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Nachhaltige Lieferketten bei Lidl: Warum Lieferanten von strengeren Vorgaben profitieren

Lidl verschärft die Nachhaltigkeitsanforderungen in der Lieferkette deutlich. Wie profitieren Hersteller dennoch von der Zusammenarbeit mit dem Handelsriesen?
18.04.2026 10:47
Aktualisiert: 18.04.2026 11:00
Lesezeit: 7 min
Nachhaltige Lieferketten bei Lidl: Warum Lieferanten von strengeren Vorgaben profitieren
Für Hersteller kann die Zusammenarbeit mit internationalen Handelsketten ein entscheidender Wachstumstreiber sein. (Foto: Filip Filipović/Pixabay)

Lidl-Lieferkette: Nachhaltigkeit wird zum Standard

Lidl misst bei der Auswahl seiner Lieferanten neben der Qualität zunehmend der Nachhaltigkeit, der Transparenz der Lieferkette und sozialen Standards große Bedeutung bei. Die Standards sind auf Gruppenebene einheitlich definiert und gehen häufig über die gesetzlichen Mindestanforderungen in einzelnen Ländern hinaus.

Die Lidl-Lieferanten werden durch mehrere Dokumente zu nachhaltigem Handeln verpflichtet, darunter ein Verhaltenskodex für Geschäftspartner und die Richtlinie für den nachhaltigen Einkauf, die zu einem verbindlichen Bestandteil der Verträge geworden ist. Dieses Dokument legt verpflichtende Anforderungen und Verfahren für Lieferanten im Bereich Sorgfaltspflichten bei Menschenrechten und Umweltschutz entlang der gesamten Lieferkette fest. Dazu gehören soziale Standards, Maßnahmen gegen Entwaldung, Klimaziele sowie spezifische Anforderungen an Rohstoffe und Verpackungen.

Ein wesentlicher Teil der Anforderungen betrifft die Arbeitsstandards. Produktionsstätten werden regelmäßig von unabhängigen Experten überprüft, die die Einhaltung von Standards wie IFS, Global G.A.P. und Ecovadis kontrollieren.

Zu den zentralen Anforderungen zählen neben der Sicherstellung von Lebensmittelsicherheit und -qualität auch ökologische Verbesserungen. Dazu gehören der Einsatz zertifizierter Rohstoffe aus nachhaltigen Quellen, die Reduzierung von Kunststoff sowie ein höherer Anteil recycelter Materialien in Verpackungen. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Reduzierung von Emissionen entlang der Lieferkette. Dieser Ansatz soll eine höhere Transparenz gewährleisten und gleichzeitig die ökologischen und sozialen Auswirkungen der Produktion schrittweise verringern.

Vom Kekshersteller zum internationalen Anbieter

Für Hersteller kann die Zusammenarbeit mit internationalen Handelsketten ein entscheidender Wachstumstreiber sein, von der Entwicklung neuer Produkte bis zum Eintritt in ausländische Märkte. Das zeigt auch das Beispiel von Konditor (ein slowenisches Unternehmen), das seit seiner Gründung im Jahr 2015 mit Lidl zusammenarbeitet. Was mit wenigen Keksarten begann, entwickelte sich innerhalb eines Jahrzehnts zu einer umfassenden Lieferbeziehung mit Produkten in den Regalen mehrerer Länder, berichten unsere Kollegen vom slowenischen Wirtschaftsportal Casnik Finance.

„Derzeit haben wir zehn reguläre Artikel im regulären Angebot des slowenischen Lidl und etwa doppelt so viele im Sonderangebot“, sagt Marko Bandelj von Konditor. Das Unternehmen entwickelt gemeinsam mit Lidl vor allem traditionelle Keksarten wie Linzer Augen, Vanillekipferl und Hauskekse. In Zusammenarbeit mit der Einkaufsabteilung werden auf Basis von Trends und Prognosen neue Produkte entwickelt, die entweder ins Standardsortiment aufgenommen oder als Aktionsartikel getestet werden.

Dieser Ansatz ermöglicht die Erprobung neuer Produkte. Gleichzeitig erfordert die Zusammenarbeit mit Lidl die Fähigkeit, größere Mengen zu produzieren, da die Produktrotation hoch ist und entsprechend skalierbare Produktionsprozesse notwendig sind.

Lidl als Türöffner für internationale Märkte

Die steigenden Verkaufszahlen durch die Präsenz in Lidl-Filialen ermöglichen es Unternehmen, schrittweise in neue Maschinen, Technologien und die Digitalisierung ihrer Prozesse zu investieren und damit ihre Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. Konditor vertreibt seine Produkte über das Lidl-Netzwerk inzwischen in sieben Ländern, darunter Slowenien, Österreich, Deutschland, die Schweiz, die Slowakei, Spanien, aber auch die USA.

Lidl ist in mehr als 30 Ländern aktiv und bietet Lieferanten damit erhebliches Expansionspotenzial, stellt sie jedoch gleichzeitig vor die Herausforderung, große Auftragsvolumina zu bewältigen.

Die Präsenz in einer so großen Handelsgruppe wirkt sich auch auf die Reputation eines Unternehmens aus. Nach Angaben des Herstellers dient die Listung bei Lidl als starke Referenz, die das Interesse anderer internationaler Händler erhöht. „Ausländische Ketten bedeuten zum größten Teil, dass wir ein seriöses Unternehmen sind, das einen solchen Riesen beliefern kann. Derzeit ist unsere Produktion für sechs Monate im Voraus ausverkauft und wir haben keine freie Kapazität. Das wird sich bald mit der Investition in die Ausweitung der Produktion ändern“, sagte Bandelj.

Nachhaltigkeitsanforderungen verändern Produktionsprozesse

Die Zusammenarbeit mit Lidl hat auch die nachhaltige Transformation bei Konditor vorangetrieben. Der Händler hat seine Lieferanten bereits vor Jahren zu Veränderungen bewegt, etwa durch den Verzicht auf Palmöl, die Verwendung zertifizierter Rohstoffe wie Kakao und Soja sowie den Einsatz von FSC-zertifiziertem Papier und Karton für Verpackungen.

Im Bereich der Kunststoffverpackungen wurde gemeinsam mit einem Verpackungslieferanten eine Lösung entwickelt, bei der rund 90 Prozent des Materials aus recyceltem Kunststoff bestehen. Weitere Schritte umfassen die Einführung papierloser Prozesse durch elektronische Bestellsysteme sowie die Vorbereitung auf die Berichterstattung zum CO₂-Fußabdruck.

„Diese Maßnahmen haben zunächst keinen Einfluss auf eine höhere Rentabilität, sondern sogar mit zusätzlichen Kosten, insbesondere wenn es sich um eine Maßnahme handelt, die noch nicht weit verbreitet ist und die Lieferketten noch nicht vollständig optimiert sind“, erklärt der Gesprächspartner. Es betont auch, dass sie Unternehmen auf zukünftige Regulierungen und Markterwartungen vorbereiten, was langfristig auch einen Wettbewerbsvorteil bedeutet.

Als größte Herausforderung gilt die Suche nach geeigneten Zulieferern für Rohstoffe. In einigen Fällen, etwa beim Ersatz von palmölhaltigen Schokoladencremes, mussten gemeinsam mit Partnern neue Lösungen entwickelt werden. Die Größe und Marktmacht von Handelsketten wie Lidl beschleunigen solche Veränderungen, da sich Lieferanten und Hersteller an den vorgegebenen Standards orientieren.

Das Beispiel zeigt, dass die Zusammenarbeit mit einem großen Händler nicht nur einen stabilen Absatzkanal bietet, sondern auch als Plattform für Produktentwicklung, internationale Expansion und nachhaltige Transformation dienen kann.

Für stark exportorientierte Industrien mit engen Verflechtungen in europäische Lieferketten bedeutet diese Entwicklung zunehmenden Anpassungsdruck. Unternehmen müssen steigende Nachhaltigkeitsanforderungen erfüllen, um ihre Marktposition zu sichern und Zugang zu großen Handelsplattformen zu behalten.

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