Google bestellt Milliarden-Speicher bei Form Energy
Google hat am 10. März angekündigt, im US-Bundesstaat Minnesota ein neues Rechenzentrum zu errichten, das mit einer außergewöhnlich großen Speicherlösung abgesichert werden soll. Das Projekt soll mit 1.400 Megawatt Windkraft, 200 Megawatt Solarstrom und einer Spezialbatterie des Start-ups Form Energy betrieben werden.
Auf US-amerikanischen IT-Portalen wird berichtet, dass Google für die Batterie rund eine Milliarde Dollar zahlen wird. Hintergrund ist der wachsende Energiebedarf großer Rechenzentren, deren Versorgung immer stärker mit erneuerbaren Energien und leistungsfähigen Speichersystemen verknüpft wird.
Batterie mit 30 Gigawattstunden Kapazität
Bei dem geplanten System handelt es sich um einen Großspeicher auf Basis der Eisen-/Luft-Technologie. Er soll über mehr als 100 Stunden hinweg 300 Megawatt Strom liefern können. Daraus ergibt sich eine Speicherkapazität von 30 Gigawattstunden.
Google spricht in diesem Zusammenhang von der größten Batterie der Welt. Das lässt sich jedoch nur schwer überprüfen, weil auch in China zahlreiche große Batteriesysteme gebaut werden, zu denen oft nur wenige verlässliche Einzelheiten öffentlich bekannt sind.
Zum Vergleich fällt ein aktuelles Projekt in Slowenien deutlich kleiner aus. Der Speicher, den NGEN derzeit bei Talum errichtet, soll eine Kapazität von 140 Megawattstunden haben. Die Leistung liegt bei 70 Megawatt, die Laufzeit bei zwei Stunden.
Wie die Eisen-Luft-Technologie funktioniert
Das Prinzip der Batterie ist klar strukturiert. Luft beziehungsweise Sauerstoff wird in die Batteriezellen geleitet. Dadurch oxidiert das Eisen, es rostet und setzt dabei Elektronen frei. Genau dieser Vorgang soll helfen, die schwankende Einspeisung aus Wind- und Solarenergie auszugleichen.
Der Speicher soll die Stromerzeugung aus Windkraft mit 1,4 Gigawatt sowie aus einer Solaranlage mit 200 Megawatt stabilisieren. So kann die Batterie Schwankungen bei der Einspeisung ausgleichen und die Versorgung des Rechenzentrums verlässlicher gestalten.
Über Form Energy wurde bereits 2024 berichtet, als Cyril Daran, Entwicklungschef bei NGEN, das Unternehmen in einem Interview erwähnte. Er sagte damals, verbreitet seien bislang vor allem Batteriesysteme mit einer Laufzeit von zwei Stunden, während in den USA bereits erste Langzeitspeicher installiert würden, die von Form Energy entwickelt wurden.
Langzeitspeicher für saisonale Stromlücken
Form Energy wird von Matteo Jaramillo geführt, einem früheren Tesla-Manager. Nach Darstellung von Daran erkannte Jaramillo früh den Bedarf an Batterien, die Strom über längere Zeiträume speichern können und zugleich zu wettbewerbsfähigen Kosten einsetzbar sind.
Saisonale Stromdefizite werden bislang meist mit Gaskraftwerken ausgeglichen. Form Energy setzt dagegen auf Eisen-Luft-Batterien, die sich noch in einer frühen Entwicklungsphase befinden, die aber nach Einschätzung von Daran erhebliches Potenzial haben.
Daran erklärte bereits vor zwei Jahren, dass solche leistungsstarken Speicher in etwa zehn Jahren saisonale Schwankungen ausgleichen und die Speicherung von Energie auch im Winter verbessern könnten. Die Systeme seien zwar größer als Lithium-Batterien, ihre Abmessungen blieben für den Einsatz im Stromnetz aber noch vertretbar.
Frisches Kapital und Börsenpläne
Das Start-up hat nach bisherigen Angaben in mehreren Finanzierungsrunden bereits 1,4 Milliarden Dollar eingesammelt. In einer neuen Runde will das Unternehmen weitere 500 Millionen Dollar aufnehmen.
Zudem soll Form Energy im kommenden Jahr an die Börse gebracht werden. Das zeigt, wie hoch die Erwartungen an neue Speichertechnologien inzwischen sind, vor allem dort, wo Rechenzentren, erneuerbare Energien und Netzstabilität zusammenkommen.
Wachsende Bedeutung für den deutschen Markt
Das Google-Projekt macht deutlich, wie stark der Strombedarf der Digitalwirtschaft wächst und welche Rolle Großspeicher dabei künftig spielen dürften. Auch für Deutschland ist das relevant, weil hier Rechenzentren, Industrie und Stromnetz zunehmend auf verlässliche Speicherlösungen angewiesen sind.
Zugleich zeigt der Fall, wie scharf der internationale Wettbewerb um solche Technologien geworden ist. Für Deutschland stellt sich damit nicht nur die Frage nach einer stabilen Energieversorgung, sondern auch nach der eigenen Position in einem Markt, der für Industrie, Digitalisierung und Energiewende strategisch immer wichtiger wird.

