Wer Europas Drohnenkrieg wirklich gewinnen könnte
Der europäische Markt für militärische Drohnen verändert sich schnell. Traditionelle Rüstungsgiganten wie die britische BAE Systems, die deutsche Rheinmetall und die schwedische Saab werden von Hunderten Start-ups in und außerhalb der Ukraine herausgefordert.
Einige Newcomer haben sich bereits zu sogenannten „Neo-Primes“ entwickelt, also zu Verteidigungstechnologieunternehmen, die große Direktaufträge von verschiedenen Streitkräften erhalten. Dazu gehören Helsing, ein deutsches KI-basiertes Verteidigungsunternehmen mit Drohnenfokus, das mit rund 15 Milliarden Euro bewertet wird und dessen größter Eigentümer Spotify-Gründer Daniel Ek ist, sowie der deutsche Hauptkonkurrent Stark.
Weitere Beispiele sind das deutsche Unternehmen ARX Robotics, das unbemannte Bodenfahrzeuge entwickelt, und die britische Openworks Engineering, die Anti-Drohnen-Technologie entwickelt.
„Es gibt eine unglaubliche Innovationskraft in Europa. Das gilt für alles von Hardware bis Software, unter anderem Schwarmtechnologie. Wenn man alle Projekte mitzählt, auch jene auf Kellerniveau, geht es um ein paar Hundert Start-ups“, sagt Ted Elvhage gegenüber dem schwedischen Blatt Dagens Industri.
Der Markt bleibt schwer berechenbar
Obwohl er jeden Monat detaillierte Berichte über den Sektor liest, hält er den künftigen Markt für schwer einzuschätzen.
Die Ukraine hat zwar ihr Beschaffungssystem reformiert, um Direktkäufe von Start-up-Unternehmen zu ermöglichen. Europas Streitkräfte sind jedoch träger und müssen aus Sicherheitsgründen chinesische Lieferketten vermeiden.
Das US-Verteidigungsministerium lässt inzwischen Armeeeinheiten Drohnen direkt beschaffen, während viele europäische Länder ihre Einkäufe weiterhin zentral abwickeln.
„Es wird eine große Auslese oder Konsolidierung geben. Um zu überleben, werden viele kleinere Unternehmen gezwungen sein, sich zusammenzuschließen und zu skalieren oder vertikal in die Wertschöpfungskette integriert zu werden. Die Realität ist, dass vor allem Rüstungsgiganten wie Saab und Neo-Primes wie Helsing Verteidigungsverträge erhalten“, sagt Ted Elvhage.
Innovation bleibt entscheidend
Trotzdem ist Elvhage der Ansicht, dass der Wettbewerb der Innovation nützt.
„Die Innovation wird gebraucht. Wir müssen heute kritische Infrastruktur verteidigen können. Wir müssen Drohnen autonom produzieren, anpassen und aufrüsten können, sowohl nahe der Front als auch in etablierten Fabriken. Wir brauchen die Software, die KI-Systeme und die Kommunikation, um das lokal tun zu können“, sagt er.
Technisch glaubt er an europäische Hersteller von Drohnenmotoren, Halbleitern für Drohnen und an Technologie, die Software in den Mittelpunkt stellt.
Es gibt außerdem einen großen Bedarf an Drohnen mit festen Tragflächen, die eigenständig vertikal starten können.
„Die größte Chance liegt aber in Gemeinschaftsunternehmen mit der Ukraine. Wir sehen viele Formen des Austauschs, bei denen ukrainisches Wissen aufgenommen und in die europäische Industrie eingebaut wird“, sagt Ted Elvhage.
