Wirtschaft

IMK warnt: Neue Inflation in Deutschland durch Ölpreisschock

Die Inflation könnte schneller zurückkehren als viele erwarten. Der Iran-Krieg treibt Energiepreise nach oben und setzt Haushalte unter Druck. Experten sehen kurzfristig steigende Teuerungsraten – doch bleibt es bei einem vorübergehenden Effekt oder droht eine längere Belastung?
19.03.2026 10:25
Lesezeit: 1 min

IMK prognostiziert Inflationsanstieg durch Iran-Krieg

Die Bevölkerung in Deutschland muss sich nach Ansicht von Ökonomen in den kommenden Monaten auf spürbar stärker steigende Preise und höhere Inflation einstellen. "Der durch den Iran-Krieg ausgelöste Preisschock bei Energie, insbesondere Öl, wird die Inflationsrate in Deutschland im ersten und zweiten Quartal 2026 auf merklich über 2,5 Prozent erhöhen", prognostiziert das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der gewerkschaftlichen Hans-Böckler-Stiftung. Damit dürfte die Inflation deutlich an Dynamik gewinnen.

Nach 2,1 Prozent Inflation im Januar 2026 war die Teuerung in Deutschland im Februar mit 1,9 Prozent wieder unter die Marke von zwei Prozent gefallen. Energie verbilligte sich für Haushalte in diesem Monat sogar um 1,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, was die Inflation kurzfristig dämpfte.

Doch der Konflikt im Nahen Osten ließ die Preise für Öl und Gas kräftig steigen, an den Tankstellen hierzulande sind Preise von mehr als zwei Euro für den Liter Benzin oder Diesel seit Tagen üblich, was die Inflation zusätzlich antreibt.

Wer besonders unter steigender Inflation leidet

Etwas stärker trifft der Anstieg der Ölpreise laut Berechnungen des IMK Alleinerziehende sowie Familien mit niedrigen und mittleren Einkommen, da für sie gemessen an ihren übrigen Ausgaben höhere Kraftstoffpreise stärker ins Gewicht fallen und die Inflation intensiver spürbar wird.

Kriegsdauer bleibt zentral für Inflation

Dauert der Krieg nicht länger als wenige Monate, könnten die Effekte des Energiepreisschubs auf die Inflation nach Einschätzung des IMK insgesamt jedoch begrenzt bleiben. Der Iran ist seit Jahren mit Sanktionen belegt und spielt für die Energieversorgung Deutschlands nur eine untergeordnete Rolle. Daher sei der langfristige Effekt in diesem Fall gering - anders als beim russischen Angriff auf die Ukraine, in dessen Folge Russland als wichtiger Energielieferant für Deutschland und Europa ausfiel und die Inflation stark beeinflusste.

"Zwar wird die Inflation kurzfristig deutlich über zwei Prozent steigen, im kommenden Jahr aufgrund von Basiseffekten jedoch deutlich darunter liegen", prognostiziert IMK-Forscherin Silke Tober.

Inflation bleibt ein sensibles Risiko

Die aktuelle Entwicklung zeigt, wie anfällig die Inflation für geopolitische Krisen bleibt. Steigende Energiepreise wirken schnell auf Verbraucherpreise und belasten insbesondere einkommensschwächere Haushalte. Zwar gehen Experten davon aus, dass der Effekt zeitlich begrenzt sein könnte, doch Unsicherheiten bleiben bestehen. Entscheidend wird sein, wie lange der Konflikt anhält und ob sich die Energiemärkte stabilisieren. Im Vergleich zu früheren Krisen erscheint die Lage derzeit weniger dramatisch, dennoch ist Wachsamkeit geboten. Für Politik und Wirtschaft bedeutet dies, frühzeitig auf mögliche Inflationsrisiken zu reagieren und Maßnahmen zur Entlastung zu prüfen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
avtor1
Markus Gentner

Markus Gentner ist seit 1. Januar 2024 Chefredakteur bei den Deutschen Wirtschaftsnachrichten. Zuvor war er zwölf Jahre lang für Deutschlands größtes Börsenportal finanzen.net tätig, unter anderem als Redaktionsleiter des Ratgeber-Bereichs sowie als Online-Redakteur in der News-Redaktion. Er arbeitete außerdem für das Deutsche Anlegerfernsehen (DAF), für die Tageszeitung Rheinpfalz und für die Burda-Tochter Stegenwaller, bei der er auch volontierte. Markus Gentner ist studierter Journalist und besitzt einen Master-Abschluss in Germanistik.

DWN
Politik
Politik Ukrainische Eisenbahn: Russland eröffnet eine neue Front gegen Kiew
13.09.2026

Russland verändert seine Angriffstaktik und nimmt immer häufiger ausgerechnet jene Infrastruktur ins Visier, die die Ukraine...

DWN
Finanzen
Finanzen AppLovin-Aktie: Ist dieser KI-Titel jetzt viel zu billig?
13.09.2026

Mehr als die Hälfte ihres Wertes hat die AppLovin-Aktie seit Jahresbeginn verloren. Doch während Anleger fliehen, wachsen Umsatz und...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Die ältesten Familienunternehmen Deutschlands – von Konzern bis Mittelstand
13.09.2026

Von Merck bis Meindl, von Haniel bis Herder – die 50 ältesten deutschen Familienunternehmen bilden die ganze Vielfalt dieses...

DWN
Technologie
Technologie KI-Cyberangriffe: Banken warnen vor einem neuen Wettrüsten
13.09.2026

Eine vernetzte Kaffeemaschine kann reichen, um Hackern den Weg in eine Bank zu öffnen. Künstliche Intelligenz verändert die...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Arbeiten bei 35 Grad: Braucht Deutschland ein Hitzearbeitsrecht?
13.09.2026

Der Sommer 2026 brachte Rekordtemperaturen von über 41 Grad und mehr als 12.000 hitzebedingte Todesfälle. Jeder Hitzetag kostet die...

DWN
Technologie
Technologie Cyber Resilience Act: Wie Saugroboter zu Waffen werden
13.09.2026

Saugroboter saugen Staub, Kameras überwachen das Haus – und im schlimmsten Fall greifen beide nebenbei fremde Computersysteme an....

DWN
Panorama
Panorama Höhere Kassenbeiträge: Warum Versicherte jetzt selbst aufpassen müssen
13.09.2026

Ein höherer Krankenkassenbeitrag kann das Nettogehalt spürbar schmälern. Bislang kündigten persönliche Schreiben solche Änderungen...

DWN
Politik
Politik Nord Stream bis Schulen: Was könnte die AfD in Mecklenburg-Vorpommern ändern?
13.09.2026

Nord Stream reaktivieren, Windkraft bremsen, den Rundfunkbeitrag abschaffen: Die AfD plant für Mecklenburg-Vorpommern tiefgreifende...