Politik

Waffenruhe im Golf: Straße von Hormus weiterhin eingeschränkt

Die Waffenruhe im Golf sorgt weiterhin für Unsicherheit auf zentralen Handelsrouten und belastet Reedereien sowie Energiemärkte. Warum bleibt die Schifffahrt durch die Straße von Hormus trotz Vereinbarung weiterhin eingeschränkt?
09.04.2026 15:48
Lesezeit: 3 min

Auch nach Waffenruhe bleibt Schiffsverkehr im Golf stark eingeschränkt

Auch nach der vereinbarten Waffenruhe ist die Lage in der Straße von Hormus weiterhin angespannt. Viele Reedereien berichten, dass ihre Schiffe noch immer vor Anker liegen, da klare Bedingungen für eine sichere Passage fehlen.

Es sei derzeit nicht absehbar, wie viel Verkehr nach der zweiwöchigen Waffenruhe tatsächlich durch die Meerenge abgewickelt werden könne, erklärte Rolf Habben Jansen, Vorstandsvorsitzender der deutschen Reederei Hapag-Lloyd. Bis sich die Abläufe wieder stabilisieren, dürfte es seiner Einschätzung nach sechs bis acht Wochen dauern.

Nach Angaben des Wall Street Journal verlangen iranische Behörden weiterhin Genehmigungen für die Durchfahrt und drohen bei Verstößen mit Gewalt. „Für die Passage durch die Meerenge müssen Sie eine Genehmigung der iranischen Marine Sepah einholen. Sollte ein Schiff ohne Genehmigung passieren, wird es zerstört“, heißt es in einer per Funk verbreiteten Mitteilung, die ein Besatzungsmitglied dokumentierte.

Sepah ist eine Spezialeinheit unter dem Kommando der Islamischen Revolutionsgarde. Der Iran sichert sich damit weiterhin Einfluss auf die strategisch wichtige Wasserstraße, obwohl der US-Präsident vor Abschluss der Waffenruhe eine vollständige Öffnung gefordert hatte.

Hohe Zusatzkosten belasten die Reedereien im Golf

Für Hapag-Lloyd, das mit sechs Schiffen in der Region präsent ist, entstehen durch die anhaltende Situation zusätzliche Kosten von 50 bis 60 Millionen Dollar pro Woche. Das Unternehmen setzt darauf, die Schiffe möglichst bald aus dem Golf abziehen zu können.

Nach Branchenschätzungen sind derzeit noch rund tausend Handelsschiffe im Golf gebunden. Die Unsicherheit über die Sicherheitslage verzögert die Rückkehr zu stabilen Abläufen und belastet die globalen Lieferketten.

Reedereien warten auf klare Vorgaben für sichere Durchfahrt

Die dänische Reederei Maersk erklärte gegenüber Reuters, dass die Waffenruhe keine verlässliche Sicherheit garantiere. Zwar habe der Iran angekündigt, während dieses Zeitraums sichere Durchfahrten zu ermöglichen, konkrete Regelungen dazu wurden jedoch nicht vorgelegt.

Das Unternehmen betont, dass sich daraus zwar Möglichkeiten für den Transit ergeben könnten, eine belastbare Grundlage für operative Entscheidungen aber weiterhin fehlt. Daher hält Maersk an einem vorsichtigen Kurs fest und verzichtet vorerst auf Änderungen im laufenden Geschäft.

Auch Jakob Larsen vom internationalen Reederverband Bimco verweist auf die abwartende Haltung vieler Unternehmen. Zahlreiche Reeder beobachten die Lage und warten auf eindeutige Signale aus Washington und Teheran. Aus Sicht des Versicherungsmarktes bleibt zudem offen, ob es sich um eine kurzfristige Entspannung oder eine nachhaltige Stabilisierung handelt.

Öltanker warten weiterhin vor der Straße von Hormus

Nach Daten zur Schiffsverfolgung liegen derzeit noch 25 große Öltanker in der Nähe der Straße von Hormus vor Anker. Jeder dieser Tanker verfügt über eine Kapazität von rund zwei Millionen Barrel. Ausschlaggebend für das Abwarten ist vor allem die fehlende Klarheit über sichere Navigationsbedingungen.

Viele Schiffe haben Indien, China und andere Ziele im Golfraum als Destination angegeben, können ihre Fahrt jedoch nicht fortsetzen. Insgesamt befinden sich etwa 175 Millionen Barrel Öl an Bord von Tankern, die grundsätzlich zur Abfahrt bereit wären. Vor der Einigung hatte der Iran nur wenigen Schiffen aus befreundeten Staaten, insbesondere aus China und Indien, die Passage erlaubt.

Saudi-Arabien drängt auf freie Schifffahrt durch die Meerenge

Saudi-Arabien fordert im Zuge der Waffenruhe eine vollständige Öffnung der Straße von Hormus ohne Einschränkungen. Das Königreich betont die zentrale Bedeutung freier Seewege für die Stabilität der globalen Energiemärkte.

Zugleich verweist Riad darauf, dass der Iran weiterhin an seinem Anspruch festhält, die Kontrolle über die Meerenge zu sichern. Dennoch besteht die Hoffnung, dass die aktuelle Entwicklung eine breitere Entspannung einleiten könnte.

Auswirkungen auf deutsche Wirtschaft und Lieferketten

Für Deutschland als exportorientierte Volkswirtschaft hat die Lage im Golf unmittelbare wirtschaftliche Folgen. Verzögerungen auf zentralen Handelsrouten erhöhen die Transportkosten und wirken sich auf Energiepreise und industrielle Abläufe aus.

Sollte sich die Situation nicht rasch stabilisieren, dürften die Belastungen für Unternehmen weiter zunehmen. Die Entwicklung in der Straße von Hormus bleibt damit ein wesentlicher Risikofaktor für die wirtschaftliche Lage in Deutschland und Europa.

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