Finanzen

SpaceX-Aktie: Nobelpreisträger Krugman kritisiert hohe Bewertung – Musk sei ein „menschliches Ponzi-Schema“

Der Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften Paul Krugman kritisiert scharf die Bewertung von SpaceX, die nach dem Börsengang (IPO) mehr als 2,1 Billionen US-Dollar erreicht hatte. Die Begeisterung der Anleger beruhe eher auf dem Ruf von Elon Musk als auf den Finanzergebnissen des Unternehmens. Was heißt das nun für die SpaceX-Aktie?
21.06.2026 17:31
Lesezeit: 7 min
SpaceX-Aktie: Nobelpreisträger Krugman kritisiert hohe Bewertung – Musk sei ein „menschliches Ponzi-Schema“
Paul Krugman, Nobelpreisträger für Wirtschaft. (Foto: dpa) Foto: epa Barth

SpaceX-Aktie: Ökonom Paul Krugman greift SpaceX-Bewertung scharf an

Der Ökonom erklärte, die aktuelle Situation erinnere an einen Kurszyklus, der vom Glauben der Investoren getragen werde. Elon Musk selbst bezeichnete er als „menschliche Ponzi-Schema“. Am Freitag absolvierte SpaceX eines der auffälligsten Börsendebüts der Geschichte, so das Finanzportal Verslo Zinios. Die Aktie legte am ersten Handelstag um 19 Prozent zu. Der Marktwert stieg auf rund 2,1 Billionen Dollar.

Damit wurde SpaceX zum sechstwertvollsten börsennotierten Unternehmen der USA. Zugleich trug der Börsengang dazu bei, dass Musk zum ersten Billionär wurde.

Krugman zweifelt am Geschäftsmodell

In einem Interview mit der Sendung „MS Now“ sagte Krugman, er verstehe nicht, wie ein Unternehmen, das aus seiner Sicht ein „mittelgroßes Geschäft mit Satellitenstarts“ sei, fast so viel wert sein könne wie der Technologieriese Microsoft. „Stellen Sie sich vor, Elon Musk hätte eine spirituelle Erleuchtung und würde sich in ein Kloster zurückziehen. Was bliebe dann übrig? Was ist SpaceX? Es ist ein mittelgroßes Unternehmen für Satellitenstarts. Ein durchaus gutes Geschäft, aber kein gigantisches Geschäft“, sagte der Ökonom.

Er wies auch das Argument zurück, frühere Erfolge Musks könnten die aktuelle Bewertung des Unternehmens rechtfertigen. „Tatsächlich verspricht er seit 15 Jahren erstaunliche Dinge, die hätten passieren sollen, aber nie passiert sind“, sagte Krugman. Am selben Tag schrieb der Ökonom auf seiner Substack-Seite, viele von Musk vorgestellte Projekte seien nicht so umgesetzt worden, wie der Unternehmer es versprochen habe. Dazu zählt Krugman Hyperloop, Marskolonien und vollständig autonome Robotaxis.

Gleichzeitig räumte er ein, dass Musks Unternehmen auch bedeutende Ergebnisse erzielt hätten. Dazu gehörten die Entwicklung von Elektroautos durch Tesla und das Satelliteninternet-Netz Starlink.

Indexaufnahme erhöht Nachfrage nach SpaceX-Aktien

Krugman kritisierte außerdem Entscheidungen, SpaceX schnell in einige wichtige Aktienindizes aufzunehmen. Dadurch steige die Nachfrage nach der Aktie automatisch, da Anleger in Indexfonds Aktien von Unternehmen kaufen müssen, die in den entsprechenden Indizes enthalten sind. „Das ist ein manipuliertes System. Entschuldigung, aber genau so sieht echte Manipulation aus. Das gesamte System wurde so umgebaut, dass diese absurde Bewertung entsteht“, sagte der Ökonom.

In seinem Kommentar argumentierte Krugman, ein großer Teil der Investoren kaufe SpaceX-Aktien nicht wegen der aktuellen operativen Ergebnisse des Unternehmens. Entscheidend sei vielmehr der Glaube an Musks Fähigkeit, Zukunftstechnologien zu schaffen. Nach Krugmans Einschätzung ist genau dieses Vertrauen der zentrale Faktor hinter dem Wertzuwachs von Musks Unternehmensimperium.

Zu berücksichtigen ist allerdings auch der politische Kontext. Krugman, der 2008 den Nobelpreis für seine Forschung zu Handelsmustern und ökonomischer Geografie erhielt, ist seit Jahren politischer Kommentator und wird öffentlich mit der Demokratischen Partei in Verbindung gebracht. Musk wiederum pflegt enge Beziehungen zu US-Präsident Donald Trump, der die Republikaner vertritt.

Analysten bewerten SpaceX-Aktie unterschiedlich

Trotz der Kritik stieß der SpaceX-Börsengang auf enorme Nachfrage. Das Unternehmen nahm bei der Aktienplatzierung 75 Milliarden Dollar ein. Nach Bloomberg-Daten überstieg die Nachfrage das angebotene Aktienvolumen um mehr als das Vierfache. Allein Privatanleger platzierten Kaufaufträge im Wert von mehr als 100 Milliarden Dollar. Kim Forrest, Chefanlagestrategin der Investmentgesellschaft Bokeh Capital Partners, sagte, Investoren ziehe die Möglichkeit an, an der technologischen Zukunft teilzuhaben. „Das ist vermutlich der hoffnungsvollste IPO“, sagte sie.

Skeptiker gibt es dennoch reichlich. Der Shortseller James Chanos bezeichnete SpaceX als „IPO der Hoffnungen und Träume“. Das aktuelle Interesse werde aus seiner Sicht stärker von Musks Persönlichkeit und dem KI-Hype getragen als von realen Finanzkennzahlen. „Sie können jede beliebige Geschichte erzählen, Marskolonien, Fabriken auf dem Mond, Rechenzentren im All, um eine solche Bewertung zu rechtfertigen“, sagte Chanos.

SpaceX-Aktie: Musks Börsenimperium verändert sich

Der IPO wurde auch zu einem bedeutenden Wendepunkt innerhalb von Musks Unternehmensimperium. Bislang war Tesla sein wichtigstes börsennotiertes Unternehmen. Nach dem Debüt von SpaceX erhielten Investoren erstmals direkten Zugang zu einem weiteren zentralen Musk-Geschäft, das Raumfahrttechnologie, das Satelliteninternet Starlink und KI umfasst. Viraj Patel, Analyst beim Marktforschungsunternehmen Vanda Research, sagte, mit Beginn des Handels der SpaceX-Aktie habe sich die Aufmerksamkeit der Privatanleger „nur noch auf eine Aktie“ gerichtet. Aus seiner Sicht ist „KI das neue Elektroauto“, während SpaceX zur „neuen Rockikone der Nachbarschaft“ wurde.

Einige Marktbeobachter spekulieren bereits, dass künftig eine Fusion von Tesla und SpaceX diskutiert werden könnte. Als Grund gelten Überschneidungen in Bereichen wie KI, Robotik und Mobilitätstechnologien. Bislang bleibt das jedoch reine Spekulation. Anleger kaufen nicht nur aktuelle Umsätze, Gewinne oder Cashflows. Sie kaufen die Erwartung, dass ein Unternehmen ganze Märkte neu ordnen kann.

Bei SpaceX ist diese Erwartung besonders eng mit Elon Musk verbunden. Genau darin liegt die Stärke und das Risiko der Bewertung. Solange Investoren daran glauben, dass Musk Raumfahrt, Satelliteninternet, KI und möglicherweise neue Infrastrukturmärkte zusammenführen kann, bleibt die Aktie ein Symbol für technologische Fantasie. Wenn dieser Glaube bricht, könnte die Bewertung rasch unter Druck geraten.

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Akvilė Venckutė

***

Akvilė Venckutė ist Redakteurin der Innovationsrubrik bei Verslo žinios. Sie hat Journalismus und Philosophie an der Universität Vilnius studiert und arbeitete vor ihrer Tätigkeit bei Verslo žinios unter anderem für LRT sowie das litauische Zentrum für Journalismus.

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