Visa baut globalen Technologie-Hub in Polen auf
Anfang April wurde am Immobilienmarkt die bislang größte Transaktion dieses Jahres abgeschlossen. Visa mietete 17.300 Quadratmeter im Bürogebäude The Bridge am Plac Europejski in Warschau, so das polnische Wirtschaftsmedium Puls Biznesu.14 Etagen sind selbst für ein Unternehmen viel, das u.a. in Polen rund tausend Menschen beschäftigt. Nun ist klar, weshalb der Kartengigant seine Bürofläche in Warschau vergrößert. Es ist Teil einer Investitionsoffensive in Europa.
Erst vor kurzem kündigte Visa an, binnen zehn Jahren 500 Millionen Euro auf dem Kontinent zu investieren. In Frankfurt entsteht ein neues Rechenzentrum für die Eurozone. Dort wird auch das europäische Kontrollzentrum angesiedelt. Das ist ein deutlicher Aufstieg für Frankfurt, dessen Bedeutung im Kreis jener Städte wächst, die mit London um Investitionen aus der Finanzbranche konkurrieren.
Die Standortwahl zeigt auch, welches Gewicht Visa dem deutschen Markt beimisst. Dort ist der Anteil von Barzahlungen weiterhin hoch. Im E-Commerce hat zugleich Paypal eine starke Position und ist in diesem Bereich ein gewichtiger Konkurrent für Kartensysteme sowie digitale Geldbörsen wie Apple Pay oder Google Pay.
Frankfurt wird europäisches Zentrum von Visa
Auf der Liste der wichtigsten Visa-Investitionen steht nun auch Warschau. Polen tauchte bereits vor einigen Jahren auf der Weltkarte wichtiger Standorte des Kartengiganten auf. 2023 begann in Warschau der Aufbau eines Technologie- und Produkt-Hubs. Ziel war zunächst eine Beschäftigung von 1.300 Personen. Die Rekrutierung läuft weiter und ist geografisch sehr breit angelegt. Bewerber aus aller Welt interessieren sich für den Visa-Hub. Derzeit arbeiten dort Vertreter von 41 Nationen.
Es dürften noch mehr werden, denn Visa kündigt weitere Investitionen in den Technologie- und Produkt-Hub an. Es handelt sich nicht um ein weiteres Shared-Service-Center, wie es in Polen viele gibt. Der Hub ist Teil des globalen Netzwerks von Forschungs- und Entwicklungszentren von Visa. Zwei befinden sich in Foster City und Austin in den USA, weitere in Bangalore in Indien und in Singapur. Warschau soll sich auf KI-Technologien, Cybersicherheit und Produkte spezialisieren, die die Widerstandsfähigkeit der Infrastruktur für digitale Zahlungen erhöhen.
Visa kündigt an, in dem Hub mehrere tausend Spezialisten einzustellen. Eine konkrete Zahl nennt das Unternehmen nicht. Wahrscheinlich wird es eine Einheit von vergleichbarer Größe wie der Google-Hub in Polen.
Polens Rolle in Mittelosteuropa wächst
Jakub Kiwior, Visa-Chef für Mittel- und Osteuropa, betont, dass die Investition die Position Polens in den Strukturen des Kartengiganten erheblich stärkt. In Warschau befindet sich der Sitz des Büros für den polnischen Markt sowie ein Unterstützungszentrum für lokale Vertretungen in Bulgarien, Kroatien, Tschechien, Polen, Rumänien, der Slowakei, Slowenien und Ungarn.
Visa Inc. ist ein globaler Konzern und eines der größten Unternehmen an der Wall Street. Seit 2015 ist Visa direkt in Europa tätig. Unter Nutzung eines Vorkaufsrechts kaufte der Konzern für 21,2 Milliarden Euro, davon 16 Milliarden Euro in bar, die Anteile an Visa Europe von europäischen Banken zurück. Visa Europe war zuvor als Kartenorganisation nach dem Prinzip einer Vereinigung tätig.
Mehrere Jahre dauerte die Konsolidierung dieser Übernahme. Nach der Pandemie begann Visa mit Investitionen in Europa, darunter auch in Polen. Historisch hatte das Unternehmen dort eine sehr starke Position mit Anteilen an Kartentransaktionen von bis zu 70 Prozent – ganz im Gegensatz zu Deutschland. Nach 2008 kämpfte Mastercard jedoch sehr offensiv um den Markt und war vor einigen Jahren nahe daran, Parität zu erreichen. Seit drei Jahren zieht Visa wieder davon. Aus Daten der polnischen Zentralbank NBP zum Ende des Jahres 2025 geht hervor, dass der Marktanteil von Visa auf 58,9 Prozent gestiegen ist.
