Unternehmensporträt

Wenn Heilung stört: Wie Coldplasmatech einen Milliardenmarkt herausfordert

Das Medizinprodukt von Coldplasmatech revolutioniert die Heilung von chronischen Wunden. Für Millionen Patienten bedeutet es Erlösung von Schmerzen. Doch der Widerstand gegen den Erfolg des Produkts ist erheblich. Gründer Carsten Mahrenholz erklärt, warum das Gesundheitssystem Wunden lieber versorgt statt heilt.
10.04.2026 16:45
Lesezeit: 2 min
Wenn Heilung stört: Wie Coldplasmatech einen Milliardenmarkt herausfordert
Moderne Wundtherapie: Anwendungssystem für kaltes Plasma verspricht effektive und schmerzarme Behandlung. (Foto: Kim Mahrenholz/kimoment.de)

Innovation trifft auf Widerstand: Warum kaltes Plasma den Markt noch nicht erobert

„Was braucht der Markt?“, ist für Carsten Mahrenholz die entscheidende Frage bei der Entwicklung seiner Innovation. „Eine vielversprechende Technologie sollte so anwendbar sein, dass sie erfolgreiche Ergebnisse erzielt“, lautet seine Antwort. Für die Innovation seines Unternehmens Coldplasmatech bedeutet es, dass sich kaltes Plasma, ein bioaktives Gas, mit einem einfachen Knopfdruck auf eine chronische Wunde auftragen lässt, so dass diese binnen kurzer Zeit verheilt. Eine medizinische Sensation – möchte man meinen. Umso mehr überrascht Carsten Mahrenholz der Widerstand, der ihm entgegenschlägt. „Unsere Innovation ist nicht der Selbstläufer, den wir erwartet hatten,“ so der Unternehmer.

Coldplasmatech, eine Ausgründung des Leibniz Instituts für Plasmaforschung in Greifswald, hat ein Verfahren entwickelt, das Patienten mit chronischen Wunden Heilung und Schmerzlinderung verspricht. Die geschätzte Zahl von Menschen mit chronischen und komplexen Wunden reicht von einer bis vier Millionen in Deutschland. Eine Wunde ist chronisch, wenn sie innerhalb von acht Wochen nicht verheilt. Ursache sind meist Erkrankungen wie Diabetes oder Durchblutungsstörungen. Die Tendenz ist als Folge der zunehmenden Überalterung der Bevölkerung steigend.

30 Millionen Investoren-Gelder

Kaltes Plasma wird bereits seit längerem für die Heilung von Wunden angewendet. Das Gas zerstört durch Energiezufuhr Bakterienzellen. Die Behandlung ist schmerzarm. Bislang konnte man kaltes Plasma nur punktuell auf kleine Wunden auftragen, wobei sich der Großteil des Gases in der Luft verteilt. Coldplasmatech hat ein Patch entwickelt, ähnlich einem großen Pflaster, das in zweiminütigen Sitzungen das Plasma konzentriert über der Wunde erzeugt. Bereits nach vier Wochen sind erste Erfolge sichtbar. Mittlerweile ist auch die Behandlung großflächiger Verletzungen wie zum Beispiel bei Verbrennungen über einen Inkubator möglich. Rund 30 Millionen Euro hat das Unternehmen mit seinen 25 Mitarbeitenden an Investoren-Geldern bislang akquiriert.

Um die Standards auf einem hohen Niveau zu halten, schult das wachsende Unternehmen Kliniken sowie ambulante Einrichtungen in der Anwendung der Applikation. Diese Kompetenzzentren in Deutschland, Österreich und der Schweiz sollen die fachgerechte Versorgung von chronischen Wunden sicherstellen und ermöglichen die Abrechnung über Krankenkassen. „Coldplasmatech ist mehr als nur ein Produkt, es ist eine Therapieform“, stellt Carsten Mahrenholz fest.

Gerichtsprozesse sollen den Erfolg des Produkts verhindern

Widerstand und Aussagen wie „Das wird nicht funktionieren“ waren für den promovierten Biologen und Chemiker schon immer ein Ansporn: „Ich habe Spaß am Optimieren. Bedarf erkennen und Verbesserungen entwickeln“, erzählt Carsten Mahrenholz. Umso entschiedener kontert er die Gerichtsverfahren gegen sein Unternehmen. „Größere Marktteilnehmer strengen Prozesse an, um unsere Innovation vom Markt fernzuhalten“, berichtet der Geschäftsführer. Er empfindet das als Auszeichnung sowie Bestätigung für den Erfolg seines Produktes.

Coldplasmatech zerstört den etablierten Markt für Wundversorgung

Rund 8 Milliarden Euro werden jährlich laut Schätzungen für die Wundversorgung in Deutschland ausgegeben, insbesondere für Material, Personal, Diagnostik, Medikamente und Infrastruktur. „Der Markt hat nur das Ziel, eine Wunde zu behandeln“, erklärt Carsten Mahrenholz. „Niemand verdient Geld daran, eine Wunde zu heilen.“

„Dispruptiv“ ist das Wort, das der Unternehmer immer wieder benutzt, um die Folgen seines Geschäftsmodells zu beschreiben. „Ich zerstöre bestehende Prinzipien“, so der Geschäftsführer. „Unternehmen können keine Wundauflagen mehr verkaufen, Ärzte Behandlungen nicht mehr abrechnen, Pflegedienste kein Geld mehr mit Wundversorgung verdienen.“ Was aus der Sicht der Patienten ein Fortschritt ist, zerstört ein etabliertes System. „Der Markt will keine disruptive Lösung“, so Carsten Mahrenholz. Disruption sei ein hartes Geschäft, findet der Unternehmer. „Es wird mich jedoch auch weiterhin nicht davon abhalten, einen positiven Beitrag zur Gesundheit von Millionen Menschen zu leisten.“

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Cristina Prinz

                                                                    ***

Cristina Prinz ist freiberufliche Journalistin und Geschäftsführerin einer Agentur für Corporate Publishing. Sie schreibt Unternehmerportraits für die DWN. 

 

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