Ärzte warnen vor Kahlschlag bei Terminen
Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) zeichnet ein düsteres Bild der künftigen Patientenversorgung. Sollten die empfohlenen Vergütungsbremsen für Praxen umgesetzt werden, drohe der Wegfall von Millionen Terminen. Da bereits heute über 40 Millionen Facharzttermine ohne Gegenleistung erbracht würden, müssten Praxen ihr Angebot strikt an die reduzierten Mittel anpassen. In eine ähnliche Kerbe schlägt Ärztepräsident Klaus Reinhardt, der vor einer „aufgeheizten Debatte“ warnt, aber gleichzeitig echte Veränderungsbereitschaft von allen Akteuren einfordert.
Unterstützung erhält der Sparkurs hingegen von den Arbeitgebern. Verbandspräsident Rainer Dulger lobte den Mut der Kommission und mahnte, die Vorschläge nicht durch eine „Empörungsgesundheitspolitik“ zu blockieren. Auch die gesetzlichen Krankenkassen (GKV) äußerten Erleichterung: Laut Verbandschef Oliver Blatt könnten die Beiträge bei konsequenter Umsetzung 2027 sogar sinken, sofern die „uferlosen Ausgabensteigerungen“ der Vorjahre endlich ein Ende fänden.
Kritik an sozialen Härten und das Ende von Privilegien
Verbraucherschützer und Sozialpolitiker blicken mit Sorge auf die drohenden Mehrbelastungen. Ramona Pop vom Bundesverband der Verbraucherzentralen sieht durch höhere Zuzahlungen die „gesundheitliche Chancengleichheit“ gefährdet. Diese Kritik wird von der Opposition und Teilen der Grünen flankiert: Paula Piechotta verwies auf die bereits hohe Last durch Inflation, während das BSW und die Linke forderten, eher Lobbyinteressen zu beschneiden als Leistungen für Versicherte zu kürzen.
Eine besonders brisante Debatte zeichnet sich bei der beitragsfreien Mitversicherung von Ehepartnern ab. NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) bezeichnete dieses Modell als „aus der Zeit gefallen“. Zwar sei ein Ende dieser Praxis nicht von heute auf morgen umsetzbar, doch signalisierte er deutliche Sympathie für eine schrittweise Abschaffung dieses Privilegs, um das System nachhaltig zu stabilisieren.
