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Iran-Krieg verschiebt Kräfteverhältnisse am Himmel: Europäische Airlines profitieren – wie lange noch?

Stillgelegte Flughäfen, steigende Ticketpreise und neue Flugrouten: Der Iran-Krieg verändert die Dynamik im globalen Luftverkehr grundlegend. Europäische Airlines nutzen die Lage, doch geopolitische Risiken bleiben.
29.03.2026 07:18
Lesezeit: 3 min
Iran-Krieg verschiebt Kräfteverhältnisse am Himmel: Europäische Airlines profitieren – wie lange noch?
Gesperrte Lufträume, steigende Ticketpreise und neue Gewinner: Der Iran-Krieg bringt Bewegung in den globalen Luftverkehr. (Foto: ChatGPT)

Iran-Krieg verändert Machtverhältnisse im Luftverkehr

Durch den Iran-Krieg stehen zentrale Drehkreuze am Persischen Golf weitgehend still. Europäische Fluggesellschaften profitieren davon, doch wie nachhaltig ist dieser Effekt?

Grundsätzlich wirken sich Kriege immer negativ auf den globalen Luftverkehr aus, doch Lufthansa-Chef Carsten Spohr konnte dem Iran-Krieg zuletzt auch positive Aspekte abgewinnen. Für mehrere Monate, möglicherweise sogar Jahre, ist die stärkste Konkurrenz der europäischen Airlines geschwächt, da der Iran mit seinen Raketen auch Staaten am Persischen Golf ins Visier genommen hat.

Innerhalb kürzester Zeit kamen die Drehkreuze von Airlines wie Emirates, Qatar, Etihad und Gulf Air zum Erliegen, über die zuvor täglich Tausende Reisende aus Europa zu Zielen in Asien, Australien und Afrika weiterflogen. "Die Gesellschaften am Golf haben rund die Hälfte des Gesamtverkehrs zwischen Europa und Asien abgezogen. Erstaunlicherweise trifft das auch auf zehn Prozent des Verkehrs aus den USA nach Asien zu", beschreibt der Luftfahrtexperte Heinrich Großbongardt die Lage vor dem Konflikt.

Tickets deutlich teurer

Spohr sowie seine Kollegen in London und Paris profitieren nun von einer Sonderkonjunktur, da Passagiere alternative Routen wählen müssen. Direktverbindungen nach Fernost sind stark ausgelastet, wodurch die Ticketpreise deutlich steigen. Europäische Airlines haben ihre Preise massiv angehoben, weil die Nachfrage nach Direktflügen sprunghaft zugenommen hat, erklärt Luftfahrtberater Gerald Wissel. So kostete ein Flug über Ostern von München nach Bangkok und zurück in der vergangenen Woche mindestens 3.300 Euro.

Fluggesellschaften wie Lufthansa, British Airways oder Singapore Airlines haben zusätzliche Verbindungen eingerichtet. Dennoch bleiben die Kapazitäten begrenzt, da die Hersteller Boeing und Airbus weiterhin Schwierigkeiten haben, den Bedarf an neuen Flugzeugen zu decken. Durch gesperrte Lufträume über dem Iran, dem Irak und der Ukraine haben sich zwei enge Korridore zwischen Asien und Europa gebildet, was auf vielen Strecken Umwege und höhere Kosten verursacht.

Emirates fliegt wieder

"Wir wissen letztendlich nicht, wie lange dieser Effekt am Golf anhält. Ob das eine Zäsur ist oder nur eine vorübergehende Erscheinung", hatte Lufthansa-Chef Spohr bei der Bilanzvorlage erklärt. Laut Daten des Dienstleisters Cirium hat der Flughafen Dubai als erster seine Kapazitäten inzwischen wieder deutlich erhöht, sodass Emirates nach zahlreichen Evakuierungsflügen zuletzt immerhin rund die Hälfte des geplanten Programms durchführen konnte. Dagegen herrscht weiterhin weitgehend Stillstand bei Qatar Airways in Doha sowie bei Gulf Air in Bahrain.

Die arabischen Airlines fungierten weltweit auch als Markenbotschafter für ihre Heimatregionen, die sich dadurch erfolgreich als Touristenziele etablierten. Der Krieg hat jedoch das Bild dieser stabilen Glitzerwelt nachhaltig beschädigt, so Großbongardt. "Die Region erlebt gerade einen riesigen Imageschaden. Sie hatte sich bislang erfolgreich als Insel des Wohlstands und des Friedens in einer brennenden Weltgegend dargestellt. Auch nach einem Kriegsende bleibt das ja eine Region mit sehr großen Spannungen und Risiken."

Strohfeuer oder längerfristige Probleme?

"Touristen sind vergesslich", sagt hingegen Wissel und verweist auf Erfahrungen nach Anschlägen in der Türkei oder in Ägypten, als Reisende schnell zurückkehrten. Er ist überzeugt: "Die Golfstaaten werden auch finanziell alles daran setzen, ihre Region wieder sicher zu machen." Mit dem Beginn des Sommers sei die touristische Hochsaison ohnehin vorbei. Ob daraus langfristige Probleme entstehen, lasse sich erst im Herbst beurteilen.

Für europäische Airlines bedeutet dies, möglichst viele Kunden von ihren Vorteilen zu überzeugen, da auf vielen Strecken ein nächtlicher Umstieg entfällt. Allerdings schläft die Konkurrenz auch außerhalb der Golfregion nicht, warnt Großbongardt. "Zu den Profiteuren wird ganz sicher auch Turkish Airlines mit dem Drehkreuz Istanbul gehören."

Unsichere Chancen für Europas Airlines

Der Iran-Krieg hat die globale Luftfahrtbranche kurzfristig neu geordnet und europäischen Airlines unerwartete Vorteile verschafft. Steigende Nachfrage nach Direktflügen und höhere Ticketpreise stärken ihre Position. Gleichzeitig bleiben die strukturellen Probleme bestehen: begrenzte Kapazitäten, geopolitische Risiken und eine mögliche schnelle Erholung der Konkurrenz am Golf. Entscheidend wird sein, wie nachhaltig die Verschiebung der Verkehrsströme ist. Sollten sich die Drehkreuze im Nahen Osten rasch stabilisieren, könnte der aktuelle Vorteil schnell wieder verschwinden. Die Branche steht damit vor einer unsicheren Zukunft, in der Flexibilität und strategische Anpassung wichtiger denn je werden.

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