Golfkrise belastet Welthandel und verschiebt Frachtrouten
Der weltweite Containerverkehr blieb im ersten Quartal dieses Jahres über dem Niveau des Vorjahres. Im März zeigten sich jedoch erste Folgen der Golfkrise und der Störungen in der Straße von Hormus. Analysten warnen, dass die bisherigen Zahlen nur den Anfang der Entwicklung abbilden. Viele Container, die Anfang März verschickt wurden, wurden in den Statistiken noch nach ihren ursprünglichen Zielhäfen erfasst.
Die neuesten Daten von Container Trade Statistics zeigen, dass die globalen Containerumschläge in den ersten drei Monaten des Jahres 47,2 Millionen Container erreichten, gemessen in TEU. Das entspricht einem Anstieg von 4,4 Prozent gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres. Im Monatsvergleich legte der weltweite Umschlag zwar um 5,8 Prozent zu. Im Jahresvergleich ging er jedoch zugleich um 2,4 Prozent zurück.
Exporte aus dem Nahen Osten brechen deutlich ein
Besonders stark betroffen ist die Region des indischen Subkontinents und des Nahen Ostens. Im Januar und Februar verzeichnete sie noch ein Exportwachstum von mehr als neun Prozent. Im März drehte sich die Entwicklung jedoch deutlich. Die Ausfuhren aus der Region gingen im Jahresvergleich um fast ein Drittel zurück.
Damit zeigt sich der unmittelbare Einfluss der Golfkrise auf einen der am schnellsten wachsenden Logistikkorridore der vergangenen Jahre. Für Reedereien, Häfen und Verlader wird die Lage zunehmend schwer kalkulierbar. Die bisherigen Zahlen deuten darauf hin, dass sich die Verschiebungen im globalen Frachtverkehr in den kommenden Monaten weiter verstärken könnten.
Auf der Importseite verzeichnete Nordamerika den stärksten Rückgang. Dort sanken die Mengen um 3,8 Prozent. Aus dem Fernen Osten kamen rund 130.000 TEU weniger Fracht in der Region an als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Die Ursachen reichen von Zolldruck bis zu einer breiteren wirtschaftlichen Unsicherheit, die zunehmend auf den amerikanischen Konsum und den Handel durchschlägt.
Afrika wächst am stärksten
Ein deutlich anderes Bild zeigt Subsahara-Afrika. Die Region entwickelt sich zu einem der am schnellsten wachsenden Handelsräume der Welt. Die Importe nach Subsahara-Afrika stiegen um fast 18 Prozent. Besonders stark legte die Handelsroute zwischen dem Fernen Osten und Afrika zu. Dort wurde ein Plus von mehr als einem Drittel erreicht.
Diese Entwicklung bestätigt die Verlagerung globaler Handelsströme hin zu neuen und rasch wachsenden Märkten. Während etablierte Routen durch geopolitische Risiken belastet werden, gewinnen alternative Absatz- und Umschlagsregionen an Gewicht. Afrika profitiert dabei von steigender Nachfrage, einer stärkeren Einbindung in globale Lieferketten und der wachsenden Bedeutung neuer Wachstumsmärkte.
Neue Routen werden länger und teurer
Parallel zu den Störungen steigen auch die Transportpreise. Der globale Preisindex für Transporte erhöhte sich im März um fünf Punkte und erreichte den Stand von 79. Reedereien suchen angesichts der Sicherheitsrisiken nach alternativen Routen. Dadurch verlängern sich die Transitzeiten, zugleich steigen die Kosten.
Zusätzliche Unsicherheit entsteht durch höhere Ölpreise, die die weltweite Nachfrage dämpfen können. Für Unternehmen bedeutet dies eine doppelte Belastung. Transporte werden teurer und langsamer, während zugleich das Risiko steigt, dass eine schwächere Nachfrage die Handelsmengen in wichtigen Märkten begrenzt. Nach Einschätzung von Container Trade Statistics hat die Golfkrise den weltweiten Containerverkehr allein im März um rund 840.000 TEU verringert. Da die Daten lediglich die ersten drei Wochen der Störungen erfassen, rechnet die Branche damit, dass die tatsächlichen Auswirkungen in den kommenden Monaten noch deutlicher sichtbar werden.
