Politik

Iran-Krieg eskaliert weiter: Wird das Regime in Teheran gestürzt?

Der Iran-Krieg zwingt die Staaten am Persischen Golf zu einer grundlegenden Neubewertung ihrer Strategie und trifft besonders die Vereinigten Arabischen Emirate. Wird die Zerschlagung des Regimes in Teheran damit zur einzigen verbleibenden Option für die Region?
21.03.2026 17:17
Lesezeit: 3 min
Iran-Krieg eskaliert weiter: Wird das Regime in Teheran gestürzt?
Der Iran-Krieg trifft die Vereinigten Arabischen Emirate und zwingt die Staaten am Persischen Golf zur Unterstützung einer möglichen Zerschlagung des Regimes in Teheran (Foto: iStock.com, J2R) Foto: J2R

Angriffe auf die Vereinigten Arabischen Emirate verschärfen die Eskalation

Der Krieg gegen den Iran droht, sich weiter auszuweiten, und verschärft die Spannungen am Persischen Golf. Die jüngsten Angriffe markieren eine neue Eskalationsstufe mit direkten Folgen für Wirtschaft und Sicherheit in der Region.

Die Staaten am Persischen Golf sehen sich zunehmend in eine strategische Zwangslage gedrängt. Während sie eine direkte militärische Beteiligung vermeiden wollen, wächst zugleich die Erwartung, dass ein Sturz des Regimes in Teheran unausweichlich wird.

Der von den USA und Israel begonnene Krieg gegen den Iran hat die Volkswirtschaften der Region bereits spürbar getroffen. Die internationale Aufmerksamkeit richtet sich vor allem auf die Straße von Hormus, durch die mehr als ein Fünftel der weltweiten Exporte fossiler Brennstoffe beeinträchtigt ist. Doch die wirtschaftlichen Auswirkungen reichen deutlich über die Schifffahrtsroute hinaus.

Angriffe treffen Infrastruktur und Luftverkehr

Die Vereinigten Arabischen Emirate mit ihrem wirtschaftlichen Zentrum Dubai waren Ziel von mehr als zweitausend Drohnen und Raketen, die der Iran auf Verkehrswege und Hotels abgefeuert hat. Internationale Fluggesellschaften strichen daraufhin geplante Verbindungen für die kommenden Monate.

Auch Saudi-Arabien und Bahrain mussten ihre für April angesetzten Formel-1-Rennen absagen. Beide Staaten hatten sich über Jahre als exklusive Standorte für internationalen Tourismus und Großveranstaltungen etabliert. Der Konflikt trifft damit zentrale wirtschaftliche Zukunftsbereiche der Region.

Die Straße von Hormus wird zum globalen Druckmittel

Der Iran rechtfertigt die Angriffe damit, dass die Staaten am Persischen Golf Verbündete der Vereinigten Staaten seien und deren Kriegsführung unterstützten. Nach iranischer Darstellung seien daher auch Angriffe auf zivile Infrastruktur legitim, obwohl diese rund 80 Prozent der betroffenen Ziele ausmacht. Militärische Gegenreaktionen der betroffenen Staaten blieben bislang aus.

Gleichzeitig verdichtet sich in den politischen Führungen der Eindruck, dass das Vorgehen des Iran die strategischen Optionen stark einschränkt. Sultan al Jaber, Industrieminister der Vereinigten Arabischen Emirate und Vorstandschef des Energiekonzerns ADNOC, erklärte, mit der Blockade der Straße von Hormus habe der Iran den Konflikt auf eine globale Ebene gehoben.

Analysten aus der Region betonen, dass mit diesem Schritt zentrale Eskalationsgrenzen überschritten worden seien. Ein einfacher Waffenstillstand erscheint vor diesem Hintergrund kaum noch realistisch, da der Iran jederzeit erneut in der Lage wäre, die Meerenge zu schließen und damit die Weltwirtschaft unter Druck zu setzen.

Wachsende Spannungen zwischen den Partnern

Mehrere Diplomaten aus der Region erklärten gegenüber Reuters, die Vereinigten Staaten erhöhten den Druck auf ihre Partner, sich militärisch stärker zu engagieren. Abdulaziz Sager, Leiter des saudischen Gulf Research Center, sagte, der wahllose Raketenbeschuss durch den Iran habe die Haltung vieler Staaten verändert.

„Anfangs waren wir gegen den Krieg, aber als sie begannen, auf uns zu schießen, wurden sie zum Feind“, erklärte Sager. Die Sorge wachse, dass ein unvollständiger Rückzug der USA die Region mit den Folgen des Konflikts allein zurücklassen könnte. „Wenn die Amerikaner sich zurückziehen, bevor die Aufgabe erfüllt ist, bleibt die Konfrontation mit dem Iran an uns hängen.“

Unsicherheit trotz militärischer Fortschritte

Das Weiße Haus betont, die Angriffe der USA und Israels hätten die militärischen Fähigkeiten des Iran deutlich geschwächt. Gleichzeitig zeigt sich auf den Versicherungsmärkten, dass bereits die Erwartung von Risiken ausreicht, um Handelsströme erheblich zu beeinträchtigen.

Die Staaten am Persischen Golf zögern dennoch, sich direkt militärisch zu beteiligen. Innerhalb des Golf-Kooperationsrates mit seinen sechs Mitgliedern, darunter Kuwait, Katar und Oman, besteht bislang kein einheitlicher Kurs für das weitere Vorgehen.

US Präsident Donald Trump erklärte, Angriffe auf die Staaten am Persischen Golf seien ein Szenario gewesen, mit dem niemand gerechnet habe. Diese Darstellung steht im Widerspruch zu früheren Warnungen aus Regierungskreisen und der öffentlichen Debatte.

Trump betonte zugleich, selbst bei entsprechender Kenntnis hätte sich am Vorgehen nichts geändert. Der Iran sei militärisch bereits geschwächt, doch die Voraussetzungen für eine Einigung seien derzeit nicht gegeben.

Teheran setzt auf langwierigen Konflikt

Die Führung in Teheran sieht sich hingegen im Vorteil, was die Durchhaltefähigkeit betrifft, und schließt eine Kapitulation aus. Voraussetzung für einen Frieden seien Reparationen sowie verbindliche Garantien gegen einen erneuten Krieg gegen den Iran.

Ohne ein solches Abkommen dürfte eine Öffnung der Straße von Hormus nur durch den Einsatz von Bodentruppen möglich sein. Aus dem Pazifikraum entsandte US-Marines sind Berichten zufolge noch etwa eine Woche von der Region entfernt.

Energiepreise und Lieferketten geraten unter Druck

Die Eskalation im Persischen Golf erhöht die Risiken für Energiepreise, Lieferketten und globale Handelsrouten. Für die exportorientierte deutsche Wirtschaft entstehen daraus zusätzliche Belastungen, insbesondere bei Energieversorgung und Industrieproduktion.

Der Konflikt verdeutlicht, wie stark Deutschland von stabilen Handelswegen und verlässlichen Energieimporten abhängig ist und wie schnell geopolitische Spannungen direkte wirtschaftliche Folgen nach sich ziehen können.

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