Politik

Geheimdienstbericht: Versteckt sich Paranoider Putin wirklich in einem Bunker?

Wladimir Putin steht in Russland zunehmend für ein System, das Kontrolle, Abschottung und Misstrauen zum Machtprinzip erhebt. Wie tief hat sich die Angst im russischen Machtapparat bereits festgesetzt, und welche Folgen kann sie haben? Ein aktueller Geheimdienstbericht mit brisanten Enthüllungen
15.05.2026 17:27
Lesezeit: 4 min
Geheimdienstbericht: Versteckt sich Paranoider Putin wirklich in einem Bunker?
Berichte über verschärfte Sicherheitsmaßnahmen zeigen, wie Putins Angst vor Anschlägen und internen Rivalen den Machtapparat in Russland unter Druck setzt (Foto: dpa) Foto: Gavriil Grigorov/Kremlin Pool

Putin zieht sich aus Angst vor Angriffen zurück

Ein russisches Exilmedium in Lettland hat einen Bericht eines "europäischen Nachrichtendienstes" veröffentlicht, der zunehmende und extreme Sicherheitsmaßnahmen rund um den russischen Präsidenten beschreibt. Demnach hält sich Wladimir Putin in einem Bunker irgendwo in Russland auf, in einem Zustand, den der Bericht als paranoid beschreibt. Der russische Präsident fürchtet offenbar nicht nur äußere Feinde, sondern auch das eigene Machtumfeld. Nach Darstellung des Berichts hält er einen Drohnenangriff aus den Reihen der russischen politischen und militärischen Elite für möglich.

Putin soll zudem befürchten, nach einem schnellen Einsatz ausländischer Spezialkräfte entführt zu werden, ähnlich wie es dem früheren venezolanischen Präsidenten Nicolas Maduro widerfahren sein soll. Im schlimmsten Fall rechne er damit, so zu enden wie Irans Ajatollah Ali Khamenei, der durch einen präzisen Raketenangriff ausgelöscht worden sei. Fest steht, dass Putins tatsächlicher Geisteszustand außerhalb des innersten Kreises im Kreml ein Staatsgeheimnis bleibt. Die Darstellung ist daher mit Vorbehalt zu lesen. Sie beruht auf einem Bericht eines "europäischen Nachrichtendienstes", der dem russischen Exilmedium I Stories in Lettland zugespielt wurde.

Putin sucht Schutz in Bunkern

In dem Bericht heißt es, der Kreml und Putin seien seit Anfang März dieses Jahres wegen "eines Komplotts oder Putschversuchs gegen den russischen Präsidenten" besorgt. Putins größte Sorge bestehe demnach darin, dass Personen aus dem eigenen Machtapparat versuchen könnten, ihn mit einer Drohne zu töten.

Beschrieben wird auch, dass Putin und seine Familie sich nicht mehr an ihren üblichen Wohnsitzen in Moskau oder Waldai aufhalten. Stattdessen habe der Präsident seit Beginn des Krieges in der Ukraine häufig "Zuflucht in renovierten Bunkern gesucht, vor allem in der Region Krasnodar, wo er möglicherweise wochenlang arbeitet".

Russische Staatsmedien hätten die Abwesenheit des Präsidenten verdeckt, indem sie die "öffentliche Kommunikation mithilfe vorab aufgezeichneter Aufnahmen fortsetzen", heißt es weiter. Putin selbst trage niemals ein Mobiltelefon bei sich. Er wisse sehr genau, dass ein Handy den Aufenthaltsort seines Besitzers verraten könne.

Auch Personen, die eng mit Putin arbeiten, dürfen dem Bericht zufolge keine Mobiltelefone benutzen. Sie dürfen außerdem keine öffentlichen Verkehrsmittel nutzen, sondern werden vom Sicherheitsdienst FSO zur Arbeit und wieder nach Hause gefahren. Der FSO habe zudem Überwachungstechnik in den Wohnungen von Putins Köchen, Fotografen und Leibwächtern installiert.

Russland wird zu einem anderen Staat

Der Gründer des russischen Exilmediums, Roman Anin, zieht daraus eine weitreichende Schlussfolgerung. Russland sei auf dem Weg, "ein fundamental anderer Staat zu werden, in dem ein Machtkampf um die Kontrolle über die Silowiki, die russischen Nachrichten- und Sicherheitsdienste, bereits im Gange ist".

Anin sieht zwei mögliche Wege für Russland. Entweder gelinge es Putin, den Nachrichtendienst FSO und die russische Nationalgarde zu einer russischen Version der iranischen Revolutionsgarde umzubauen. Diese Organisation verfügt in Teheran über erheblichen politischen und militärischen Einfluss.

Ein solcher Schritt würde nach Anins Einschätzung eine noch stärker unterdrückte und isolierte Gesellschaft schaffen, als Russland es bereits heute ist. Oder das Land könne in einen Bürgerkrieg abrutschen, ähnlich wie im 16. Jahrhundert unter Zar Iwan dem Schrecklichen.

Damals versuchte der Herrscher, die Kontrolle über die Elite zu behalten und die autokratische Herrschaft zu stärken. Roman Anin hält beide Szenarien für gleich wahrscheinlich.

Neue Opritschnina im Sicherheitsapparat

"Putin weiß laut Roman Anin sehr gut, was ihn erwartet. Deshalb sieht man die wachsende Paranoia und die bisher beispiellose Isolation von der Öffentlichkeit", heißt es in der Darstellung.

Hintergrund dieser Entwicklung sind der Stillstand im Krieg gegen die Ukraine, wachsende wirtschaftliche und soziale Probleme sowie eine steigende Zahl erfolgreicher ukrainischer Drohnenangriffe auf Ölinfrastruktur tief im Inneren Russlands. Putin weiß laut Roman Anin sehr genau, was ihn erwartet.

Deshalb sehe man die "wachsende Paranoia, die bisher beispiellose Isolation von der Öffentlichkeit und von seinem eigenen inneren Kreis sowie den Versuch, eine neue Opritschnina zu schaffen". Gemeint ist die unterdrückende Innenpolitik unter Iwan dem Schrecklichen.

Diese neue Opritschnina entstehe demnach "in Form des föderalen Sicherheitsdienstes, ausgestattet mit unbegrenzten Zwangsbefugnissen". Damit werde der Sicherheitsapparat noch stärker zum zentralen Machtinstrument im russischen Staat.

Machtkampf in der Führung

Ein Machtkampf in der obersten Schicht direkt unter Putin scheint bereits im Gange zu sein. Die wachsende Angst und die Spannungen an der Spitze der russischen Machthierarchie gehen auch aus der Analyse des genannten europäischen Nachrichtendienstes hervor.

Darin wird auf zunehmende interne Konkurrenz verwiesen, unter anderem um den bestmöglichen persönlichen Schutz. Gerade innerhalb der Sicherheitsdienste scheint die Frage der eigenen Absicherung an Bedeutung zu gewinnen.

Besonders angefacht wurde die Angst nach dem Mord an Generalleutnant Fanil Sarwarow, der im vergangenen Jahr in Moskau durch eine Autobombe getötet wurde. Nach dem Anschlag kam es bei einem Treffen der verschiedenen russischen Sicherheits- und Nachrichtendienste zu wütenden gegenseitigen Vorwürfen.

Dabei ging es um mangelhafte Sicherheitsvorkehrungen, die den ukrainischen Angriff auf General Sarwarow hätten verhindern sollen. Zudem beklagten Vertreter der Dienste unzureichende Ressourcen für den persönlichen Schutz, wie es in dem Geheimdienstbericht heißt.

Mord mit Autobombe

"Selbst Russlands Militärblogger, die lange zu den enthusiastischsten Unterstützern des Krieges gehörten, beginnen den Glauben zu verlieren", sagt Christian Caryl, Kolumnist bei Foreign Policy.

Der Direktor des föderalen Sicherheitsdienstes, Alexander Bortnikow, verteidigte sich damals mit dem Hinweis, es sei "unmöglich, diese Art von Angriffen systematisch zu verhindern". Viktor Solotow, Chef der Nationalgarde, erklärte zugleich, er könne mit den vorhandenen Ressourcen keine Offiziere des Verteidigungsministeriums schützen.

Anschließend ordnete Putin an, dass insgesamt zehn hochrangige Offiziere verstärkten persönlichen Schutz erhalten sollten. Eine solche Sicherheitsregelung hatte zuvor nur Generalstabschef Waleri Gerassimow.

Neben dem Geheimdienstbericht verweist I Stories unter Berufung auf eigene Quellen in Moskau auf weitere indirekte Hinweise für Putins gestiegene Angst vor einem Komplott oder Putschversuch. Demnach könne der Nachrichtendienst FSB keine Genehmigungen für Abhörmaßnahmen in unpolitischen Strafsachen erhalten.

Putin verstärkt die Kontrolle

Der Grund sei, dass "die gesamte Ausrüstung umgeleitet wurde, um die Regierung und andere staatliche Organe zu überwachen". Das extreme Ausmaß von Putins Angst vor einem Mordversuch werde auch an einem weiteren Vorgang sichtbar.

In diesem Jahr habe "kein einziger Vertreter der Staatsduma eine Einladung zur Parade am Tag des Sieges auf dem Roten Platz erhalten", schreibt I Stories. Auch dies gilt dem Medium als Hinweis auf die verschärfte Abschottung des Präsidenten.

Christian Caryl, Autor bei Foreign Policy, sieht die Analyse des ungenannten Nachrichtendienstes im Zusammenhang mit Russlands Problemen im Krieg gegen die Ukraine. Russland schneide auf dem Schlachtfeld zunehmend schlecht ab.

"Selbst Russlands Militärblogger, die lange zu den enthusiastischsten Unterstützern des Krieges gehörten, beginnen den Glauben zu verlieren", schreibt Caryl. Er zitiert die Einschätzung, dass "nach und nach der Vorteil an unsere Feinde geht. Der Feind geht zum Gegenangriff über, und er hat damit Erfolg".

Militärblogger verlieren den Glauben

Andere Russen könnten sehr wohl dabei sein, zu derselben Schlussfolgerung zu gelangen, betont Christian Caryl. Die wachsende Angst im Machtapparat wäre damit nicht nur Ausdruck persönlicher Paranoia Putins. Sie wäre zugleich ein Hinweis auf eine tiefere Krise des russischen Systems. Je länger der Krieg andauert, desto stärker geraten die Machtstrukturen in Moskau offenbar unter Druck.

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