Politik

EU will Begriffe wie „veganes Steak“ und „veganer Speck“ verbieten

Die EU will Fleischbegriffe künftig stärker schützen. Doch während „veganes Steak“ und „veganer Speck“ verboten werden sollen, bleiben „veganer Burger“ und „vegane Wurst“ erlaubt.
09.03.2026 18:00
Lesezeit: 4 min
EU will Begriffe wie „veganes Steak“ und „veganer Speck“ verbieten
Begriffe wie Veggie-Burger oder vegane Wurst bleiben bestehen. (Foto: dpa) Foto: Silas Stein

Die Debatte um veganen Speck geht weiter

Der Rat der Europäischen Union und das Europäische Parlament haben sich darauf geeinigt, die Verwendung bestimmter Fleischbegriffe für pflanzliche Lebensmittel zu verbieten. Begriffe wie Steak oder Speck sollen künftig ausschließlich für Fleischprodukte verwendet werden. Ausdrücke wie Veggie-Burger oder vegane Wurst bleiben dagegen weiterhin erlaubt.

Das Europäische Parlament hatte ursprünglich vorgeschlagen, auch die Begriffe Veggie-Burger und vegane Wurst für pflanzliche Produkte zu verbieten. Diese Position hatten die Abgeordneten bereits im Oktober des vergangenen Jahres beschlossen. Vor allem die deutsche Lebensmittelindustrie sprach sich jedoch gegen diesen Vorschlag aus, da Deutschland der größte Markt für pflanzliche Ersatzprodukte in Europa ist. Auch einige Umweltorganisationen stellten sich gegen das geplante Verbot.

Inzwischen hat das Parlament einem Kompromiss zugestimmt. Demnach sind Fleischbegriffe künftig ausschließlich Fleischprodukten vorbehalten und dürfen nicht mehr für pflanzliche Lebensmittel verwendet werden.

Zugeständnis an die Viehwirtschaft

Nach Angaben aus Brüssel gilt die Einigung zwischen den EU-Mitgliedstaaten und dem Europäischen Parlament als Erfolg für europäische Viehzüchter. Diese argumentieren seit längerem, dass pflanzliche Produkte, die Fleisch imitieren, Verbraucher irreführen und ihren ohnehin unter Druck stehenden Sektor zusätzlich gefährden. „Die Vereinbarung ist ein wichtiger Schritt hin zu gerechteren und widerstandsfähigeren Agrarmärkten“, erklärte die zyprische Ministerin für Landwirtschaft, ländliche Entwicklung und Umwelt, Maria Panayiotou. Ihr Land führt derzeit den Vorsitz im Rat der Europäischen Union.

Das Verbot von Fleischbezeichnungen für pflanzliche Produkte wurde im Rahmen eines umfassenderen Maßnahmenpakets zum Schutz von Landwirten beschlossen. Dieses Paket wurde nach monatelangen politischen Auseinandersetzungen ausgehandelt, bei denen Kritiker immer wieder die praktische Wirksamkeit der Regelung infrage stellten.

Europa wird zu einem teuren Museum

Ein Beispiel aus Slowenien: Die beiden größten Hersteller pflanzlicher Fleischalternativen, Grashka und Juicy Marbles, hatten sich bereits im Oktober zu der Debatte geäußert: „Fleisch- und Milch-Lobbys investieren natürlich viel Geld, um das Wachstum pflanzlicher Ernährung zu bremsen. Gleichzeitig haben viele von ihnen längst begonnen, eigene Programme für pflanzliche Produkte zu entwickeln. So wie sich die Elektrifizierung des Verkehrs nicht aufhalten lässt, wird sich auch die Ausbreitung pflanzlicher Ernährung nicht stoppen lassen. Ich sehe kein Problem darin, dass ein Burger auch pflanzlich sein kann, so wie Brot auch glutenfrei sein kann. Ich habe noch nie gehört, dass jemand protestiert, weil ein Brot aus modifizierten Stärken besteht und keinen Weizen enthält“, sagte Marin Rojnik, Geschäftsführer von Grashka.

Tilen Travnik von Juicy Marbles erklärte gegenüber unseren Kollegen des slowenischen Portals Casnik Finance: „Dann werden wir eben mehr außerhalb der EU exportieren und beobachten, wie sich der Kontinent, auf dem wir leben, langsam in ein sehr teures Museum verwandelt, in dem weiterhin so gelebt wird wie früher.“

Wie sinnvoll ist die Debatte?

Der Streit um Begriffe wie veganes Steak oder veganer Speck zeigt den zunehmenden Konflikt zwischen traditioneller Landwirtschaft und Herstellern pflanzlicher Lebensmittel. Während Viehzüchter stärkeren Schutz ihrer Produkte fordern, sehen Produzenten pflanzlicher Alternativen darin einen Versuch, den wachsenden Markt auszubremsen. Für die Branche könnte die Entscheidung der EU dennoch nur begrenzte Folgen haben, da viele Hersteller ihre Produkte zunehmend außerhalb Europas verkaufen.

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