Oracle, Amazon, Meta: Was hinter der neuen Entlassungswelle steckt
Im Laufe des vergangenen Jahres hat der Tech-Gigant Oracle 21.000 Stellen abgebaut. Das entspricht 13 Prozent der Belegschaft. Der Konzern passt sein Geschäft zunehmend an KI an.
Im November 2025 teilte Jeff Bezos’ Amazon ebenfalls mit, dass die Vorteile der Einführung künstlicher Intelligenz in der täglichen Arbeit zur Kündigung von 14.000 Mitarbeitern geführt hätten. Ein paar Monate später, im Januar 2026, traf es weitere 16.000 Beschäftigte, so das dänische Wirtschaftsportal Borsen.
Im Mai war Meta an der Reihe. Das Unternehmen um Mark Zuckerberg hatte die eigene Organisation genauer geprüft und sah Anlass für eine deutliche Reduzierung der Belegschaft. Intern strich der Konzern rund 8.000 Stellen, also etwa zehn Prozent der gesamten Mitarbeiterzahl.
Seit langem schlagen verschiedene Akteure mit Fachwissen über künstliche Intelligenz Alarm, da Algorithmen und Sprachmodelle beginnen, ihre grundlegend verändernden Fähigkeiten zu zeigen.
„Es ist nicht wirklich KI, die Menschen ersetzt. Es sieht eher nach dem Gegenteil aus“, sagt Bo Hee Min, Assistenzprofessorin an der CBS.
Oracle warnt vor weiteren Anpassungen
Oracle erklärte in seinem jüngsten Geschäftsbericht, dass der Konzern Ende Mai 141.000 Vollzeitbeschäftigte hatte. Am Ende des vorherigen Geschäftsjahres waren es noch 162.000 gewesen.
Zugleich teilte Oracle mit, dass dem Unternehmen Kosten von 1,84 Milliarden Dollar für Abfindungen und andere Restrukturierungsausgaben im Zusammenhang mit dem Personalabbau entstanden seien, der im März begonnen hatte.
Im Geschäftsbericht warnte Oracle außerdem, dass „weitere Anpassungen“ notwendig werden könnten.
Kampf um Schlüsselkräfte
Nach Einschätzung von Bo Hee Min, Assistenzprofessorin an der CBS und Forscherin zur Bedeutung von KI für Organisationen und Unternehmen, ist der Kampf um wenige Schlüsselpersonen in der Techbranche zu einem strategischen Wettbewerbsfaktor geworden.
„Oracles eigene Mitteilung besagt, dass die Entlassungen auf die Einführung und den Ausbau von Technologien der künstlichen Intelligenz zurückgehen und dass in naher Zukunft weitere Kürzungen kommen können“, sagt Bo Hee Min.
Ihr zufolge ist das aber nicht zwingend ein Beispiel dafür, dass KI Mitarbeiter direkt ersetzt.
„Es ist nicht wirklich KI, die Menschen ersetzt. Es sieht eher nach dem Gegenteil aus“, sagt Bo Hee Min und weist darauf hin, dass Oracles KI-Geschäft „richtig gut“ laufe.
Das liege ihrer Ansicht nach unter anderem daran, dass Unternehmen wie OpenAI, der Konzern hinter ChatGPT, Cloud-Dienste bei Oracle kaufen.
Teure Rechenzentren werden zum Problem
Gerade dieser Erfolg kann Teil des Problems sein.
„KI-Infrastruktur wie Rechenzentren aufzubauen, um mit der Nachfrage Schritt zu halten, kostet mehr, als Oracle tragen kann, ohne seine Ausgaben umzustrukturieren. Deshalb kürzt das Unternehmen bei der Belegschaft, um die KI-Investition mitzufinanzieren, nicht, da KI die Arbeitsplätze anderer ersetzt“, sagt Bo Hee Min.
Ein Umstand, der diese Deutung stützt, sei aus ihrer Sicht, dass ein großer Teil der Kürzungen Oracle Health trifft. Dieser Bereich habe nur in begrenztem Umfang direkt mit KI-Infrastruktur zu tun.
