Wenn wir zum Beispiel über Waffen im Krieg sprechen, an denen wir einen Mangel haben, dann sind das PAC-3-Abfangraketen (für Patriot-Systeme), und wenn sie uns diese geben, geben wir ihnen Abfangdrohnen. Das ist ein gleichwertiger Tausch», sagte Selenskyj vor wenigen Tagen. Angesichts der Bedrohungslage am Golf durch iranische ballistische Raketen dürfte dieser Vorschlag kaum aufgegriffen werden.

Friedensgespräche in Gefahr

Die Kriegshandlungen am Golf erschweren auch die seit Wochen laufenden Verhandlungen über ein Ende des Ukraine-Kriegs. Zuletzt trafen sich die Unterhändler in Genf (Schweiz) und zuvor in Abu Dhabi (Vereinigte Arabische Emirate). Wann und wo die Gespräche fortgesetzt werden, ist vorerst unklar. Die USA sind als bisherige Vermittler zwar weiter erwünscht, müssen sich nun aber selbst um den Konflikt im Nahen Osten kümmern.

Nach Äußerungen Selenskyjs sollte die nächste Runde der trilateralen Gespräche mit Russland und den USA am Donnerstag oder Freitag in Abu Dhabi stattfinden. Angesichts der Sicherheitslage in den Vereinigten Arabischen Emiraten hat der Kreml bereits abgewinkt. Eine Alternative in Genf lehnte Moskau wegen der «unzureichenden Neutralität» der Schweiz und wohl auch wegen logistischer Probleme ab, da der europäische Luftraum für russische Flugzeuge gesperrt ist und Sonderflüge ausgehandelt werden müssten.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen Aktienmarkt in Gefahr: Investoren warnen vor Eskalation im Iran-Konflikt
25.03.2026

Die Märkte geraten ins Wanken, während geopolitische Spannungen eskalieren. Investoren befürchten nach den Drohungen eines eskalierenden...

DWN
Politik
Politik Russlands Ölexport unter Beschuss: Energiekrieg erreicht neue Stufe
25.03.2026

Explosionen in russischen Ostseehäfen lassen den Ölfluss abrupt versiegen. Die Angriffe treffen Moskaus Energieinfrastruktur empfindlich...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Tarif-Durchbruch in der Chemie: Mehr Geld und Jobgarantie für 585.000 Beschäftigte
25.03.2026

Lohnplus trotz Krise: Die rund 585.000 Beschäftigten der deutschen Chemie- und Pharmabranche erhalten künftig deutlich mehr Geld. Nach...

DWN
Politik
Politik Turbo für die Verteidigung: EU plant Millionen-Spritze für Militär-Innovationen
25.03.2026

Die EU-Kommission will die militärische Schlagkraft Europas durch schnellere Innovationszyklen sichern. Ein neues Förderinstrument namens...

DWN
Politik
Politik Digitale Gewalt: Was die Regierung jetzt plant
25.03.2026

Deepfakes, Überwachung, intime Bilder – digitale Gewalt nimmt zu, und der politische Druck wächst. Die Bundesregierung arbeitet an...

DWN
Politik
Politik Recht auf Reparatur: So sparen Sie künftig Geld bei Handy, Waschmaschine & Co.
25.03.2026

Schluss mit der Wegwerf-Kultur: Das neue „Recht auf Reparatur“ soll die Lebensdauer von Haushaltsgeräten und Smartphones deutlich...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft BASF-Aktie: Mega-Werk in China eröffnet – Wachstumschance oder riskante Wette?
25.03.2026

Der Chemieriese BASF setzt voll auf Expansion: Mit der offiziellen Eröffnung des neuen Verbundstandorts in Zhanjiang nimmt der...

DWN
Immobilien
Immobilien Immobilien-Hammer 2026: Steigende Preise und Zins-Schock durch Iran-Krieg
25.03.2026

Immobilienkäufer stehen vor einer Doppelbelastung: Erstmals seit 2022 ziehen die Preise wieder an (+3,2 %), während der Iran-Krieg die...