Politik

Straße von Hormus bleibt blockiert: 40.000 Seeleute ohne Ausweg

Tausende Seeleute sitzen im Persischen Golf fest, während der Iran-Krieg zentrale Handelsrouten blockiert und die Lage auf See weiter eskaliert. Welche Folgen hat die Blockade der Straße von Hormus für Besatzungen, Märkte und die globale Versorgung?
20.03.2026 17:35
Lesezeit: 3 min
Straße von Hormus bleibt blockiert: 40.000 Seeleute ohne Ausweg
Zehntausende Seeleute verharren auf Schiffen im Persischen Golf. Die Blockade der Straße von Hormus verhindert die Weiterfahrt (Foto: iStockphoto.com/Rocter) Foto: Rocter

Zehntausende Seeleute im Persischen Golf eingeschlossen

Rund 40.000 Seeleute sitzen infolge des Krieges im Persischen Golf fest. Der nahezu zum Erliegen gekommene Schiffsverkehr in der Straße von Hormus hat zehntausende Besatzungsmitglieder in einer hochgefährlichen Zone eingeschlossen.

Ein Großteil von ihnen befindet sich auf stillliegenden Tankern und Frachtschiffen, die Drohnenangriffen, Raketenbeschuss und massiven elektronischen Störungen ausgesetzt sind. Laut einer Auswertung von Bloomberg-Satellitenbildern liegen rund 340 Schiffe in der Region, doch nur 56 senden noch aktiv Signale und machen ihre Position für andere sichtbar.

Alltag an Bord unter permanenter Bedrohung

Für die Besatzungen sind die vergangenen Wochen von ständiger Anspannung geprägt. Einige Kapitäne berichten, sie versuchten, den Alltag an Bord notdürftig aufrechtzuerhalten, spielten Basketball oder schauten Filme, während in der Umgebung Explosionen zu hören waren.

Ein Kapitän schilderte, wie er den nahegelegenen Hafen von Fujairah in Flammen sah, während Kampfflugzeuge über sein Schiff hinwegzogen. Viele Crews mussten zeitweise ohne verlässliches GPS navigieren und sich unter extrem unsicheren Bedingungen orientieren. Die Eskalation setzte Ende Februar ein, als die USA und Israel Angriffe auf den Iran begannen. Seitdem ist die Straße von Hormus weitgehend blockiert, wodurch etwa die Hälfte der in der Region befindlichen Seeleute im Persischen Golf festsitzt.

Blockade trifft zentrale Route der Weltwirtschaft

Die Straße von Hormus zählt zu den wichtigsten Verkehrsadern der globalen Energieversorgung. Rund ein Fünftel des weltweit auf dem Seeweg transportierten Öls und Erdgases passiert diese Route, weshalb jede Unterbrechung unmittelbare Auswirkungen auf die Märkte hat. Die Blockade hat die Energiepreise steigen lassen und in Teilen Asiens und Afrikas bereits zu Treibstoffengpässen geführt. Gleichzeitig verteuern sich Düngemittel, was die Ernährungssicherheit in mehreren Regionen zusätzlich belastet.

Jesper Kristensen von Synergy Marine Group, die eine Flotte von 700 Schiffen betreibt, erklärte gegenüber Bloomberg, der Seetransport sei auf eine große Zahl von Arbeitskräften angewiesen, die meist im Hintergrund blieben. Gerade diese Beschäftigten seien nun den unmittelbaren Risiken des Konflikts ausgesetzt. Die Straße von Hormus und die umliegenden Gewässer gelten inzwischen offiziell als Kriegsgebiet. Zwar gehen damit höhere Vergütungen und das Recht einher, ein Schiff im Hafen zu verlassen, doch aufgrund der Blockade bleibt diese Möglichkeit für viele Seeleute rein theoretisch.

Hohe Gewinne für Reeder, hohes Risiko für Crews

Eine Passage durch die Meerenge mit voller Ladung verspricht derzeit erhebliche Gewinne für die Eigentümer. Für die Besatzungen bedeutet dieselbe Route jedoch ein akutes Lebensrisiko, wie der Raketentreffer auf das unter thailändischer Flagge fahrende Schiff „Mayuree Naree“ gezeigt hat. Mindestens zwei Seeleute sind seit Beginn der Kämpfe ums Leben gekommen. Seit Anfang März haben weniger als 100 Schiffe die Meerenge passiert, jedes fünfte davon mit abgeschaltetem Transponder.

Schiffe, die vom Iran die Erlaubnis zur Ausreise erhalten haben, fahren derzeit zunächst entlang der iranischen Küste, bevor sie das offene Meer erreichen. Diese Routenführung verdeutlicht, wie stark wirtschaftliche Interessen, militärische Kontrolle und Sicherheitsrisiken miteinander verknüpft sind. Für viele Seeleute gleichen finanzielle Anreize die Gefahren nicht aus. Zwar werden Gefahrenzulagen gezahlt, doch angesichts von Raketenangriffen, Drohnenbedrohung und wachsender Unsicherheit erscheinen diese Zuschläge als unzureichend.

Navigation wird zur Herausforderung

Neben der unmittelbaren Bedrohung durch Angriffe belastet die Crews auch die elektronische Kriegsführung. GPS-Signale werden massiv gestört, sodass Schiffe ihre Position und die anderer Einheiten nur eingeschränkt bestimmen können. Dadurch wird jede Bewegung in der Region zu einem Risiko. Die Besatzungen sind gezwungen, wieder stärker auf Radar und visuelle Orientierung zurückzugreifen, was die Sicherheit unter den gegebenen Bedingungen nur begrenzt erhöht.

Auch wirtschaftlich verschärft sich die Lage weiter. Die Versicherungskosten sind deutlich gestiegen, mehrere Schiffe wurden beschädigt oder zerstört, und für viele Reedereien wird jede Entscheidung über eine Weiterfahrt zu einer Abwägung zwischen möglichen Gewinnen und schwer kalkulierbaren Risiken. Gleichzeitig bleibt eine Evakuierung schwierig. Der Luftverkehr in der Region ist eingeschränkt, Ersatzcrews lassen sich kaum organisieren, und viele Seeleute, insbesondere aus Indien, würden die Region zwar gern verlassen, scheitern jedoch an logistischen und bürokratischen Hürden.

Versorgungslage an Bord spitzt sich zu

An Bord verschärft sich die Lage zunehmend. Einige Besatzungen müssen Lebensmittel und Wasser rationieren, da Nachschub ausbleibt und die Dauer der Blockade ungewiss ist. Nächtliche Angriffe, anhaltender Lärm und die Unsicherheit über die weitere Entwicklung führen zu wachsender Erschöpfung. Viele Seeleute halten ihre Taschen gepackt und hoffen auf eine schnelle Ausreise, doch vorerst bleibt ihnen nur das Ausharren in einer gefährlichen Situation.

Für Deutschland zeigt die Entwicklung erneut, wie anfällig globale Handels- und Versorgungswege sind. Steigende Energiepreise belasten Industrie und Verbraucher, während höhere Düngemittelpreise die Landwirtschaft zusätzlich unter Druck setzen. Die Blockade der Straße von Hormus ist damit nicht nur ein regionales Sicherheitsproblem, sondern ein wirtschaftlicher Risikofaktor für Europa. Gerade für Deutschland wird sichtbar, wie schnell geopolitische Konflikte zentrale Lieferketten beeinträchtigen und wirtschaftliche Stabilität gefährden können.

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