Finanzen

Deutsche Bank-Analyse: S&P 500 wird zur Milliardenfalle für sorglose Anleger

Der S&P 500 rennt von Rekord zu Rekord, doch ausgerechnet die Deutsche Bank sieht darin ein Warnsignal. Der rasante Anstieg erinnert an seltene Börsenphasen, darunter die Monate vor dem Crash von 1987. Für Anleger mit US-Tech-Gewichtung wird die Rally damit zum Test, ob sie noch von Stärke profitieren oder bereits zu viel Risiko im Depot tragen.
05.06.2026 18:00
Lesezeit: 3 min

S&P 500: Rally erinnert an historische Warnsignale

Der S&P 500 hat einen der stärksten zweimonatigen Anstiege seiner Geschichte hingelegt. Der Index trotzte Sorgen rund um künstliche Intelligenz, geopolitischen Risiken durch den Iran-Krieg und der Unsicherheit über die weitere Zinspolitik. Nach Einschätzung eines Analysten der Deutschen Bank erinnert das aktuelle Tempo an die Phase vor dem Börsencrash von 1987. Das berichten unsere Kollegen von Äripäev.

Trotz mehrerer Belastungsfaktoren ist der S&P 500 seit seinem Tief Ende März dieses Jahres um mehr als 16 Prozent gestiegen. Für viele Anleger wirkt die Entwicklung zunächst wie ein Zeichen robuster Marktbreite und hoher Risikobereitschaft. Doch genau dieses Tempo macht Strategen vorsichtig.

"Das ist ein historisches Tempo", sagte Jim Reid, globaler Leiter für Makro- und Themenanalysen bei der Deutschen Bank, in einem Kommentar gegenüber MarketWatch. "Seit dem Zweiten Weltkrieg gab es nur vier weitere Male, in denen der S&P 500 innerhalb von zwei Monaten ebenso schnell gestiegen ist." Reid verwies darauf, dass drei dieser früheren Fälle auf Rezessionen folgten. Damals erholte sich der Aktienmarkt nach schweren wirtschaftlichen Einschnitten. Das galt für die Phase nach dem Ölpreisschock der 1970er-Jahre, nach der Finanzkrise von 2008 und nach dem Einbruch zu Beginn der Corona-Pandemie.

Börsencrash 1987: Der riskante Ausnahmefall

Der vierte historische Vergleich ist aus Sicht der Deutschen Bank besonders heikel. Er folgte nicht auf eine Rezession, sondern spielte sich kurz vor dem Börsencrash am "Schwarzen Montag" im Jahr 1987 ab. "Seit dem Zweiten Weltkrieg ist der S&P 500, wenn man die Phasen nach Rezessionen ausklammert, nur einmal ebenso schnell gestiegen. Das war wenige Monate vor einem großen Marktcrash", sagte Reid.

Vor dem Crash von 1987 hatte der S&P 500 bis Ende August seit Jahresbeginn um rund 39 Prozent zugelegt. Nach Reids Einschätzung warf diese Entwicklung damals zunehmend Fragen zur Bewertung von Aktien auf. Genau darin liegt auch heute ein Teil der Nervosität.

Der Vergleich bedeutet nicht, dass sich die Geschichte zwangsläufig wiederholt. Er zeigt jedoch, dass außergewöhnlich schnelle Kursgewinne außerhalb klassischer Erholungsphasen ein Warnsignal sein können. Wenn Bewertungen stark steigen, während Konjunktur- und geopolitische Risiken bestehen bleiben, nimmt die Anfälligkeit des Marktes zu.

Tech-Aktien treiben den S&P 500 und erhöhen das Klumpenrisiko

Der S&P 500 hat seit Jahresbeginn insgesamt etwas mehr als elf Prozent gewonnen. Nach Angaben von MarketWatch trägt vor allem der Technologiesektor die Rally. Besonders Werte aus dem Umfeld von künstlicher Intelligenz und Software haben die Aufwärtsbewegung geprägt. Für Anleger entsteht dadurch ein doppeltes Bild. Einerseits stärken starke Tech-Gewinne den Index und nähren die Hoffnung auf Produktivitätsschübe durch KI-Anwendungen. Andererseits konzentriert sich die Rally zunehmend auf wenige große Unternehmen. Je stärker einzelne Sektoren den Markt dominieren, desto größer wird das Risiko einer abrupten Korrektur, falls Erwartungen enttäuscht werden.

Die Deutsche Bank warnt damit nicht vor einem sicheren Crash, sondern vor einer gefährlichen historischen Konstellation. Der S&P 500 steigt in einem Tempo, das in der Vergangenheit nur selten erreicht wurde. In den meisten Fällen folgte dieses Muster auf eine Rezession. Ohne eine solche Ausgangslage bleibt der Vergleich mit 1987 besonders auffällig.

Für deutsche Anleger ist diese Entwicklung direkt relevant. Viele Fonds, ETFs und private Depots sind stark im US-Aktienmarkt investiert. Wer breit gestreute Weltindizes hält, besitzt meist automatisch ein hohes Gewicht im S&P 500 und in großen US-Technologiewerten. Ein Rückschlag an der Wall Street würde daher auch deutsche Portfolios treffen. Zugleich bleibt der US-Markt für deutsche Unternehmen wichtig, etwa für Exportkonzerne, Zulieferer, Softwareanbieter und Maschinenbauer. Eine abrupte Korrektur bei US-Tech-Aktien könnte die Risikobereitschaft weltweit dämpfen.

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