Politik

Friedenssignale aus Teheran: Warum Trump den Iran-Krieg kaum als Sieg verkaufen kann

Die Märkte setzen auf Entspannung im Iran-Konflikt, doch Trump steht vor einer politischen Niederlage und die Zukunft der Straße von Hormus bleibt ungeklärt. Wird der mögliche Deal die Ölroute dauerhaft sichern oder nur eine kurze Atempause für die Weltwirtschaft bringen?
07.05.2026 17:11
Lesezeit: 5 min

Friedenssignale stellen Trump vor ein Problem

An den Märkten wächst die Erleichterung über neue Friedenssignale. Für Präsident Donald Trump wäre ein solcher Ausgang jedoch kaum als Sieg zu erklären, da seine ursprünglichen Kriegsziele bislang nicht erreicht wurden.

Der Krieg gegen den Iran könnte vor dem Ende stehen, doch gesichert ist das keineswegs. An den Finanzmärkten herrschte am 6. Mai mittags dennoch wenig Zweifel daran, dass eine diplomatische Lösung näher rückt, nachdem Brent-Öl auf unter 100 Dollar je Barrel gefallen war.

Die Aktienmärkte legten fast überall zu, während die Zinsen entsprechend nachgaben. Sollten die Optimisten an den Märkten recht behalten und eine Friedenslösung zwischen den USA und dem Iran, nicht zu vergessen Israel, tatsächlich bevorstehen, käme dies einer schweren politischen Niederlage für Trump gleich.

Denn es lässt sich nur schwer behaupten, dass der Präsident seine ursprünglichen Ziele erreicht hat. Stattdessen ist ein Problem entstanden, dessen Folgen weit über die Region hinausreichen und die Weltwirtschaft unmittelbar betreffen.

Trumps Bilanz fällt ernüchternd aus

Im Zentrum steht die Straße von Hormus. Wird die Schifffahrt dort jemals wieder frei, ungehindert und sicher sein? Nach allem, was derzeit bekannt ist, spielte die Blockade dieser wichtigen Meerenge in Trumps Überlegungen keine erkennbare Rolle, als er am 28. Februar den Angriffsbefehl gab.

Die Antwort auf die entscheidende Frage zu Hormus könnte bis zum 8. Mai fallen. So viel Zeit haben die USA Teheran eingeräumt, um auf ihren Friedensvorschlag zu reagieren, während die ersten Antworten aus dem Iran bestenfalls vage und schwer zu deuten sind.

Zugleich droht Präsident Trump damit, die Bombardierungen "massiver und intensiver wieder aufzunehmen", sollte der Iran dem Vorschlag der USA nicht zustimmen. Diese Drohung dämpfte später am 6. Mai einen Teil der Begeisterung an den Märkten.

Der erhoffte Durchbruch bleibt damit fragil, zumal die politische und militärische Lage weiter von widersprüchlichen Signalen geprägt ist. Für Investoren zählt im Moment vor allem die Hoffnung auf Entspannung, doch strategisch ist die Lage keineswegs geklärt.

Trumps Kriegsziele bleiben unerreicht

Als Trump am 28. Februar aus der Air Force One auf dem Weg nach Florida den Befehl zum Beginn der Operation Epic Fury und damit des Krieges gegen den Iran gab, rechnete er mit einem kurzen Krieg von nur wenigen Wochen. Danach sollte das iranische Volk die Herrschaft der Geistlichen stürzen.

Der Iran sollte 440 Kilogramm hochangereichertes Uran herausgeben, das für rund zehn Atombomben verwendet werden kann. Zugleich sollte Teheran sein Programm für Langstreckenraketen aufgeben, während Trump auch die iranische Finanzierung schiitischer Terrororganisationen wie Hamas, Hisbollah und die Huthis stoppen wollte.

So ist es nicht gekommen, im Gegenteil. Die Ajatollahs und die Revolutionsgarden sitzen heute fester an der Macht als vor Epic Fury, das angereicherte Uran ist nicht abgegeben worden, und der Iran kann trotz der Zerstörungen durch tausende amerikanische Bomben und Raketen weiterhin Drohnen und Raketen produzieren.

Amerikanische Geheimdienstquellen berichten, dass selbst nach Angriffen auf rund 13.000 Ziele im Iran noch die Hälfte der Kapazitäten zum Abschuss von Raketen intakt ist. Das militärische Ergebnis bleibt damit deutlich hinter den ursprünglichen Erwartungen Washingtons zurück.

Die entscheidende Frage bleibt die Schifffahrt in der Straße von Hormus zwischen dem Iran und Oman. Zwar fiel der Brent-Preis am 6. Mai mittags um mehr als 11 Prozent auf gut 98 Dollar je Barrel, doch damit liegt er weiterhin weit über dem Niveau von rund 70 Dollar je Barrel.

Dieses Niveau galt vor den Angriffen der USA und Israels auf den Iran Ende Februar. Die Risikoprämie am Ölmarkt ist also nicht verschwunden, sondern nur kleiner geworden, was zeigt, dass die Märkte den Konflikt noch keineswegs als gelöst betrachten.

Widersprüchliche Signale aus Washington

Eine Reihe widersprüchlicher und verwirrender Meldungen aus dem Weißen Haus deutete bereits am 5. Mai an, was sich abzeichnete. Außenminister Marco Rubio erklärte zunächst, der Krieg gegen den Iran sei beendet.

Kriegsminister Hegseth sagte anschließend gemeinsam mit dem militärischen Oberbefehlshaber, man stehe mit mehr als 100 Flugzeugen, rund 15.000 Soldaten und Raketendestroyern bereit. Damit solle Trumps erst Anfang Mai vorgelegter Plan abgesichert werden, Tanker und Containerschiffe durch Hormus und hinaus in offene Gewässer zu "führen".

Nur wenige Stunden später setzte Präsident Trump eben diesen Plan wieder aus. Die amerikanische Linie blieb damit unklar, während die Märkte bereits auf eine schnelle Entspannung setzten und die politische Führung in Washington weiter widersprüchliche Signale aussandte.

Am 6. Mai mittags nährte dann vor allem ein Bericht des US-Mediums Axios die Hoffnung auf einen baldigen Frieden. Demnach sind der Iran und die USA einer Vereinbarung näher als jemals zuvor seit Beginn des Krieges.

Das bedeutet jedoch nicht, dass der Krieg nicht erneut aufflammen kann. Auch Axios weist darauf hin, dass die 14 Punkte der möglichen Vereinbarung auf nur einem einzigen A4-Blatt festgehalten sind und alle Punkte davon abhängen, ob sich die Parteien innerhalb von 30 Tagen auf ein endgültiges Friedensabkommen einigen.

Der entscheidende Punkt von Hormus

Auf der positiven Seite steht, dass einer dieser 14 Punkte eine Regelung zum Transit durch die Straße von Hormus enthält. Demnach sollen "beide Seiten die Beschränkungen rund um den Transit durch die Straße von Hormus aufheben", schreibt Axios.

Doch selbst wenn der Iran und die USA ihre jeweiligen Blockaden aufheben, ist eine dauerhaft freie Schifffahrt damit nicht gesichert. Der künftige Status der Meerenge bleibt ungeklärt, und genau diese Unsicherheit ist für die Weltwirtschaft entscheidend.

Das amerikanische Medium beruft sich auf zwei Beamte der US-Regierung und zwei weitere Quellen, die "mit den Diskussionen vertraut sind". Eine pakistanische Regierungsquelle bestätigte laut der Nachrichtenagentur Reuters die Angaben von Axios.

Die pakistanische Quelle sagte zugleich, man könne dies "sehr bald abschließen". Man sei nahe dran. Diese Formulierung verstärkte den Eindruck, dass die Gespräche weit fortgeschritten sind, ohne die zentralen Risiken aus dem Weg zu räumen.

Schifffahrt soll wieder möglich sein

Anschließend berichteten mehrere iranische Staatsmedien, dass die Schifffahrt durch die Straße von Hormus nun wieder möglich sei. Die Bedrohungen durch die "Aggressoren" seien verschwunden, hieß es, zudem verwiesen die Staatsmedien auf "neue Verfahren".

Welche Verfahren damit gemeint sind, bleibt jedoch unklar. Ebenso offen ist, was künftig konkret mit dem Transit durch die Straße von Hormus geschehen soll, die seit rund zehn Wochen als einer der sensibelsten Engpässe der Weltwirtschaft wahrgenommen wird.

Rund 20 Prozent der globalen Öl- und Erdgasversorgung laufen durch dieses Gewässer. Hinzu kommen ein großer Teil der weltweiten Düngemittelproduktion, Helium für die Herstellung von Computerchips und weitere wichtige Rohstoffe.

Der Krieg hat deutlicher als vieles andere gezeigt, dass die globale Wirtschaft trotz des KI-Hypes auf Rohstoffen und belastbaren Lieferketten beruht. Gerade die amerikanischen Aktienindizes wurden während des Krieges von der KI-Euphorie gestützt, doch die Abhängigkeit von Energie, Rohstoffen und sicheren Seewegen ist wieder in das Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt.

Rohstoffe bleiben das Fundament der Weltwirtschaft

Außenminister Marco Rubio erkennt diese Abhängigkeit ausdrücklich an. Gegenüber US-Medien sagte er, die USA könnten nicht zulassen, dass ein "Schurkenstaat wie das iranische Regime" künftig Kontrolle über eine internationale Schifffahrtsroute als neue Normalität beanspruche.

Rubio warnte weiter, es werde nicht lange dauern, bis sich Ähnliches bei anderen Schifffahrtsrouten rund um die Welt wiederhole. Diese Aussage klingt politisch und wirtschaftlich plausibel, doch ob sie tatsächlich die Haltung der USA beschreibt, hängt von Präsident Trump ab.

Entscheidend ist, ob er den Krieg rasch beenden will, um den Schaden aus dem unpopulärsten Krieg der jüngeren US-Geschichte einzugrenzen. Oder ob Trump bereit ist, den Iran militärisch um die Kontrolle über die Straße von Hormus herauszufordern.

Für die Märkte, die Energieversorgung und die Weltwirtschaft bleibt genau diese Frage entscheidend. Der Frieden, auf den Investoren derzeit setzen, wäre damit nicht nur eine diplomatische Vereinbarung, sondern auch ein Test für die künftige Ordnung auf einer der wichtigsten Handelsrouten der Welt.

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