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Umfrage: Atomausstieg wird kritisch bewertet - Mehrheit dennoch gegen Rückkehr zur Kernenergie

Drei Jahre nach dem Ende der Kernenergie wächst die Kritik in der Bevölkerung. Viele Deutsche zweifeln am damaligen Beschluss, doch ein klarer Konsens fehlt. Soll Atomkraft künftig noch eine Rolle spielen – und wie realistisch ist eine Rückkehr?
21.04.2026 09:11
Lesezeit: 2 min
Umfrage: Atomausstieg wird kritisch bewertet - Mehrheit dennoch gegen Rückkehr zur Kernenergie
Ehemaliges Atomkraftwerk Gundremmingen vor dem Abriss: Eine Mehrheit spricht sich gegen eine Rückkehr zur Kernenergie aus. (Foto: dpa)

Umfrage: Atomausstieg von Mehrheit kritisch bewertet

Mehr als die Hälfte der Deutschen hält den Atomausstieg vor drei Jahren für falsch. Dennoch spricht sich nur eine Minderheit für eine Rückkehr zur Kernenergie aus.

Etwa jeder Zweite in Deutschland beurteilt den Atomausstieg vor drei Jahren negativ. 53 Prozent sprechen sich in einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov und des Sinus-Instituts gegen die Abschaltung der letzten Reaktoren aus, 40 Prozent halten sie für richtig. Fast jeder Dritte (32 Prozent) stuft den Ausstieg sogar als "voll und ganz falsch" ein.

Vor drei Jahren endete die Kernenergie in Deutschland

Deutschland hatte Mitte April 2023 die Nutzung der Kernenergie beendet. Die letzten drei Atomkraftwerke wurden endgültig vom Netz genommen. Zuvor hatte die Bundesregierung angesichts der Energiekrise infolge des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine beschlossen, die Anlagen für einige Monate länger weiterlaufen zu lassen.

Ursprünglich war geplant, den Atomausstieg bereits zum 31. Dezember 2022 abzuschließen. Den schrittweisen Ausstieg hatte 2011 die damalige schwarz-gelbe Bundesregierung unter Kanzlerin Angela Merkel (CDU) nach der Reaktorkatastrophe im japanischen Fukushima beschlossen.

Breite Unterstützung für erneuerbare Energien

Nicht alle Befragten, die den Atomausstieg 2023 kritisch sehen, setzen künftig auf Kernenergie. Für 39 Prozent ist Atomkraft eine Energiequelle, die Deutschland auch in Zukunft nutzen sollte. Damit liegt sie deutlich hinter Solarenergie (62 Prozent), Windenergie (60 Prozent) und Wasserkraft (50 Prozent).

Biomasse beziehungsweise Biogas nennen 35 Prozent als relevante Energiequelle. Fossile Energieträger rangieren deutlich weiter hinten: Erdgas erreicht 21 Prozent, Kohle und Öl jeweils 9 Prozent.

Geringe Sorge vor Atomunfällen

Die Gefahr eines möglichen Nuklearunfalls beschäftigt viele Befragte weniger stark. 52 Prozent geben an, sich wenig Sorgen zu machen, weitere 18 Prozent überhaupt keine, dass es in Europa zu einem schweren Zwischenfall in einem Atomkraftwerk kommen könnte. Nur wenige haben Vorsorgemaßnahmen getroffen und beispielsweise Lebensmittelvorräte oder Jodtabletten angelegt. Lediglich 15 Prozent bejahten eine entsprechende Frage vollständig oder mit Einschränkungen.

Nur jeder Vierte erklärt, sich darüber informiert zu haben, wie im Ernstfall zu handeln wäre. Dass Deutschland auf eine schwere Atomkatastrophe gut vorbereitet ist, glauben lediglich 14 Prozent.

Für die Umfrage wurden zwischen dem 13. und 16. März insgesamt 1.944 Menschen online befragt. Laut Institut sind die Ergebnisse repräsentativ.

Was in Tschernobyl passiert ist

Die Reaktorkatastrophe im damals sowjetischen und heute ukrainischen Tschernobyl ist auch 40 Jahre später nahezu allen bekannt. 93 Prozent haben davon gehört, fast die Hälfte sagt sogar, sie könne genau schildern, was damals geschah. Das Unglück im Kernkraftwerk in der heutigen Nordukraine in der Nacht zum 26. April 1986 gilt als schwerste atomare Katastrophe der Geschichte. Um 1.23 Uhr explodierte Reaktor 4 während einer Notfallübung. Aufgrund der radioaktiven Belastung wurde ein Gebiet im Umkreis von etwa 30 Kilometern um den Unfallort gesperrt.

Bei dem Super-GAU wurde radioaktives Material kilometerhoch in die Atmosphäre geschleudert. Die radioaktive Wolke verbreitete sich auch über große Teile Westeuropas. Bis heute sind Böden durch Niederschläge mit radioaktiven Stoffen wie etwa Cäsium-137 belastet. Diese Strahlung kann Krebs und weitere Krankheiten verursachen. 42 Prozent der Befragten geben an, dass die Katastrophe ihre Einstellung zur Atomkraft stark oder eher verändert habe, während dies bei 53 Prozent eher nicht oder gar nicht zutrifft.

Konfliktpunkt in der schwarz-roten Regierung

In der schwarz-roten Koalition ist in der vergangenen Woche erneut eine Debatte über Atomenergie aufgekommen. Unionsfraktionschef Jens Spahn (CDU) zeigte sich offen für Gespräche über eine mögliche Wiederinbetriebnahme deutscher Atomkraftwerke. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sieht eine Rückkehr zur Kernenergie jedoch nicht als kurzfristige Lösung für eine sichere und günstige Energieversorgung in Deutschland.

Vom Koalitionspartner SPD, vertreten durch Umweltminister Carsten Schneider, kam Kritik. Schneider verwies auf die weiterhin ungelöste Endlagerfrage für Atommüll. Die Umfrage wurde allerdings vor Beginn dieser politischen Diskussion durchgeführt.

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