Massive Polizeipräsenz und geheime Route über die A42 und A31
Die Dimensionen des ersten Transports verdeutlichen den Ernst der Lage: Bei dem Großeinsatz waren etwa 2.400 Polizeibeamte eingebunden. Dem Konvoi gehörten neben dem Schwerlasttransporter mit dem ersten Castor-Behälter rund 100 Fahrzeuge der Polizei an, unterstützt durch einen Hubschrauber aus der Luft. Ein Großteil der Beamten wurde zur Absicherung direkt am Start- und Zielpunkt postiert.
Um Proteste und Blockaden zu erschweren, hielten die Behörden die genaue Route auf der etwa 170 Kilometer langen Strecke bis zuletzt geheim. Laut Beobachtungen rollte der Schwerlasttransport über die A44, die A57 und quer durch das Revier über die A42. Über das Autobahnkreuz der A2/A3 gelangte die Fracht schließlich auf die A31 Richtung Norden. Trotz der logistischen Komplexität blieb der Transport laut einem Polizeisprecher „voll im Zeitplan“ und erreichte sein Ziel sogar schneller als ursprünglich kalkuliert.
Mehrere Anti-Atom-Demos
Mehrere Anti-Atomkraft-Initiativen protestierten ab dem Dienstagabend gegen die geplanten Castor-Transporte durch NRW. In Jülich fand eine Mahnwache vor dem Forschungszentrum statt. Nach Angaben eines dpa-Reporters waren etwa 20 Teilnehmer vor Ort. «Es wären sicherlich mehr Leute gekommen, aber viele kommen wegen der Polizeisperren nicht durch», sagte Marita Boslar, Sprecherin des Aktionsbündnisses «Stop Westcastor».
In Ahaus startete zeitgleich eine Demonstration vom Bahnhof zum Rathaus. Dort fand eine Kundgebung statt. Jens Dütting vom Aktionsbündnis Münsterland sprach von etwa 250 Teilnehmern. Zudem riefen Atomkraftgegner der Bürgerinitiative Ahaus zu einer Mahnwache vor dem Zwischenlager auf.
In Duisburg versammelten sich am Abend an einer Auffahrt zur A42 Dutzende Menschen, wie ein dpa-Reporter berichtet. Zu der Aktion hatte die Umweltorganisation BUND aufgerufen. Verzögert wurde der Transport durch die Mahnwachen aber nicht.
Transporte ziehen sich über langen Zeitraum
Auf der gut 170 Kilometer langen Strecke sollen insgesamt rund 300.000 Brennelemente-Kugeln aus dem früheren Versuchsreaktor Jülich transportiert werden. Das Verlagern des Atommülls in NRW wird sich über einen längeren Zeitraum erstrecken. Mit 152 Castor-Behältern handelt es sich um einen der größten Atommüll-Transporte auf der Straße seit Jahrzehnten.
Gerichtsentscheidung und Infoveranstaltung
Dem nun angelaufenen Transport waren mehrere Gerichtsentscheidungen und eine Infoveranstaltung für die Bürger in Ahaus vorausgegangen. Anfang März entschied das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg in einer Eilentscheidung, dass die Transporte stattfinden dürfen.
Die Umweltorganisation BUND hatte den Transport auf dem Gerichtsweg verhindern wollen. Die Begründung: Die Sicherheit der Castoren sei bei der Fahrt über die Straßen in Nordrhein-Westfalen gegen Störmaßnahmen Dritter nicht gewährleistet.
Nur wenige Transportfahrzeuge
Das Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE) hatte die umstrittenen Atommülltransporte durch NRW am 25. August genehmigt. Nach früheren Angaben des Bundesamtes wurden 152 Einzeltransporte beantragt, die aber gebündelt werden könnten. Es gibt demnach vier geeignete Transportfahrzeuge, die je einen Behälter auf einmal transportieren könnten.
Jahrelanges Tauziehen um Jülicher Atommüll
Für die Lagerung in Jülich lief die letzte Betriebsgenehmigung bereits im Jahr 2013 aus. Das NRW-Wirtschaftsministerium hatte 2014 angeordnet, das Lager in Jülich zu räumen, weil die Erdbebensicherheit nicht nachgewiesen werden konnte. Jahrelang wurden mehrere Optionen geprüft.
Aus Sicht des Landes wäre ein Neubau in Jülich die beste Lösung gewesen. Das sei von der Bundesebene nicht unterstützt worden, hatte NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur (Grüne) erklärt. Anwohner und Aktivisten stemmen sich seit langem gegen Atommülltransporte nach Ahaus.
Deutschland hat kein Endlager für Atommüll
Kritik kam auch aus Reihen der Polizei. Als «sinnlose Mammutaufgabe» hatte der NRW-Chef der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Patrick Schlüter, im August 2025 die Transporte mit Begleitschutz kritisiert. Die Politik drücke sich um die Endlagerfrage und lasse Atommüll von einem Zwischenlager ins nächste fahren.
Es gibt in Deutschland derzeit noch keine Endlager, in denen auf Hunderttausende Jahre hinweg strahlender Atommüll sicher gelagert werden soll. Stattdessen gibt es sechzehn Zwischenlager, darunter das in Ahaus.
