Berkshire Hathaway-Aktie: Wie geht es nach Buffett weiter? Milliarden Cash als Risiko?
Berkshire Hathaway galt über Jahrzehnte als Synonym für langfristigen Anlageerfolg. Doch nach dem Rückzug von Warren Buffett steht das größte Investmentkonglomerat der Welt vor einer neuen Phase. Die zentrale Frage lautet nun, ob die Berkshire Hathaway-Aktie auch ohne Buffett seine außergewöhnliche Erfolgsbilanz fortsetzen kann. Das berichten unsere Kollegen von Äripäev. Die Aktie gehört seit über einem Jahrzehnt zu den stabilen Säulen vieler Anlegerportfolios. In diesem Zeitraum stieg der Kurs um rund 208 Prozent und brachte Anlegern erhebliche Gewinne. In einem konkreten Portfolio beispielsweise befinden sich achtzig Berkshire-Aktien mit einem durchschnittlichen Einstiegspreis von 162,53 Dollar.
Die Entwicklung war dabei nie spektakulär schnell. Typisch für Berkshire Hathaway ist ein langsames, aber stetiges Wachstum des Unternehmenswertes. Selbst bei langfristig starken Renditen können kurzfristige Rückgänge allerdings schmerzhaft sein. Im Sommer 2025 fiel die Aktie beispielsweise um mehr als zehn Prozent vom Höchststand zurück und entwickelte sich kurzfristig schwächer als der Gesamtmarkt. Damals stellte sich erneut eine klassische Investorenfrage: Bleibt das Vertrauen bestehen, wenn Kurse zwischenzeitlich fallen? Warren Buffett selbst vertrat stets die Strategie, qualitativ hochwertige Unternehmen zu einem vernünftigen Preis zu kaufen und sie langfristig zu halten. Die historische Entwicklung spricht für diesen Ansatz. Zwischen 1996 und 2026 legte die Aktie von Berkshire Hathaway um mehr als 2154 Prozent zu. Der breite US-Aktienindex S&P 500 stieg im gleichen Zeitraum um etwa 1021 Prozent.
Berkshire Hathaway: Der Beginn der Abel-Ära
Inzwischen hat für Berkshire Hathaway eine neue Ära begonnen. Warren Buffett trat als Vorstandsvorsitzender zurück. Seit 2026 führt Greg Abel das Unternehmen als neuer CEO. Buffett bleibt zwar Vorsitzender des Verwaltungsrats, doch die operative Verantwortung liegt nun vollständig bei Abel. Der Führungswechsel erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem Berkshire finanziell außergewöhnlich stark aufgestellt ist. Das Unternehmen verfügt über rund 369 Milliarden Dollar an liquiden Mitteln sowie ein Aktienportfolio im Wert von etwa 298 Milliarden Dollar. Für Abel bedeutet dies eine enorme Verantwortung. Seine wichtigste Aufgabe besteht nicht nur darin, das bestehende System zu bewahren. Er muss auch entscheiden, wie dieses gewaltige Kapital künftig gewinnbringend eingesetzt wird. Sein erstes Schreiben an die Aktionäre wirkte dabei eher konservativ. Abel betonte, dass sich am dezentralen Geschäftsmodell von Berkshire nichts ändern werde. Auch die Unternehmenskultur soll unverändert bleiben. Dazu gehören eine besonders solide Bilanz, geduldige Kapitalallokation und eine langfristige Perspektive. Gleichzeitig deutet sich ein Stilwechsel an. Während Buffett in seinen Aktionärsbriefen oft erklärte, warum Berkshire bestimmte Entscheidungen trifft, konzentrierte sich Abel stärker darauf, wie das Unternehmen künftig geführt werden soll.
Das Aktienportfolio von Berkshire Hathaway bleibt stark konzentriert. Die größte Position ist weiterhin Apple. Sie macht rund ein Fünftel des gesamten Portfolios aus und hat einen Wert von etwa 61,9 Milliarden Dollar. Dahinter folgen American Express mit rund 56,1 Milliarden Dollar sowie Coca-Cola mit etwa 27,9 Milliarden Dollar. Im Energiesektor bleibt Chevron eine wichtige Beteiligung. Der Anteil im Portfolio liegt bei über sieben Prozent. Ende 2025 kaufte Berkshire zusätzlich acht Millionen Chevron-Aktien. Neben börsennotierten Beteiligungen setzt Berkshire weiterhin auf direkte Unternehmensübernahmen. Im Jahr 2025 kamen der Industriechemieproduzent OxyChem sowie das kleinere Familienunternehmen Bell Laboratories hinzu, das auf Schädlingsbekämpfung spezialisiert ist. Greg Abel bemerkte dazu mit einem typisch Buffett’schen Humor, er hätte sich gewünscht, dass dieses Unternehmen zehnmal so groß wäre. Auch die operativen Beteiligungen liefern weiterhin stabile Ergebnisse. Die Eisenbahngesellschaft BNSF konnte ihre operative Marge auf 34,5 Prozent steigern. Laut Abel bedeutet bereits eine Verbesserung der Marge um einen Prozentpunkt einen zusätzlichen Cashflow von etwa 230 Millionen Dollar.
Berkshire Hathaway-Aktie: Risiken trotz gigantischer Liquidität
Trotz der starken Ausgangsposition bestehen auch Unsicherheiten. Ein Punkt betrifft den Aktienrückkauf. Berkshire hat in letzter Zeit keine eigenen Aktien zurückgekauft. Unter Buffett galt dabei eine klare Regel. Wenn das Unternehmen keine attraktiven Investitionsmöglichkeiten fand, kaufte es eigene Aktien zurück. Voraussetzung war jedoch, dass diese unter ihrem inneren Wert gehandelt wurden. Historisch erfolgten Rückkäufe häufig, wenn die Aktie unter etwa dem 1,3-fachen Buchwert lag. Aktuell liegt dieses Verhältnis bei rund 1,5. Das könnte darauf hindeuten, dass das Management die Aktie derzeit nicht als besonders günstig bewertet. Auch andere Bewertungskennzahlen liefern ein gemischtes Bild. Das aktuelle Kurs-Gewinn-Verhältnis von Berkshire liegt bei etwa 16,1. Das erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis beträgt rund 23. Gleichzeitig bewegt sich das PEG-Verhältnis, das das Kurs-Gewinn-Verhältnis durch die erwartete Wachstumsrate teilt, je nach Quelle zwischen drei und sechs. Bei vielen Unternehmen wäre dies ein Hinweis darauf, dass das Wachstum im Verhältnis zur Bewertung nicht mehr besonders günstig erscheint.
Bei der Berkshire Hathaway-Aktie ist diese Kennzahl allerdings nur eingeschränkt aussagekräftig. Warren Buffett hat mehrfach darauf hingewiesen, dass der ausgewiesene Gewinn pro Aktie irreführend sein kann. Der Grund liegt im enormen Aktienportfolio des Konzerns. Unrealisierte Wertänderungen von Beteiligungen wie Apple oder Coca-Cola fließen in den Gewinn ein. Fällt der Markt, kann das PEG-Verhältnis stark ansteigen oder sogar negativ werden. Gleichzeitig verdienen die operativen Geschäftsbereiche weiterhin stabil Geld. Hinzu kommt die enorme Größe des Unternehmens. Berkshire wächst nicht mit jährlichen Raten von zwanzig oder dreißig Prozent wie manche Technologiekonzerne. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis bleibt relativ stabil, während die Wachstumsraten moderater ausfallen. Deshalb liegt das PEG-Verhältnis häufig über eins.
Viele Investoren akzeptieren diese Bewertung, weil Berkshire über eine außergewöhnlich große Liquiditätsreserve verfügt und in Krisenzeiten häufig als stabiler Hafen gilt. Ein weiterer Risikofaktor könnten sinkende Zinsen sein. Berkshire erzielt erhebliche Einnahmen aus seinen Bargeldbeständen und Staatsanleihen. Im Jahr 2025 beliefen sich die Zins- und Dividendenerträge auf mehr als 23 Milliarden Dollar. Sollten die Zinsen sinken, könnte dieser Ertrag deutlich zurückgehen. Das Unternehmen müsste sich dann stärker auf das Wachstum seiner operativen Geschäfte verlassen.
Berkshire Hathaway und die Bedeutung für Anleger
Für Anleger bleibt Berkshire Hathaway eine der bekanntesten internationalen Beteiligungsgesellschaften. Viele Privatanleger halten die Berkshire Hathaway-Aktie über internationale Depots oder globale ETF-Strategien. Die Relevanz für deutsche Investoren liegt vor allem in der Rolle von Berkshire Hathaway als langfristig orientierter Value-Investor mit globaler Beteiligungsstruktur. Für Investoren steht daher aktuell weniger die Frage im Mittelpunkt, ob Berkshire ein solides Unternehmen ist. Die größere Herausforderung besteht darin, ob Greg Abel das gewaltige Kapital des Konzerns ebenso erfolgreich einsetzen kann wie sein Vorgänger. Gerade angesichts von mehr als 369 Milliarden Dollar Liquidität wird sich zeigen, ob das Unternehmen auch in der Ära nach Buffett außergewöhnliche Renditen erzielen kann.

