Technologie

Anthropic versetzte das US-Finanzministerium wegen der Sicherheit der Banken in Aufruhr

Das neue KI-Modell des Unternehmens Anthropic hat sich als außergewöhnlich leistungsfähig bei der Suche und Ausnutzung von Software-Schwachstellen erwiesen. Dies veranlasste die US-Regierung, Spitzenmanager großer Banken kurzfristig zu Gesprächen nach Washington zu laden.
13.04.2026 15:11
Lesezeit: 6 min
Anthropic versetzte das US-Finanzministerium wegen der Sicherheit der Banken in Aufruhr
Der US-Finanzminister Scott Bessent (links) und der Vorsitzende der US-Notenbank, Jerome Powell (Mitte), luden alle führenden Bankmanager ein, um eine neue Cyberbedrohung zu erörtern – das neueste KI-Modell von Anthropic. (Foto: dpa) Foto: Kay Nietfeld

KI-Risiken für Banken rücken in den Fokus

US-Finanzminister Scott Bessent und Notenbankchef Jerome Powell organisierten ein Treffen, um die Auswirkungen des Modells „Mythos“ auf die Cybersicherheit zu bewerten, wie das estnische Portal Äripäev unter Berufung auf Bloomberg und die Financial Times berichtet. Im Zentrum stand die Frage, ob Banken die Risiken erkennen und angemessen darauf reagieren.

Regulierungsbehörden sehen in KI-gestützten Angriffen eine der größten Gefahren für das Finanzsystem. Gerade große US-Banken gelten als systemrelevant für die globale Stabilität, weshalb mögliche Schwachstellen besonders kritisch bewertet werden.

Das Modell „Mythos“ ist in der Lage, Sicherheitslücken in nahezu allen wichtigen Betriebssystemen und Browsern zu identifizieren und potenziell auszunutzen. Nach Angaben von Anthropic kann diese Technologie in verantwortungsvollen Händen die Sicherheit verbessern, birgt jedoch bei missbräuchlicher Nutzung erhebliche Risiken.

Laut Financial Times hat die KI bereits tausende gravierende Sicherheitslücken entdeckt, darunter auch solche, die über Jahrzehnte unentdeckt geblieben waren. Dies deutet darauf hin, dass die Fähigkeiten künstlicher Intelligenz bei der Analyse von Softwarefehlern inzwischen vielfach das menschliche Niveau übertreffen.

Großbanken und Tech-Konzerne im Krisenmodus

An dem Treffen nahmen Vertreter führender US-Banken teil, darunter Citigroup, Morgan Stanley, Bank of America, Wells Fargo und Goldman Sachs. Die Diskussionen verdeutlichen die wachsende Sorge vor systemischen Risiken durch KI.

Anthropic selbst geht vorsichtig vor und hat den Zugang zum Modell zunächst auf ausgewählte Partner wie Amazon, Apple und Microsoft beschränkt. Diese sollen Sicherheitslücken schließen, bevor vergleichbare Technologien breiter verfügbar werden.

Parallel wurde mit „Project Glasswing“ ein Kooperationsprojekt gestartet, das den Schutz kritischer Systeme stärken soll. Zudem steht das Unternehmen im Austausch mit US-Behörden, um sowohl offensive als auch defensive Einsatzmöglichkeiten der Technologie zu bewerten.

Die Entwicklung zeigt, wie schnell sich das Bedrohungsbild im Finanzsektor verändert. Automatisierte Analysen von Schwachstellen könnten künftig schneller erfolgen als jede menschliche Prüfung, was den Druck auf Banken und Aufseher erheblich erhöht.

Für stark vernetzte Finanzplätze mit international tätigen Banken bedeutet diese Entwicklung wachsenden Anpassungsdruck. Die Absicherung digitaler Infrastruktur wird zunehmend zum Wettbewerbsfaktor, während regulatorische Anforderungen und Investitionen in Cybersicherheit weiter steigen dürften.

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