Finanzen

Investieren für Kinder: Diese Entscheidungen können teuer werden

Beim Ansparen für ein Kind hängt das Ergebnis nicht allein von der Rendite der Anlage ab. Es ist ebenso wichtig, auf wessen Namen das Vermögen angesammelt wird, wie es besteuert wird und wann es dem Kind zur Verfügung steht. Im folgenden erfahren Sie, wie Sie beim Investieren für Kinder drei teure Fehler vermeiden können.
15.07.2026 12:23
Lesezeit: 9 min
Investieren für Kinder: Diese Entscheidungen können teuer werden
Einer der größten Fehler ist es, in das Kind zu investieren, bevor die eigene finanzielle Situation in Ordnung ist. (Foto: dpa) Foto: Patrick Seeger

Investieren für Kinder beginnt bei den Eltern

Immer mehr Eltern wollen die Zukunft ihrer Kinder durch Investitionen absichern. Oft beginnen sie dabei jedoch am falschen Ende. Bevor Geld für ein Kind angelegt wird, sollten zuerst die eigenen Finanzen überprüft werden. Der größte Wert für ein Kind ist nämlich die finanzielle Sicherheit der Eltern, sagte die Investorin und Finanzbildungsförderin Kristi Saare in der Äripäev-Radiosendung „Kuuma tooli“.

„Das größte Geschenk ist, dass deine eigenen Angelegenheiten so geordnet sind, dass dein Kind dich später nicht unterstützen muss“, sagte Saare.

Beim Investieren für ein Kind entscheidet also nicht nur die Rendite. Ebenso wichtig ist, auf wessen Namen das Vermögen aufgebaut wird, wie es besteuert wird und wann es dem Kind zur Verfügung steht.

Die zentrale Frage lautet, auf wessen Namen gespart wird

Beim Investieren für Kinder muss nach Saare gleich zu Beginn eine wichtige Entscheidung getroffen werden. Soll das Vermögen auf den Namen des Kindes oder auf den Namen des Elternteils aufgebaut werden? Auf den ersten Blick erscheint es logisch, ein Investmentkonto für das Kind zu eröffnen, da das angesparte Vermögen dann ihm gehört. In der Praxis bringt diese Wahl jedoch mehrere rechtliche Einschränkungen mit sich.

Viele Eltern liegen schwer daneben, wenn sie das Konto des Kindes als ihr eigenes Eigentum betrachten. Wenn ein Elternteil Geld investiert, das er selbst dem Kind gegeben hat, entsteht laut Saare kein Problem. Ganz anders sieht es aus, wenn Geld investiert wird, das das Kind etwa als Geburtstagsgeschenk von den Großeltern oder als Erbe erhalten hat. In diesem Fall kann der Elternteil das Geld nicht frei investieren.

„Sehr viele Menschen wissen das nicht“, stellte Saare fest. Nach dem Familienrecht kann für solche Geschäfte eine gerichtliche Erlaubnis erforderlich sein, da es sich um Vermögen des Kindes handelt, das der Elternteil sorgfältig verwalten muss. Das Vermögen auf den Namen des Kindes hat zugleich einen wichtigen Vorteil. Wenn ein Elternteil in Schulden gerät oder ihm etwas zustößt, gehört das Vermögen des Kindes nicht den Gläubigern. Das Geld bleibt dem Kind erhalten.

Investieren für Kinder: Das Risiko beginnt mit der Volljährigkeit

Der größte Nachteil des Investierens auf den Namen des Kindes zeigt sich, wenn das Kind volljährig wird. Wenn über Jahre Kindergeld, Geburtstagsgeld und andere Ersparnisse investiert wurden, kann der Wert des Kontos mehrere zehntausend Euro erreichen. Mit 18 Jahren geht das gesamte Vermögen automatisch in die Verfügung des Kindes über. Zu diesem Zeitpunkt besucht ein junger Mensch oft noch die Schule und ist möglicherweise nicht bereit, über mehrere zehntausend Euro zu entscheiden.

„Sie müssen sehr sicher sein, dass Sie Ihrem Kind alle nötige Finanzbildung mitgegeben haben“, betonte Saare.

Nach ihren Angaben gab es Fälle, in denen junge Menschen eine große Summe erhielten, sie aber nicht sinnvoll nutzen konnten. „Eine ordentliche Party oder ein Passat, kurz gesagt, es können allerlei Ideen entstehen“, nannte Saare anschauliche Beispiele. Deshalb müsse ein Elternteil bereits beim Beginn des Investierens überlegen, ob das eigene Kind mit 18 Jahren bereit ist, eine solche Verantwortung zu übernehmen.

Das Elternportfolio bietet mehr Kontrolle

Viele Eltern bevorzugen deshalb, Geld für das Kind im eigenen Investmentportfolio aufzubauen. Das schafft deutlich mehr Flexibilität. Der Elternteil kann selbst entscheiden, wann und wofür das Geld verwendet wird.

So kann Unterstützung dann gegeben werden, wenn sie dem Kind tatsächlich am meisten hilft. Nach Einschätzung von Saare hat Unterstützung die größte Wirkung, wenn sie einem jungen Menschen den Start ins selbstständige Leben erleichtert, etwa durch die Finanzierung eines Studiums, durch weniger Arbeitsdruck neben dem Lernen oder durch Hilfe beim Kauf der ersten Wohnung. „Sehr viele Eltern denken bewusst darüber nach, wie sie ihre Kinder gerade in ihren Zwanzigern und Dreißigern unterstützen können“, sagte sie.

In diesem Fall muss der Elternteil das angesparte Portfolio nicht zwingend auf einmal auflösen. Unterstützung kann bei Bedarf in Teilen erfolgen, während die Investitionen weiter wachsen. Zudem eröffnet ein größeres Portfolio mehr Anlagemöglichkeiten. Bei kleinen Summen können Transaktionskosten einen erheblichen Teil der Investition ausmachen. Manche Instrumente, etwa baltische Anleihen, lassen sich mit einem kleinen Portfolio gar nicht sinnvoll erwerben.

Gleichzeitig geht dabei beim Kind das Gefühl verloren, dass es sich um sein eigenes Geld handelt. Wenn die Investitionen ausschließlich auf dem Konto des Elternteils liegen, kann das Kind sein Vermögen schwerer verfolgen. Auch das Interesse am Investieren entsteht dann langsamer.

Steuern zählen beim Investieren für Kinder mit

Auf wessen Namen investiert wird, beeinflusst direkt auch die Besteuerung. Wenn die Investitionen auf den Namen des Kindes erfolgen, kann laut Saare entweder das normale Besteuerungssystem für Wertpapiere oder ein Investmentkonto genutzt werden. Der Vorteil des Investmentkontos liegt im Aufschub der Einkommensteuer. Damit ist jedoch die Pflicht verbunden, für das Kind jedes Jahr eine Steuererklärung abzugeben, bis es volljährig wird. Nach Saare wird diese Pflicht häufig vergessen. Wenn die Erklärung für das Investmentkonto nicht eingereicht wurde, kann sie noch bis zu drei Jahre rückwirkend korrigiert werden.

Bleiben die Investitionen auf den Namen des Elternteils, entsteht beim Schenken von Geld an das Kind keine Steuerpflicht. Ein Problem kann jedoch entstehen, wenn dem Kind statt Geld Wertpapiere geschenkt werden sollen. In diesem Fall geht das Wertpapier zwar in das Eigentum des Kindes über. Für das Kind gilt der Anschaffungswert jedoch als null Euro. Verkauft das Kind die Wertpapiere später, kann der gesamte Verkaufserlös als steuerpflichtiges Einkommen gelten.

„Dieses Steuerelement kann trotzdem Tausende Euro bedeuten“, warnte Saare.

Nach ihrer Einschätzung sollte das Portfolio für Kinder möglichst einfach gehalten werden. Ausschüttungsfreie Indexfonds sind aus steuerlicher Sicht deutlich einfacher als Einzelaktien, bei denen Dividenden, Aktiensplits oder andere Unternehmensereignisse zusätzliche Steuerfragen auslösen können. „In der Einfachheit liegt hier der Reiz“, fasste Saare zusammen.

Auch Erbschaftsfragen gehören bei der Geldanlage für Kinder dazu

Beim Investieren für Kinder sollte auch bedacht werden, was mit dem angesparten Vermögen geschieht, wenn dem Elternteil etwas zustößt. Nach Saare konzentrieren sich Eltern meist darauf, wie sie Geld ansparen. Deutlich seltener denken sie darüber nach, wie dieses Vermögen im Bedarfsfall als Erbe weitergegeben wird.

Wenn die Investitionen auf den Namen des Kindes laufen, gehören sie ohnehin dem Kind. Mögliche Schulden des Elternteils berühren sie nicht. Wenn das Vermögen jedoch im Portfolio des Elternteils aufgebaut wurde, geht es im Rahmen des Erbverfahrens an die Erben über. Die Verwaltung kann dann kompliziert werden, besonders wenn das Portfolio unterschiedliche Anlageklassen enthält. „Diese Hinweise sollten irgendwo aufgeschrieben sein oder jemandem bekannt sein, wie dieses Portfolio dann weiter verwaltet werden soll“, empfahl Saare.

Nach ihren Angaben wissen Erben mitunter nicht, bei welchen Banken oder Investmentplattformen Vermögen liegt, welche Anlagestrategie verfolgt wurde oder ob das Portfolio neben Aktien auch Beteiligungen an Start-ups, Kryptowerte oder Immobilieninvestitionen enthält. Gehen Investitionen an ein minderjähriges Kind, muss dessen Vermögen von einem Vormund verwaltet werden. Auch dann ist zu beachten, dass für bestimmte Geschäfte eine gerichtliche Zustimmung erforderlich sein kann. Deshalb sollte ein investierender Elternteil frühzeitig überlegen, ob das Portfolio einfach genug ist und ob Angehörige über die nötigen Informationen zur Verwaltung verfügen.

Drei häufige Fehler beim Investieren für Kinder

Der erste Fehler besteht darin, mit dem Investieren zu beginnen, bevor die eigenen Finanzen geordnet sind. Der Wunsch, die Zukunft des Kindes abzusichern, ist verständlich. Nach Saare ist die finanzielle Stabilität der Eltern für das Kind jedoch noch wichtiger.

Der zweite häufige Fehler bei der Geldanlage für Kinder ist der Aufbau eines zu komplizierten Portfolios. Bei kleinen Beträgen werden oft viele verschiedene Fonds und Aktien gekauft, ohne klares Ziel oder Strategie. Je komplizierter das Portfolio ist, desto schwerer lässt es sich später verwalten und dem Kind erklären.

Investieren für Kinder: 3 Fehler, die Sie unbedingt vermeiden sollten

  1. Bringen Sie als Elternteil zunächst Ihre eigenen Finanzen in Ordnung
  2. Bauen Sie Ihrem Kind kein kompliziertes Portfolio auf, das es später nur schwer verwalten kann
  3. Sprechen Sie mit Ihrem Kind über den Umgang mit Geld und über Investitionen, bevor es mit 18 automatisch zum Portfolioinhaber wird

Der dritte Fehler besteht darin, nicht rechtzeitig zu überlegen, wie und wann mit dem Kind über Investieren gesprochen wird. „Wenn dein Kind irgendwann eine Bankkarte bekommt, sich in die Bank einloggen kann und sieht, dass da irgendwelche Dinge auf seinen Namen laufen, dann ist es zu spät, mit Finanzbildung zu beginnen“, beschrieb Saare ein verbreitetes Versäumnis.

Gleichzeitig räumte Saare ein, dass auch eine solche Entdeckung eine Gelegenheit zur Korrektur sein könne. Dann könne man gemeinsam mit dem Kind Bücher über Finanzbildung lesen und anfangen, über Investieren zu sprechen. „Besser spät als nie“, sagte Saare.

Finanzbildung beginnt zu Hause

Nach Saare entsteht Finanzbildung nicht durch ein Investmentkonto, sondern durch alltägliche Gespräche. Kindern kann früh erklärt werden, weshalb nicht jeder Kauf sofort getätigt wird, wie eine Familie größere finanzielle Entscheidungen trifft und warum vor dem Ausgeben überlegt werden muss, ob ein Kauf wirklich nötig ist.

Aus ihrer Sicht sollte nicht einfach gesagt werden, dass „kein Geld da ist“. Stattdessen könne man dem Kind erklären, weshalb ein bestimmter Kauf nicht zu den Prioritäten der Familie passt oder weshalb es sich lohnt, vor einer größeren Ausgabe etwas zu warten. „Es ist ein fortlaufendes Gespräch darüber, was uns wichtig ist“, sagte Saare. „Du gewöhnst dem Kind an, dass es normal ist, darüber nachzudenken, wofür man Geld ausgibt und ob dieser Konsum sinnvoll ist.“

Dasselbe gilt laut Saare auch für Taschengeld. Ein Kind sollte kleinere Fehler machen dürfen, solange deren Preis noch gering ist.

„Es ist besser, als Kind mit Taschengeld zu lernen, dass Geld weg ist, wenn ich es ausgebe, als das erst beim ersten Gehalt zu verstehen“, sagte Saare.

Neben dem Investieren für Kinder ging es in der Sendung auch um Höhe und Zweck von Taschengeld, um die Frage, ob Hausarbeiten oder gute Noten bezahlt werden sollten, um Gespräche über Ausgaben in digitalen Umgebungen, um „Eiscreme-Mathematik“ als Hilfe beim Vermitteln von Finanzbildung und darum, weshalb die erste Arbeitserfahrung eines jungen Menschen genauso wichtig sein kann wie die ersten Investitionen.

Für Deutschland ist das Thema besonders relevant, da immer mehr Familien über ETF-Sparpläne, Kinderdepots und langfristigen Vermögensaufbau nachdenken. Entscheidend ist nicht allein, früh zu investieren, sondern die rechtlichen, steuerlichen und pädagogischen Folgen mitzudenken. Wer Kinder finanziell stärken will, braucht daher nicht nur Rendite, sondern klare Regeln, einfache Strukturen und frühzeitige Gespräche über Geld.

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Jana Saarkoppel

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Jana Saarkoppel schreibt als Redakteur für das estnische Portal Äripäev, einem Partnerunternehmen der DWN im Bonnier-Verlag, mit dem wir uns regelmäßig austauschen.

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