Politik

Olena Zelenska über den Krieg: Was die Ukraine heute zusammenhält

Olena Zelenska steht im Ukraine-Krieg für eine Form von Widerstand, die weit über Politik hinausreicht und psychische Gesundheit, kulturelle Identität sowie internationale Hilfe miteinander verbindet. Wie gelingt es ihr, einem verwundeten Land Stimme, Halt und Zukunftsperspektive zu geben?
05.05.2026 13:31
Lesezeit: 10 min

Olena Zelenska ist eine der wichtigsten Stimmen der Ukraine

Olena Zelenska wollte im Hintergrund bleiben. Doch der Krieg hat die First Lady der Ukraine in eine öffentliche Rolle gedrängt, die weit über repräsentative Aufgaben hinausgeht. Heute gehört sie zu den wichtigsten Stimmen ihres Landes und spricht über eine Gesellschaft, die seit Jahren unter permanenter Bedrohung lebt.

Im exklusiven Gespräch mit Di Weekend geht es um das Leben unter ständiger Gefahr, die Zukunft der Kinder, die Rolle der Kultur im Widerstand und die Hilfe aus Schweden. „Keine moderne Gesellschaft kann psychologisch auf Krieg vorbereitet sein“, sagt Olena Zelenska mit Blick auf die Lage in ihrem Land.

In der Nacht vor dem Gespräch wachte sie um 2.30 Uhr auf. Nicht ein Luftalarm riss sie aus dem Schlaf, sondern das Geräusch von Explosionen. „Leider ist diese Situation für uns nicht ungewöhnlich. Wenn viele Tage hintereinander ohne Luftalarm vergehen, beginnen wir zu spüren, dass sich eine noch größere Gefahr nähert.“

Der Krieg erreicht das ganze Land

Der Krieg werde nicht nur an der Front geführt, sagt Olena Zelenska. Er betreffe alle Menschen, die in der Ukraine leben. Niemand könne vollständig sicher sein. Die Front sei militärisch klarer zu verorten als die Bedrohung, die inzwischen den Alltag im gesamten Land prägt.

Am Tag zuvor und in der Nacht hatte Russland einen massiven Angriff geführt. Nach Angaben von Präsident Wolodymyr Selenskyj auf X wurden rund 700 Kampfdrohnen, 19 ballistische Raketen und auch Marschflugkörper abgefeuert. Etwa 15 Menschen starben in Odessa, Kiew und Dnipro.

Unter den Toten war auch ein zwölfjähriger Junge. Rund hundert Verletzte wurden gemeldet. Das Gespräch mit der First Lady der Ukraine findet am 16. April statt und dauert fast eine Stunde. Es wird über Zoom geführt, die Fragen werden auf Englisch gestellt.

Olena Zelenska antwortet ausführlich auf Ukrainisch. Die Dolmetscherin Zoriana Tsiupak übersetzt simultan für Di Weekend. Mehr als vier Jahre sind inzwischen vergangen, seit Russland die groß angelegte Invasion der Ukraine begann. Der ursprüngliche Plan des Angreifers war, die Hauptstadt rasch einzunehmen.

Der gescheiterte Plan des Angreifers

Russland stieß jedoch auf massiven Widerstand. In einer Videoaufnahme aus dem Zentrum von Kiew wurden die später berühmt gewordenen Worte des Präsidenten verbreitet. Wolodymyr Selenskyj floh nicht. Er blieb in der Hauptstadt und sagte damals, die Ukraine verteidige ihr Land.

Der Präsident lehnte zu Beginn des Krieges auch amerikanische Hilfe zur Ausreise aus dem Land ab. „Ich brauche Munition, keine Mitfahrgelegenheit“, wurde zu einem weiteren Satz, der die ersten Kriegstage prägte und international große Aufmerksamkeit auslöste.

Nach mehreren Wochen schwerer Kämpfe zwischen Februar und April 2022 musste sich Russland aus dem Raum Kiew zurückziehen. Seitdem konzentrieren sich die Kämpfe vor allem auf die Ostukraine. In den vergangenen Jahren hat Russland seine Angriffe auf Zivilisten im ganzen Land verstärkt.

Besonders betroffen sind die Städte. 2025 wurde zum tödlichsten Jahr für Zivilisten seit 2022. In dieser Realität hat Olena Zelenska den größten Teil ihrer Zeit als First Lady verbracht. Vor der Invasion versuchte sie, im Hintergrund zu bleiben. Der Krieg machte das unmöglich.

Vom Drehbuch zur politischen Öffentlichkeit

Olena Zelenska ist 48 Jahre alt und engagiert sich als First Lady der Ukraine für humanitäre Fragen, psychische Gesundheit und Bildung. Sie ist mit Präsident Wolodymyr Selenskyj verheiratet. Das Paar hat zwei Kinder im Alter von 13 und 21 Jahren.

Sie hat einen Abschluss in Architektur von der Nationalen Universität Krywyj Rih. Bevor sie 2019 First Lady wurde, arbeitete sie als Drehbuchautorin und Produzentin. Dazu gehörte auch ihre Arbeit für die Fernsehproduktionsfirma Kvartal 95, die ihr Mann mitgründete.

Für ihre heutige Arbeit erhielt Olena Zelenska internationale Anerkennung. 2023 wurde sie sowohl von der Financial Times als auch vom Time Magazine zu einer der einflussreichsten Persönlichkeiten der Welt ernannt. Eines ihrer wichtigsten Themen ist die psychologische Wirkung des Krieges auf die Bevölkerung.

Zugleich geht es ihr darum, wie die Menschen im Land wirksam unterstützt werden können. „Eigentlich bin ich überzeugt, dass keine moderne Gesellschaft psychologisch auf Krieg vorbereitet sein kann. Nicht auf einen Krieg wie den, der derzeit in der Ukraine geführt wird“, sagt sie.

Dauerstress als Belastung für die Ukraine

„80 Prozent leben in einem Zustand ständigen Stresses und ständiger Angst“, sagt Olena Zelenska. Ihre Generation sei mit der Überzeugung aufgewachsen, dass Krieg etwas sei, das man hinter sich gelassen habe. Für einen modernen Menschen sei Krieg eine kognitive Dissonanz.

Der Krieg zerstöre das Leben in allen Dimensionen. Die ständige Sorge fordere von den Menschen einen hohen Preis, betont Olena Zelenska. Auch wenn die Welt die Ausdauer und Widerstandskraft der Ukrainer anerkenne, bleibe diese Belastung für jeden Einzelnen bestehen.

Aus Umfragen wisse man, dass 80 Prozent der Ukrainer in einem Zustand ständigen Stresses und ständiger Angst lebten. Das wirke sich auf die Schlafqualität und das körperliche Wohlbefinden aus. Für Olena Zelenska ist das nicht nur individuelles Leid.

Sie sieht darin auch eine Bedrohung für die Tragfähigkeit des gesamten Landes. Die Sorge um Familienmitglieder verbindet sich mit den Anforderungen des Alltags. Probleme im Bereich der mentalen Gesundheit zu lösen, sei wichtig für die Gesellschaft, für das gemeinsame Überleben und für die Wirtschaft des Landes.

Psychische Gesundheit als Überlebensfrage

Neben Soldaten und Veteranen sind Kinder, Jugendliche und ältere Menschen besonders verletzlich. Doch auch medizinisches Personal und jene, die die Energieinfrastruktur warten und reparieren, arbeiten bis zur völligen Erschöpfung. Der Krieg belastet damit nicht nur die Front, sondern auch die Funktionsfähigkeit des Staates.

Seit Beginn des groß angelegten Krieges am 24. Februar 2022 wurden in der Ukraine mindestens 15.578 Zivilisten getötet und 43.352 verletzt. Mehr als 3.200 Kinder wurden während des gut vier Jahre dauernden Krieges getötet oder verletzt.

Nach Angaben ukrainischer Behörden wurden seit 2022 etwa 20.000 ukrainische Kinder nach Russland oder in von Russland kontrollierte Gebiete verschleppt. 23,5 Prozent der ukrainischen Jugendlichen und jungen Erwachsenen leiden an PTBS, einer posttraumatischen Belastungsstörung.

Schweden hat seit Februar 2022 rund 11,6 Milliarden Euro für verschiedene Maßnahmen zur Unterstützung der Ukraine bereitgestellt. Die militärische Hilfe beläuft sich auf rund 9,4 Milliarden Euro, die zivile Hilfe einschließlich humanitärer Unterstützung auf rund 2,3 Milliarden Euro.

Hilfe für eine verwundete Gesellschaft

Die Angaben zu Toten, Verletzten, verschleppten Kindern, psychischen Belastungen und schwedischer Hilfe stammen aus dem ursprünglichen Bericht unter Verweis auf die Vereinten Nationen, den UNHCR, die Fachzeitschrift Journal of Affective Disorders und die schwedische Regierung. Eine weitere besonders belastete Gruppe sind die Binnenvertriebenen des Landes.

Das Stigma rund um psychische Erkrankungen aufzubrechen, zählt Olena Zelenska zu ihren wichtigsten Aufgaben. Sie könne als Person Aufmerksamkeit erzeugen, mehr über das Thema sprechen und eine Stimme dafür sein. Genau das tue sie, sagt die First Lady der Ukraine.

Olena Zelenska führt Informationskampagnen durch, in denen Menschen lernen, besser auf ihre eigene seelische Gesundheit zu achten. Über die Olena Zelenska Foundation richtet sie sich besonders an die jüngere Generation. Die Stiftung hat unter anderem Lager zur psychologischen Rehabilitation organisiert.

Dabei arbeitet sie mit der dänischen Organisation Headspace Danmark zusammen, die jungen Menschen in Dänemark über physische Zentren niedrigschwellige Unterstützung bietet. Das Team von Headspace stehe in ständigem Kontakt mit der ukrainischen Seite, sagt Olena Zelenska. Gemeinsam wolle man etwas Konkretes für Kinder und Jugendliche schaffen.

Hilfe für Kinder und Jugendliche

Derzeit gibt es nach ihren Angaben vier Zentren in verschiedenen Teilen der Ukraine, ein fünftes wird gerade eröffnet. Die Arbeit werde ausgewertet, damit daraus Lehren gezogen werden können. Danach hoffe man, das Netzwerk weiter auszubauen und mehr junge Menschen zu erreichen.

Olena Zelenska engagiert sich auch in Fragen, die den Alltag der Kinder betreffen. Es gebe Kinder, die während des Krieges geboren wurden und inzwischen älter als vier Jahre seien. Sie hätten laufen und sprechen gelernt und nie ein Leben ohne Krieg erlebt. Das sei furchtbar.

Die wichtigste Aufgabe der Erwachsenen in der Ukraine sei es, dafür zu sorgen, dass der Krieg nur ein schreckliches Kapitel im Leben dieser Kinder bleibe. Er dürfe ihr Leben nicht für immer bestimmen. „Unsere Kinder dürfen nicht zu dem werden, was man früher Kriegskinder nannte“, sagt Olena Zelenska.

Besonders wichtig sei der Bau unterirdischer Schulen in Frontregionen. Dort können Schüler ihre Gleichaltrigen und Lehrer in Sicherheit treffen, statt allein vor Bildschirmen oder in Kellern ohne Tageslicht zu sitzen. Schule wird damit auch zu einem Versuch, Normalität zu bewahren.

Unterricht unter der Erde

Als die erste unterirdische Schule in Charkiw eröffnet wurde, gehörte Olena Zelenska nach eigenen Worten zu den Skeptikern. Es habe sie traurig gemacht, Kinder unter der Erde lernen zu sehen. Dann habe sie die enorme Reaktion von Kindern, Lehrern und Eltern erlebt.

Diese hätten ein Stück Normalität zurückbekommen. Der Ansatz verbreite sich inzwischen weiter. In Charkiw und in der Region Saporischschja würden weitere unterirdische Schulen gebaut. Für Olena Zelenska zeigt sich darin, wie sehr Bildung im Krieg auch Schutz und Stabilität bedeutet.

Die anschließende Frage lautet, wie sie selbst mit dem Druck umgeht. Ihr Mann gehört zu den wichtigsten Zielen Russlands. Sie lebt und arbeitet seit Jahren in einem Krieg, der auch ihr privates Leben bestimmt und jede alltägliche Entscheidung verändert.

Olena Zelenska sagt, es sei schwer, den Druck zu beschreiben, unter dem sie und andere Menschen in der Ukraine stehen. Dennoch findet sie klare Worte. Dies sei eindeutig die schlimmste Zeit ihres Lebens. Es gebe nichts, womit man diese Erfahrung vergleichen könne.

Das Leben muss weitergehen

Alle trauerten, alle warteten auf Frieden, alle wollten einen Sieg sehen. Sie glaube nicht, dass sie sich von anderen unterscheide, sagt Olena Zelenska. Die täglichen Routinen helfen ihr, durchzuhalten. „Wie müde man auch ist, das Leben muss weitergehen. Das hält uns aufrecht.“

Auf die Frage, wie sie ihren öffentlichen Auftrag mit ihrer Rolle als Mutter verbindet, betont sie, dass die Lage noch schwieriger wäre, wenn ihre Kinder klein wären. Als der Krieg ausbrach, war ihr Sohn neun Jahre alt, ihre Tochter 17. Heute sind sie 13 und 21 Jahre alt.

Aus Sicherheitsgründen ist nicht bekannt, wo die Kinder leben. In früheren Interviews sagte Olena Zelenska jedoch, dass sie die Ukraine nicht verlassen hätten, sondern in Kiew lebten. Heute brauchten sie sie nicht mehr so viele Stunden am Tag.

Dennoch versuche sie, Zeit mit ihnen zu verbringen. Sie könne sich kaum vorstellen, wie es für Frauen sei, die vollständig auf sich selbst gestellt sind, während ihre Männer an der Front stehen. Viele müssten arbeiten, Kinder versorgen und sich zugleich um ältere Angehörige kümmern.

Kultur als Fundament der Nation

Während des Gesprächs sitzt Olena Zelenska an einem großen Tisch. Im Raum sind zugezogene Vorhänge an einem Fenster zu sehen. Hinter ihr hängt ein Bild in Gelbtönen. Es wurde 2022 von der ukrainischen Künstlerin Inna Kharchuk gemalt und trägt den Titel „Saints“.

Das Werk behandelt Fragen von Erbe und Entscheidung. Olena Zelenska beschreibt die ukrainische Kultur als Grundlage der ukrainischen Gesellschaft. Ihre Bedeutung während des Krieges sei enorm. Sie unterscheidet bei der Arbeit an der kulturellen Identität zwei Dimensionen, eine innere und eine äußere.

Nach innen sei Kultur das, was die Bevölkerung aufrechterhalte. Paradoxerweise besuchten während des Krieges mehr Menschen in der Ukraine Theater und Ausstellungen als vor der Invasion. Kulturelles Erbe, Traditionen und Musik wirkten als Fundament, das den Ukrainern ein Gefühl von Gemeinschaft gebe.

Die Menschen würden daran erinnert, dass sie zu etwas Großem gehörten, das sie und ihre Vorfahren gemeinsam geschaffen hätten. Dieses Gefühl trage vermutlich zu jener Widerstandskraft bei, für die die Ukraine im Ausland Anerkennung erhalte, sagt Olena Zelenska.

Beschlagnahmtes kulturelles Erbe

Die äußere Dimension bestehe darin, der Welt die Identität der Ukraine verständlich zu machen. Ukrainische Kultur habe historisch unter dem Dach des Russischen Imperiums und später der Sowjetunion existieren müssen. Genau daraus ergebe sich bis heute eine politische und kulturelle Auseinandersetzung.

Olena Zelenska beschreibt, wie russische Propaganda häufig das Narrativ verbreitet, die Ukraine sei kein richtiger Staat. Über lange Zeit habe Russland die Existenz ukrainischer Künstler und des ukrainischen Kulturerbes bestritten oder sogar ausgelöscht. Sehr viel davon werde bis heute als russisches Erbe beschrieben.

„Sehr viel von unserem kulturellen Erbe ist von Russland beschlagnahmt worden“, sagt sie. Eine große Zahl von Schriftstellern, die Russland als russische Autoren betrachte, seien in Wirklichkeit ukrainische Autoren gewesen. Sie hätten auf Russisch geschrieben, da sie sonst gar nicht hätten veröffentlicht werden können.

Die First Lady erinnert an die „hingerichtete Renaissance“. Gemeint ist eine Generation ukrainischer Künstler und Intellektueller, die in den 1920er Jahren aufblühte und später vom Stalin-Regime verfolgt und zum Schweigen gebracht wurde. Viele Angehörige wurden im Wald von Sandarmoch in Russisch-Karelien hingerichtet.

Der Kampf um kulturelle Identität

In Sandarmoch wurden während Stalins Säuberungen Tausende Menschen ermordet. Olena Zelenska verweist außerdem auf die Dissidenten der 1960er Jahre, von denen viele in sowjetischen Gefängnissen starben oder zwangsweise psychiatrisch behandelt wurden. Der Zynismus sei enorm, sagt sie.

Um die Geschichte des Landes zurückzugewinnen, arbeitet Olena Zelenska an mehreren konkreten Initiativen. Eine davon betrifft das Ziel, Künstler wie Malewitsch, Aiwasowski und Kuindschi international als ukrainisch statt als russisch anzuerkennen. Es geht um Zuschreibung, Erinnerung und kulturelle Selbstbehauptung.

Ein weiteres Beispiel ist das Metropolitan Museum of Art in New York. Das Museum änderte vor Kurzem die Angaben zu einem Gemälde von Degas. Nun wird ausgewiesen, dass das Bild ukrainische und nicht russische Tänzerinnen in Volkstracht zeigt.

Olena Zelenska setzt außerdem auf ukrainische Literatur. Sie sei überzeugt, dass Literatur am besten spreche. Sie sage mehr über ein Land als Nachrichten oder soziale Netzwerke. Literatur wird für sie damit zu einer Stimme des Landes und zu einem Mittel gegen die Vereinnahmung seiner Geschichte.

Literatur als Stimme der Ukraine

Olena Zelenska arbeitet auch daran, ukrainischsprachige Audioguides in bekannten internationalen Museen einzuführen. Dazu gehört das Nobelpreismuseum in Schweden. Ukrainische Besucher im Ausland sollen Weltkultur in ihrer Muttersprache erleben können. Dafür danke sie Schweden, sagt die First Lady.

Als Di Weekend nach der schwedischen militärischen und zivilen Unterstützung fragt, äußert Olena Zelenska Dankbarkeit. Besonders hebt sie die medizinische Zusammenarbeit hervor. In diesem Bereich engagiert sie sich persönlich. Schwedische und ukrainische Krankenhäuser kooperieren unter anderem bei der Weiterbildung von Fachkräften.

Die Zusammenarbeit zwischen dem schwedischen Astrid-Lindgren-Kinderkrankenhaus und dem Kinderkrankenhaus Ochmatdyt in Kiew ist ein solches Beispiel. Für Ochmatdyt hatte Dagens industri gemeinsam mit Beredskapslyftet Geld gesammelt. Olena Zelenska betont, dass es hier einen gegenseitigen Nutzen gebe.

Die Ukraine habe leider große Erfahrung mit Mehrfachtraumata und Massenverletzungen. Dieses Wissen könne in der medizinischen Zusammenarbeit eine Rolle spielen. Zugleich nutzt Olena Zelenska das Gespräch, um Königin Silvia für ihre Arbeit in der Ukraine zu danken.

Medizinische Zusammenarbeit mit Schweden

Königin Silvia unterstützt dort die psychische Gesundheit von Frauen, Jugendlichen und Mädchen. Olena Zelenska beschreibt das Verhältnis als persönlich und herzlich. Beide hätten sich mehrere Male getroffen. Sie wisse, dass Silvias Stiftung World Childhood Foundation seit Langem in der Ukraine arbeitet.

Dafür wolle sie Ihrer Majestät danken, sagt Olena Zelenska. Dann geht es um ihr Verhältnis zum schwedischen König Carl XVI. Gustaf, der vor Kurzem in der Ukraine war. Sie habe die Ehre gehabt, ihn einmal in Stockholm zu treffen.

Damals besuchte sie gemeinsam mit dem Präsidenten die schwedische Hauptstadt. „Ich war beeindruckt, wie charmant und warmherzig beide sind“, sagt Olena Zelenska über König Carl XVI. Gustaf und Königin Silvia. Der Dank an Schweden bleibt damit nicht nur politisch, sondern auch persönlich.

Olena Zelenskas Assistentin teilt mit, dass die Interviewzeit zu Ende ist. Zwei letzte Fragen bleiben noch. Zunächst geht es darum, ob es eine Frage gebe, die sie gern gestellt bekäme, aber selten höre. Ihre Antwort richtet sich in die Zukunft.

Die Frage nach dem Ende des Krieges

„Eines Tages würde ich gern gefragt werden, wie es der Ukraine gelungen ist, sich nach einem so furchtbaren Krieg so schnell zu erholen“, sagt Olena Zelenska. Der Satz verweist auf eine Zeit nach dem Krieg, die für die Ukraine noch nicht begonnen hat, aber schon heute als Ziel präsent ist.

Dann folgt die Frage, wann dieser Krieg enden werde. Olena Zelenska sagt, sie würde die Antwort sehr gern kennen. Sie sei nicht die Einzige, die sich das frage. Ihre Kinder fragten sie, ihre Eltern fragten sie. Sie selbst frage ihren Mann.

„Wir fragen uns alle gegenseitig“, sagt Olena Zelenska. Die einzige Person, die diese Frage beantworten könne, sei der Präsident des Angreiferlandes. Ihn könne man leider nicht fragen. Damit endet das Gespräch mit einer Antwort, die keine Gewissheit geben kann und gerade dadurch die Lage des Landes auf den Punkt bringt.

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