Politik

Bürgerkrieg in Belfast: Tödliche Messerattacken erschüttert das Vereinigte Königreich

Ein sudanesischer Asylbewerber hat in Belfast einen Mann niedergestochen. Daraufhin kommt es zu schweren Ausschreitungen. Der erneute tödliche Angriff befeuert die Debatte über die britische Migrationspolitik, nach dem Tod des 18-jährigen britischen Studenten Henry Nowak, der Opfer wegen falscher Rassismus-Vorwürfe der Polizei wurde.
10.06.2026 19:43
Aktualisiert: 10.06.2026 22:50
Lesezeit: 3 min
Bürgerkrieg in Belfast: Tödliche Messerattacken erschüttert das Vereinigte Königreich
Bürgerkriegsähnliche Zustände in Belfast nach brutaler Messerattacke durch Sudanesen. (Foto: dpa) Foto: Pa

Nach brutaler Messerattacke durch Sudanesen: Krawalle in Belfast erschüttern das Vereinigte Königreich

In Brand gesteckte Autos und Häuser, Wurfgeschosse und islamfeindliche Parolen: Der Anlass ein brutaler Messerangriff mit einem Schwerverletzten am Vorabend, für den ein Flüchtling aus dem Sudan wegen versuchten Mordes angeklagt wurde.

Ein Video zeigt auf Social Media ungefiltert den brutalen Angriff, bei dem der Mann schwer an Rücken, Gesicht und Augen verletzt wurde. Darin ist zu sehen, wie der sudanesische Angreifer mit einem Messer auf einem blutüberströmten Mann sitzt und diesen mit einem Messer am Hals traktiert. Nach einer Weile wagen sich mehrere Männer in die Nähe und versuchen, den Angreifer von seinem Opfer zu trennen.

Die zu meist jungen Demonstranten zog nach der Straftat durch die Stadt und setzten mehrere Fahrzeuge in Brand. Auch Geschäfte wurden beschädigt. Auf der Fassade einer Imbissbude prangert ein Schriftzug, immer wieder sollen die Randalierer «Ausländer raus!» skandiert haben. Zwei Beamte sind laut Polizei verletzt worden. Es kam bereits zu vereinzelten Festnahmen und Anklagen.

Damit kommt es nur wenige Tage nach dem Mord an dem Studenten Henry Nowak in Großbritannien erneut zu Aufständen der einheimischen Bevölkerung. Die Sorge vor noch mehr tödlichen Übergriffen durch Migranten wächst.

Karmer verurteilt Bevölkerung nicht den Täter

Der britische Premierminister Keir Starmer verurteilte die Krawalle seitens der Bevölkerung aufs Schärfste. «Die Szenen in Belfast letzte Nacht waren schockierend und völlig inakzeptabel», schrieb er in einem X-Beitrag. Menschen seien wegen ihrer Herkunft ins Visier genommen worden, «und das werde ich nicht tolerieren», versprach er.

Die nordirische Regierungschefin, Michelle O'Neill, sprach auf X von «widerwärtiger Feigheit», bei der maskierte Männer Familien aus ihren Häusern vertrieben hätten.

Britische Polizei nach folgenschwerem Fehler unter Druck

Erst in der vergangenen Woche kam es in der südenglischen Stadt Southampton zu Demonstrationen. Auslöser war die Veröffentlichung von Bodycam-Aufnahmen, die einen extremen Polizeifehler nach der tödlichen Messerattacke eines Manns aus der Sikh-Gemeinschaft auf den Studenten Henry Nowak zeigten.

Der Fall des 18-jährigen Studenten Henry Nowak bewegt die Briten. Er verblutete durch Messerstiche verletzt, weil die Polizei offenbar seine Verletzungen nicht erkannte und ihn zunächst als mutmaßlichen Angreifer in Handschellen legte.

Nowak war im Dezember vergangenen Jahres in Southampton nach einer Partynacht auf dem Heimweg, als er von einem Mann mit fünf Messerstichen auf offener Straße verletzt wurde. Als die Polizei am Tatort eintraf, verwechselte sie Täter und Opfer, denn der Täter, der ein rituelles Sikh-Messer bei sich hatte, behauptete, von Nowak rassistisch angegriffen worden zu sein, er habe in Notwehr gehandelt.

Opfer von Messergewalt: Der Tod von Henry Nowak bewegt Großbritannien

Die Polizei legte dem Studenten Handschellen an und erkannte nicht, wie schwer er blutete, obwohl er wiederholt auf seine Verletzung hinwies und um Hilfe bat. Nowak wurde bewusstlos und starb.

In einem vor Gericht gezeigten Bodycam-Video ist zu sehen, wie Nowak nach dem Angriff am Boden liegend stirbt - während die Polizisten ihm nicht helfen, sondern ihm stattdessen Handschellen angelegt haben. Dabei ruft der Student mehrmals "I can't breathe" ("Ich kann nicht atmen").

US-Vizepräsident JD Vance hat den Umgang Großbritanniens verurteilt – und damit Kritik der britischen Regierung ausgelöst. "Henry Nowak starb auf dieselbe Weise, wie eine Zivilisation stirbt: verlassen, von Behörden in Handschellen gelegt, die ihm weder vertrauten noch sich um ihn kümmerten, und beschuldigt von Hassverbrechen, die er nicht begangen hat."

Elon Musk schaltet sich ein

Auf seiner Plattform X schaltete sich auch Elon Musk ein und schrieb: "Unfassbar. Ich bin gerne bereit, eine Klage wegen widerrechtlicher Tötung gegen diese widerlichen Ausgeburten von Strafverfolgern zu finanzieren."

Digwa, der Täter in Belfast, benutzte für den tödlichen Angriff ein "extrem großes Shastar". Es handelte sich dabei um ein Dolch-ähnliches Messer mit einer etwa 21 Zentimeter langen Klinge. Shastar ist Punjabisch, eine Sprache, die im Grenzraum Indiens und Pakistans gesprochen wird, und bedeutet so viel wie Waffe. Nach den ersten Stichen versuchte der Student zu fliehen. Eine Blutspur habe davon gezeugt, dass er sogar versuchte, über einen Zaun zu klettern. Doch der 23-Jährige "verfolgte ihn aggressiv", so der Staatsanwalt. Digwa habe den Fluchtversuch des Opfers gefilmt - und wie dieses sagte, dass es sterben werde.

Nachdem Digwa vergangene Woche vor einem Gericht in Southampton des Mordes für schuldig befunden worden war und das Verfahren es zuließ, entschuldigte sich die Polizei öffentlich für den Vorfall. Die Beamten seien am Tatort und bereits im davor erfolgten Notruf "belogen" worden.

Er bedauere zutiefst was passiert sei, sagte der stellvertretende Polizeichef Robert France, die Beamten hätten zunächst die Lage falsch eingeschätzt. Man habe die Angelegenheit selbst an die unabhängige Beschwerdestelle IOPC weitergeleitet, die den Vorgang nun untersucht.

Der britische Premierminister Keir Starmer erklärte, es gebe "ernsthafte Fragen" zu beantworten - darunter auch, wie "Rassismusvorwürfe die Entscheidungsfindung in jenem konkreten Fall beeinflusst oder in diese eingeflossen sind". Mit Bezug auf die Bodycam-Aufnahmen sagte er zu Reportern: "Es ist unmöglich, sich diese Aufnahmen anzusehen und dabei nicht zu erkennen, dass diese Fragen unbedingt beantwortet werden müssen."

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen US-Märkte im Überblick: Wall Street stürzt wegen Inflationshoch ab
10.06.2026

Turbulenzen an den US-Börsen: Erfahren Sie, welche Faktoren die Anleger in Alarmbereitschaft versetzen und warum nicht alle Aktien dem...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Insolvente Perlon-Gruppe: Deutscher Weltmarktführer geht an China
10.06.2026

Die deutsche Chemie ist in einer schwierigen Lage, geplagt von hohen Kosten, schwachem Weltmarkt und chinesischer Konkurrenz. Ein...

DWN
Politik
Politik Bürgerkrieg in Belfast: Tödliche Messerattacken erschüttert das Vereinigte Königreich
10.06.2026

Ein sudanesischer Asylbewerber hat in Belfast einen Mann niedergestochen. Daraufhin kommt es zu schweren Ausschreitungen. Der erneute...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Personalabbau bei Chemieriese Evonik: 1.850 Arbeitsplätze fallen weg
10.06.2026

Deutschlands Industrie baut weiter ab: Der Essener Chemiekonzern Evonik streicht 1.850 Stellen bis Ende 2026. Die Krise der deutschen...

DWN
Politik
Politik Infrastruktur-Sondertopf: Investitionen laufen nur schleppend an
10.06.2026

Mit einem 500 Milliarden Euro schweren Sondertopf will die Bundesregierung den jahrelangen Investitionsstau in der deutschen Infrastruktur...

DWN
Finanzen
Finanzen Tagesgeldzinsen: Sparkassen und Volksbanken zahlen zu wenig Zinsen für Tagesgeld
10.06.2026

Sparer erhalten bei Sparkassen und Volksbanken oft deutlich weniger Zinsen als bei überregionalen Banken, zeigt eine Analyse des...

DWN
Politik
Politik FDP-Chef Kubicki rechnet mit Merz ab: “Erwartungsmanagement ist unterirdisch“
10.06.2026

In der ARD-Sendung Maischberger warf Kubicki dem CDU-Chef vor, "unglaublich schlecht" zu kommunizieren. Seine Kritik fällt deutlich aus...

DWN
Politik
Politik Energiewende auf der Kippe? Koalition in schwierigen Verhandlungen über Energiepaket
10.06.2026

Bei einem Energiekongress in Berlin geht es um strittige Vorhaben der Koalition. Die Fraktionschefs von SPD und Union setzen...