Politik

Trump: USA erwägen Truppenreduzierung in Deutschland

Das Verhältnis zwischen Kanzler Merz und US-Präsident Trump galt lange als stabil. Nun verschärft sich der Ton zwischen beiden Seiten – und einer von ihnen spricht offen von Konsequenzen.
30.04.2026 12:15
Lesezeit: 3 min
Trump: USA erwägen Truppenreduzierung in Deutschland
Ein Schild weist auf den Haupteingang der US-Kaserne «Patch Barracks» hin. In diesem befindet sich auch das Hauptquartier der US-Streitkräfte in Europa (US European Command (EUCOM)). (Foto: dpa) Foto: Enrique Kaczor

USA prüfen Truppenreduktion in Deutschland

Die USA prüfen nach Aussage von Präsident Donald Trump eine mögliche Reduzierung ihrer Truppen in Deutschland. Eine Entscheidung solle in Kürze getroffen werden, schrieb er auf seiner Plattform Truth Social.

Die Ankündigung folgt auf Trumps deutliche Kritik an Bundeskanzler Friedrich Merz, weil dieser sich kritisch über die US-Offensive gegen den Iran geäußert hatte. "Er hat keine Ahnung, wovon er spricht!", hatte Trump am Dienstag auf Truth Social mit Blick auf den CDU-Vorsitzenden geschrieben. Es sei kein Wunder, "dass es Deutschland so schlecht geht, sowohl wirtschaftlich als auch in anderer Hinsicht!". Er warf dem Kanzler vor, damit einverstanden zu sein, dass der Iran über Atomwaffen verfüge.

Wiederkehrende Debatte über US-Truppen in Deutschland

Trump hatte bereits in seiner ersten Amtszeit (2017 bis 2021) mit einer Reduzierung des Truppenkontingents in Deutschland gedroht. Damals hatte er einige Monate vor seinem Abschied aus dem Weißen Haus angekündigt, er wolle 12.000 der damals rund 35.000 US-Soldaten aus Deutschland abziehen. Mehrere Tausend davon sollten innerhalb von Europa verlegt werden, andere in die USA zurückkehren. Trump beschrieb das Vorhaben damals als Strafe für die aus seiner Sicht zu geringen deutschen Militärausgaben. Sein Nachfolger Joe Biden stoppte die Pläne nach seinem Amtsantritt.

Tausende Arbeitsplätze hängen an US-Stützpunkten

Aktuell sind nach Angaben des US-Militärs von Mitte April rund 86.000 Soldaten in Europa stationiert – davon rund 39.000 in Deutschland. Die Zahl verändert sich regelmäßig, auch wegen Rotationen und Übungen.

Die US-Truppen galten in der Zeit des Kalten Krieges als Sicherheitsgarant für die Bundesrepublik und sind zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor für die Regionen rund um die Stützpunkte geworden. Tausende Ortskräfte werden vom US-Militär beschäftigt, daneben hängen vor allem in Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Bayern tausende weitere Arbeitsplätze von den US-Truppen ab.

Allein der riesige Luftwaffenstützpunkt Ramstein bei Kaiserslautern mit der größten US-Militärgemeinde außerhalb der Vereinigten Staaten generiert Schätzungen zufolge jedes Jahr Hunderte Millionen Euro an Löhnen, Gehältern, Mieten und Aufträgen in der regionalen Wirtschaft. Nahe dem Stützpunkt entsteht derzeit das größte US-Militärkrankenhaus außerhalb der USA.

US-Militärpräsenz in Europa

In Europa gibt es seit Jahrzehnten Dutzende große US-Militärstützpunkte, die bei weltweiten Einsätzen der Amerikaner – etwa im Nahen Osten – eine zentrale Rolle spielen. Sie dienen der Stationierung von Truppen, Waffen, Schiffen und Flugzeugen, Drohnen werden von dort aus gesteuert und auch Verletzte versorgt. In Deutschland gibt es neben dem Flugplatz Ramstein in Rheinland-Pfalz etwa das US-Oberkommando für Europa (EUCOM) in Stuttgart.

Der US-Kongress beschloss Ende 2025 einen Sicherheitsmechanismus, demzufolge die Gesamtzahl der Streitkräfte, die dauerhaft im Zuständigkeitsbereich des Europa-Kommandos sind, nicht länger als 45 Tage unter 76.000 liegen darf. Danach müssten bestimmte Berichtswege eingehalten werden, um eine Verringerung anzustoßen.

Unterschiedliche Signale aus Washington und Berlin

Noch im März hatte Trump dem Bundeskanzler nach dessen Angaben zugesagt, dass die USA an ihrer Truppenpräsenz in Deutschland festhalten wollten. "Das ist eine gute Nachricht, die ich aber auch anders nicht erwartet habe", sagte der CDU-Vorsitzende in Washington nach einem Treffen mit Trump.

Angesichts der kritischen Grundhaltung Trumps gegenüber den Europäern als langjährigen Verbündeten war zuvor spekuliert worden, dass der Präsident US-Soldaten auch aus Deutschland abziehen könnte. Ob Trump zusagte, dass das US-Kontingent auch in voller Truppenstärke erhalten bleibe, sagte Merz nicht.

Im Sommer vergangenen Jahres – bei einem früheren Besuch des Kanzlers in Washington – machte Trump Deutschland Hoffnung, die Zahl der dort stationierten US-Soldaten nicht zu reduzieren. Auf die Frage einer Reporterin, ob er die US-Truppen in Deutschland belassen werde, sagte er: "Ja, wir werden darüber reden." Wenn Deutschland die amerikanischen Soldaten dort haben wolle, sei er dazu bereit. "Ja, das werden wir tun. Das ist kein Problem."

Verhältnis zwischen Merz und Trump unter Druck

Nimmt man Trumps jüngste Äußerungen zum Maßstab, wirkt das persönliche Verhältnis zu Merz angespannt. Merz trat diesem Eindruck am Mittwoch entgegen. "Das persönliche Verhältnis zwischen dem amerikanischen Präsidenten und mir ist - jedenfalls aus meiner Sicht - unverändert gut", sagte er. "Wir sind nach wie vor in guten Gesprächen miteinander."

Kritik an der US-Strategie im Iran-Konflikt

Über Monate pflegten der Bundeskanzler und der US-Präsident ein vergleichsweise gutes Verhältnis. Zuletzt änderte Merz jedoch seinen Ton und kritisierte die Regierung in Washington öffentlich. So warf er ihr vor, keine Exit-Strategie für den Iran-Krieg zu haben. "Weil die Iraner offensichtlich stärker sind als gedacht und die Amerikaner offensichtlich auch in den Verhandlungen keine wirklich überzeugende Strategie haben", sagte er bei einer Diskussion mit Schülern in Marsberg im Sauerland.

"Das Problem bei solchen Konflikten ist immer: Da muss man ja nicht nur rein, da muss man auch wieder raus. Das haben wir ganz schmerzhaft bei Afghanistan gesehen, 20 Jahre lang. Wir haben das im Irak gesehen", sagte der Bundeskanzler weiter. Die Amerikaner seien im Iran "ganz offensichtlich ohne jede Strategie in diesen Krieg gegangen". Deshalb sei es umso schwerer, den Konflikt wieder zu beenden. "Zumal die Iraner offensichtlich sehr geschickt verhandeln - oder eben sehr geschickt nicht verhandeln", sagte Merz. "Da wird eine ganze Nation gedemütigt durch die iranische Staatsführung."

Spannungen im Verhältnis zu Europa

Merz ist nicht der erste europäische Spitzenpolitiker, den Trump deutlich kritisiert. Auch der britische Premierminister Keir Starmer und der französische Präsident Emmanuel Macron gerieten bereits in Konflikt mit dem Republikaner. Zuletzt verschärfte sich zudem der Ton zwischen Trump und der italienischen Ministerpräsidentin Giorgia Meloni nach Kritik des US-Präsidenten am Papst.

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