Wirtschaft

Welthandel unter Druck: Golfkrise belastet den globalen Containerverkehr

Die Golfkrise verschärft die Spannungen im Containerverkehr und lenkt Handelsrouten zunehmend in Richtung Afrika. Welche Folgen hat diese Entwicklung für den Nahen Osten, die Transportpreise und den Welthandel?
15.05.2026 16:00
Lesezeit: 2 min
Welthandel unter Druck: Golfkrise belastet den globalen Containerverkehr
Die Störungen in der Straße von Hormus verschieben Frachtströme. (Foto: dpa) Foto: Daniel Reinhardt

Golfkrise belastet Welthandel und verschiebt Frachtrouten

Der weltweite Containerverkehr blieb im ersten Quartal dieses Jahres über dem Niveau des Vorjahres. Im März zeigten sich jedoch erste Folgen der Golfkrise und der Störungen in der Straße von Hormus. Analysten warnen, dass die bisherigen Zahlen nur den Anfang der Entwicklung abbilden. Viele Container, die Anfang März verschickt wurden, wurden in den Statistiken noch nach ihren ursprünglichen Zielhäfen erfasst.

Die neuesten Daten von Container Trade Statistics zeigen, dass die globalen Containerumschläge in den ersten drei Monaten des Jahres 47,2 Millionen Container erreichten, gemessen in TEU. Das entspricht einem Anstieg von 4,4 Prozent gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres. Im Monatsvergleich legte der weltweite Umschlag zwar um 5,8 Prozent zu. Im Jahresvergleich ging er jedoch zugleich um 2,4 Prozent zurück.

Exporte aus dem Nahen Osten brechen deutlich ein

Besonders stark betroffen ist die Region des indischen Subkontinents und des Nahen Ostens. Im Januar und Februar verzeichnete sie noch ein Exportwachstum von mehr als neun Prozent. Im März drehte sich die Entwicklung jedoch deutlich. Die Ausfuhren aus der Region gingen im Jahresvergleich um fast ein Drittel zurück.

Damit zeigt sich der unmittelbare Einfluss der Golfkrise auf einen der am schnellsten wachsenden Logistikkorridore der vergangenen Jahre. Für Reedereien, Häfen und Verlader wird die Lage zunehmend schwer kalkulierbar. Die bisherigen Zahlen deuten darauf hin, dass sich die Verschiebungen im globalen Frachtverkehr in den kommenden Monaten weiter verstärken könnten.

Auf der Importseite verzeichnete Nordamerika den stärksten Rückgang. Dort sanken die Mengen um 3,8 Prozent. Aus dem Fernen Osten kamen rund 130.000 TEU weniger Fracht in der Region an als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Die Ursachen reichen von Zolldruck bis zu einer breiteren wirtschaftlichen Unsicherheit, die zunehmend auf den amerikanischen Konsum und den Handel durchschlägt.

Afrika wächst am stärksten

Ein deutlich anderes Bild zeigt Subsahara-Afrika. Die Region entwickelt sich zu einem der am schnellsten wachsenden Handelsräume der Welt. Die Importe nach Subsahara-Afrika stiegen um fast 18 Prozent. Besonders stark legte die Handelsroute zwischen dem Fernen Osten und Afrika zu. Dort wurde ein Plus von mehr als einem Drittel erreicht.

Diese Entwicklung bestätigt die Verlagerung globaler Handelsströme hin zu neuen und rasch wachsenden Märkten. Während etablierte Routen durch geopolitische Risiken belastet werden, gewinnen alternative Absatz- und Umschlagsregionen an Gewicht. Afrika profitiert dabei von steigender Nachfrage, einer stärkeren Einbindung in globale Lieferketten und der wachsenden Bedeutung neuer Wachstumsmärkte.

Neue Routen werden länger und teurer

Parallel zu den Störungen steigen auch die Transportpreise. Der globale Preisindex für Transporte erhöhte sich im März um fünf Punkte und erreichte den Stand von 79. Reedereien suchen angesichts der Sicherheitsrisiken nach alternativen Routen. Dadurch verlängern sich die Transitzeiten, zugleich steigen die Kosten.

Zusätzliche Unsicherheit entsteht durch höhere Ölpreise, die die weltweite Nachfrage dämpfen können. Für Unternehmen bedeutet dies eine doppelte Belastung. Transporte werden teurer und langsamer, während zugleich das Risiko steigt, dass eine schwächere Nachfrage die Handelsmengen in wichtigen Märkten begrenzt. Nach Einschätzung von Container Trade Statistics hat die Golfkrise den weltweiten Containerverkehr allein im März um rund 840.000 TEU verringert. Da die Daten lediglich die ersten drei Wochen der Störungen erfassen, rechnet die Branche damit, dass die tatsächlichen Auswirkungen in den kommenden Monaten noch deutlicher sichtbar werden.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Fahrermangel: Europas Lieferketten droht der Kollaps
15.07.2026

Eine halbe Million Lkw-Fahrer fehlen in Europa, allein in Deutschland sind rund 120.000 Stellen unbesetzt. Besonders kleine Speditionen...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsenbericht: Goldman Sachs legt nach Bankenbilanzen kräftig zu; sinkende Inflation sorgt für Optimismus
14.07.2026

Spannende Entwicklungen an der Wall Street: Erfahren Sie, welche Faktoren die Märkte heute bewegten und warum Anleger wieder Hoffnung...

DWN
Technologie
Technologie Deutschland fördert Chipfabriken mit 659 Millionen Euro
14.07.2026

Die EU genehmigt Deutschland milliardenschwere Hilfen für den Ausbau der Halbleiterindustrie. Vier Unternehmen erhalten insgesamt 659...

DWN
Technologie
Technologie Fabrik der Zukunft: Die vollautomatische Produktion ist ein Irrweg
14.07.2026

Die vollständig menschenleere Fabrik galt lange als Ideal der Industrie. Doch ausgerechnet leistungsfähigere KI-Systeme machen...

DWN
Finanzen
Finanzen IBM-Aktie verliert massiv: Quartalszahlen schocken Anleger
14.07.2026

Die IBM-Aktie verliert massiv an Wert, nachdem der IT-Konzern mit seinen Quartalszahlen die Erwartungen der Anleger verfehlt hat. Ein...

DWN
Politik
Politik Kreml kritisiert Merz für geplante Sicherheitsgarantien an Kiew
14.07.2026

Der Streit um die künftige Absicherung der Ukraine verschärft sich: Der Kreml attackiert Friedrich Merz, während Bulgarien überraschend...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Einzelhandel rutscht tiefer in die Krise
14.07.2026

Die Kaufzurückhaltung der Verbraucher trifft den deutschen Einzelhandel härter als noch vor einem Jahr. Eine neue HDE-Umfrage zeigt, wie...

DWN
Finanzen
Finanzen Fluggastrechtereform: Das ändert sich für Millionen Reisende
14.07.2026

Wer innerhalb Europas fliegt, muss sich auf neue Regeln einstellen. Die geplante Reform verspricht mehr Transparenz und zusätzliche Rechte...