Gebäudesanierung: Ganzheitliche Modernisierung statt Einzelmaßnahmen
Das Bewusstsein für Energieeffizienz hat sich in den vergangenen 20 bis 30 Jahren deutlich verändert, berichten unsere Kollegen von Äripäev. Während sich Maßnahmen zur Modernisierung von Gebäuden um die Jahrtausendwende oft auf einzelne Arbeiten beschränkten, etwa den Austausch von Fenstern, verfolgen Eigentümer und Planer heute zunehmend einen ganzheitlichen Ansatz. Dabei reicht die Bandbreite von der Dämmung der Gebäudehülle bis zum Einsatz intelligenter technischer Systeme. Nach Angaben von Toomas Rähmonen, Geschäftsführer des estnischen Energieanalyse-Unternehmens Termopilt OÜ, hat sich im Laufe der Jahre viel praktisches Wissen angesammelt. Dieses Erfahrungswissen hilft heute dabei, Gebäudesanierungen systematischer zu planen und effizienter umzusetzen.
Zu Beginn der 2000er Jahre wurden Entscheidungen zur Verbesserung der Energieeffizienz häufig auf Basis begrenzter Kenntnisse getroffen. Bauphysikalische Zusammenhänge waren vielen Beteiligten noch nicht ausreichend bekannt. In der Praxis führte dies gelegentlich zu Lösungen, die sich im Alltag als problematisch erwiesen. "So wurde in einer Wohnung beispielsweise entschieden, die Wände von innen zu dämmen. Nach wenigen Wintern war die gesamte Dämmung durchnässt und es entstanden erhebliche Feuchtigkeitsschäden", erinnert sich Rähmonen. Auch kam es häufig vor, dass Eigentümer hohe Summen in hochwertige Innenausstattung investierten, während die Dämmung selbst zu dünn ausgeführt wurde. Inzwischen sind solche Fehler dank praktischer Erfahrungen und wissenschaftlicher Studien weitgehend bekannt. Entsprechend werden Rekonstruktions- und Sanierungsmaßnahmen heute deutlich systematischer und qualitativ hochwertiger umgesetzt.
Rekonstruktion verlängert Lebensdauer von Gebäuden um Jahrzehnte
Aus Sicht von Rähmonen stellt die Modernisierung bestehender Gebäude die realistischste und wirtschaftlich sinnvollste Lösung dar. "Wenn die Gebäudehülle und die technischen Systeme erneuert werden, entsteht für die tragenden Konstruktionen gewissermaßen ein dauerhaftes Sommerklima. Dadurch verlängert sich die Lebensdauer des Gebäudes um mehrere Jahrzehnte", erklärt er. Eine umfassende Rekonstruktion reduziert nicht nur den Energieverbrauch, sondern verbessert auch das Raumklima und steigert den Wert der Immobilie. Gleichzeitig bleibt die bestehende städtische Infrastruktur erhalten. Neue Bauprojekte lassen sich so teilweise vermeiden, während bestehende Wohnquartiere modernisiert werden. Energieeinsparungen entstehen dabei nicht mehr allein durch eine dickere Dämmschicht. Eine zunehmend wichtige Rolle spielen technische Gebäudeanlagen, moderne Lüftungssysteme und deren intelligente Steuerung.
Auch das Verhalten der Bewohner beeinflusst die Energieeffizienz erheblich. Intelligente Gebäudetechnik erreicht ihr volles Potenzial nur dann, wenn Nutzer verstehen, wie sie diese Systeme korrekt bedienen. Rähmonen nennt ein Beispiel aus der estnischen Universitätsstadt Tartu. Dort besuchte der Vorsitzende einer Eigentümergemeinschaft nach Abschluss der Sanierung jede einzelne Wohnung und erklärte den Bewohnern, wie sie Lüftung und Heizungsregler optimal einstellen. Das Ergebnis fiel deutlich aus. Der Energieverbrauch sank anschließend nochmals um fünf bis zehn Prozent, ohne dass zusätzliche Investitionen erforderlich waren. "Das zeigt, dass Technik und Mensch im gleichen Rhythmus arbeiten müssen. Wenn ein Gebäude gut rekonstruiert ist und die Nutzer die Systeme richtig bedienen, wird Energieeffizienz zu einem echten Gewinn", sagt der Geschäftsführer von Termopilt OÜ.
Energieeffizienz-Analysen: Vom Thermografie-Unternehmen zum Ingenieurberater
Termopilt OÜ wurde vor etwa 20 Jahren gegründet, in einer Phase, als Wärmebildkameras zunehmend verfügbar wurden. Während viele Anbieter sich damals darauf konzentrierten, lediglich Thermografie-Aufnahmen zu erstellen, entschied sich das Unternehmen früh für einen ingenieurtechnischen Ansatz mit tiefergehender Analyse. "Als sich unser Tätigkeitsfeld erweiterte und neue Aufgabenbereiche hinzukamen, haben wir den richtigen Zeitpunkt für eine Umbenennung verpasst. Nach zwei Jahrzehnten unter dem gleichen Namen hat dieser inzwischen einen eigenen Wert entwickelt, auch wenn wir Thermografie als eigenständige Dienstleistung heute praktisch nicht mehr anbieten", erklärt Rähmonen.
Heute umfasst das Leistungsspektrum des Unternehmens vor allem umfassende Energieeffizienzanalysen, Planungsleistungen und Beratungsprojekte. Zwar seien Wärmebildkameras inzwischen für viele Nutzer zugänglich geworden. Der eigentliche Mehrwert liege jedoch in der fachgerechten Interpretation der Bilder und der Entwicklung geeigneter Lösungen. "Wir haben eine Umbenennung des Unternehmens durchaus erwogen. Gleichzeitig besteht die Sorge, dass dies zu einer gewissen Identitätskrise führen könnte. Aus unserer Sicht steht der Name Termopilt inzwischen nicht mehr nur für Thermografie, sondern für einen ganzheitlichen Blick auf die Wärme- beziehungsweise Energienutzung von Gebäuden." Für das Unternehmen sei entscheidend, dass Kunden gerade in komplexen Situationen konkrete Hilfe erhalten und Lösungen finden, die Gebäude nachhaltig verbessern. "Wir freuen uns besonders über Kunden, denen wir in schwierigen Situationen helfen konnten, in denen die richtige Lösung zunächst unerreichbar schien", sagt Rähmonen.
Auch in Deutschland gewinnt die energetische Gebäudesanierung zunehmend an Bedeutung. Angesichts steigender Energiekosten, strengerer EU-Klimavorgaben und einer alternden Gebäudesubstanz rücken umfassende Modernisierungskonzepte stärker in den Fokus von Politik, Immobilienwirtschaft und Eigentümergemeinschaften.

