Produktionskosten senken: Wie das geht und wo Unternehmen starten sollten
Um die tatsächlichen Kosten eines Produkts oder einer Dienstleistung zu verstehen, sind die Auswertung von Produktionsdaten in Echtzeit und eine konsequente Steuerung der Kosten entscheidend. Darauf weist Robert Orehek hin, Leiter der Geschäftsentwicklung beim Unternehmen Tom PIT.
Nach Beobachtungen des Unternehmens greifen viele Produktionsbetriebe bei der Berechnung der Produktkosten weiterhin überwiegend auf klassische Methoden der Kostenrechnung zurück. Diese liefern zwar Orientierungswerte, spiegeln jedoch häufig nicht die realen Abläufe in der Produktion wider.
Grenzen klassischer Kostenrechnung in der Produktion
In vielen Unternehmen werden mit ERP-Systemen standardisierte Verbrauchswerte für Material, Personal und Maschinen hinterlegt. Zusätzlich werden pauschale Kosten berücksichtigt, die teilweise erst mit deutlicher zeitlicher Verzögerung verbucht werden, etwa einen Monat oder sogar ein ganzes Jahr später. Diese Vorgehensweise ist nach Einschätzung von Orehek zwar besser als gar keine Datengrundlage, führt jedoch selten zu einer wirklich präzisen Kostenkalkulation. Erfolgreiche Unternehmenslenker analysieren jede Produktionsserie und jedes Projekt genau und prüfen, welche Faktoren zum Erfolg oder zu Problemen geführt haben.
Viele Manager suchen gezielt nach der optimalen Produktionsserie. Wenn die Berechnung jedoch auf dem FIFO-Prinzip beim Materialverbrauch und auf ungefähren Zeitangaben aus verschiedenen Aufzeichnungen basiert, fehlen entscheidende Informationen. Unter diesen Umständen lässt sich kaum nachvollziehen, welche Faktoren eine Produktion tatsächlich besonders effizient gemacht haben. Genau diese Erkenntnisse sind jedoch notwendig, um erfolgreiche Abläufe künftig gezielt zu wiederholen.
Analyse der entscheidenden Produktionsparameter
Hat ein Unternehmen eine besonders erfolgreiche Produktionsserie oder ein effizientes Projekt identifiziert, muss das System jene Parameter herausfiltern, die zu diesem Ergebnis beigetragen haben. Nur so lassen sich erfolgreiche Abläufe später gezielt reproduzieren. Dabei spielen zahlreiche Faktoren eine Rolle. Dazu gehören etwa die jeweilige Arbeitsschicht, die eingesetzten Maschinen, die Zusammensetzung der Teams oder auch die verwendeten Eingangsmaterialien.
Ebenso relevant können die Version des Produktionsverfahrens, saisonale Unterschiede zwischen Sommer und Winter, der Wochentag oder die Erfahrung der beteiligten Mitarbeiter sein. Erst wenn diese Parameter bekannt sind, lässt sich eine erfolgreiche Produktionsserie zuverlässig wiederholen. Grundlage für solche Analysen sind präzise Produktionsdaten in Echtzeit. Nur auf dieser Basis können Unternehmen fundierte Entscheidungen über Effizienz, Margen und die tatsächlichen Produktionskapazitäten treffen.
Produktionskosten senken: Datenerfassung als zentrale Herausforderung
Eine der größten Herausforderungen für Unternehmen, die ihre Produktionskosten senken wollen, ist nach Einschätzung von Orehek die lückenlose Erfassung aller relevanten Daten. Selbst in stark digitalisierten Industrie-4.0-Umgebungen existieren weiterhin manuelle Arbeitsplätze. Wenn nicht sämtliche Stationen im Produktionsprozess erfasst werden, lässt sich kein exakter Kostenwert berechnen. Schon einzelne Lücken in der Datenerfassung können dazu führen, dass wichtige Kostenfaktoren unberücksichtigt bleiben.
Auch der Einsatz von Barcodes auf gedruckten Arbeitsaufträgen bedeutet noch keine echte Digitalisierung der Geschäftsprozesse. Entscheidend ist vielmehr, dass die Daten in dem Moment in das System gelangen, in dem sie entstehen. Nur auf dieser Grundlage können Unternehmen belastbare Entscheidungen über Effizienzsteigerungen, Margen und die tatsächlichen Produktionskapazitäten treffen. Ohne präzise Echtzeitdaten bleiben viele wirtschaftliche Entscheidungen zwangsläufig ungenau.
Produktionsdaten werden zum Wettbewerbsfaktor für deutsche Unternehmen
Die präzise Auswertung von Produktionsdaten gewinnt auch für deutsche Industrieunternehmen zunehmend an Bedeutung. Steigende Energiepreise, intensiver internationaler Wettbewerb und zunehmende Automatisierung erhöhen den Druck, Produktionsprozesse effizienter zu steuern.
Gerade exportorientierte Industriebetriebe stehen vor der Herausforderung, Kostenstrukturen transparent zu machen und Produktionsabläufe kontinuierlich zu verbessern. Datenbasierte Produktionssteuerung kann dabei helfen, ineffiziente Prozesse frühzeitig zu erkennen und gezielt zu optimieren. Unternehmen, die ihre Produktionsparameter systematisch analysieren und erfolgreiche Produktionsserien reproduzieren können, verschaffen sich damit einen wichtigen Wettbewerbsvorteil. Für viele deutsche Industriebetriebe dürfte die präzise Nutzung von Produktionsdaten deshalb zu einem entscheidenden Faktor für langfristige Wettbewerbsfähigkeit werden.
