Nvidia steht im Rampenlicht, doch diese Unternehmen verdienen mit
Der Boom der künstlichen Intelligenz, kurz KI, hat nicht nur Nvidia, Speicherhersteller und Softwareunternehmen nach oben gezogen. Anleger begannen auch, in weniger glamouröse Unternehmen zu investieren, die das physische Fundament der KI bereitstellen: Grundstücke beziehungsweise Immobilien, Strom, Stahl, Kupfer, Glasfaser, Kühlung, Generatoren und Bauausführung.
Es handelt sich um eine neue Generation von „Spitzhacken und Schaufeln“, wie das Wirtschaftsportal Finance.si unter Berufung auf die Financial Times schreibt. Diese Unternehmen sind nicht zwingend die Schöpfer von KI, aber sie sind unverzichtbar beim Bau der Rechenzentren, in denen KI läuft.
Halbleiter: die erste Runde der Gewinner
Die offensichtlichsten Gewinner sind weiterhin Hersteller von Chips, Speicher und spezialisierten Prozessoren. Nvidia, AMD, Broadcom, TSMC, Samsung, SK Hynix und Micron bleiben im Zentrum der Geschichte, da Grafikprozessoren, Beschleuniger und schneller Speicher das Herz von KI-Servern bilden.
Doch genau diese Explosion an Rechenleistung hat eine zweite, weniger offensichtliche Investitionswelle geschaffen. Wenn Server mehr Energie verbrauchen, sich stärker erhitzen, mehr Glasfaserverbindungen benötigen und in immer größeren Hallen gebaut werden müssen, erweitert sich der Kreis der Gewinner schnell weit über Halbleiter hinaus.
Lieferketten der Rechenzentren: Bauunternehmen, Planer, Immobilien
Ein Rechenzentrum ist längst nicht mehr nur ein Gebäude mit Serverschränken. KI-Zentren sind zu Industrieanlagen mit extrem hoher elektrischer Leistungsdichte, anspruchsvoller Statik, Notstromversorgung, fortschrittlichem Brandschutz, Wassermanagement und spezieller Kühlung geworden.
Deshalb sind Unternehmen unter die Gewinner geraten, die noch vor kurzem wie klassische, langsame Industrie wirkten.
Dazu gehört der deutsche Konzern Hochtief, ein 150 Jahre altes Bau- und Ingenieurunternehmen, das immer offener auf Rechenzentren setzt. Ähnlich profitieren Planungsbüros, Anbieter von Elektro- und Maschineninstallationen, Verwalter von Industriegrundstücken und Berater für die Standortauswahl.
Besonders gefragt sind nicht mehr nur Grundstücke, sondern Grundstücke mit gesicherter Anschlussleistung, Zugang zu Wasser, Genehmigungen und der Möglichkeit schneller Bebauung. Deshalb schafft die KI-Manie auch unerwartete Gewinner unter Gewerbeimmobilienmaklern, Betreibern von Rechenzentrumsinfrastruktur und Eigentümern industrieller Standorte in der Nähe von Energieknotenpunkten.
Energieversorger: die neue Goldader der Versorger
Der größte Engpass der KI ist nicht mehr nur der Chip, sondern das Megawatt. Rechenzentren für das Training und den Betrieb von KI-Modellen benötigen gewaltige Mengen dauerhaft verfügbarer elektrischer Energie. Das erhöht den Wert von Versorgungsunternehmen, Stromproduzenten und Händlern mit langfristigen Stromlieferverträgen.
In Europa stehen Anbieter wie Iberdrola im Vordergrund, in den USA Versorger, die großen Technologiekonzernen langfristige, stabile und ausreichend große Stromversorgung sichern können. Entergy wurde beispielsweise nach einer großen Vereinbarung mit Meta zu einer der Börsengeschichten der KI-Infrastruktur.
Zugleich wächst das Interesse an Gas, Kernenergie, erneuerbaren Energien und Energiespeichern, da Technologieriesen nicht mehr nur Strom kaufen, sondern Zuverlässigkeit. Ford überraschte Anleger deshalb mit der Ankündigung, einen Teil seines Geschäfts mit Elektrofahrzeugen in Batteriespeicher für Rechenzentren umzuleiten.
Motoren und Generatoren: die Renaissance der alten Industrie
Die zweite große Gruppe von Gewinnern sind Hersteller von Motoren, Turbinen und Generatoren. Rechenzentren benötigen Ersatzstromversorgung, an manchen Orten auch eigene Stromerzeugung, da der Netzanschluss schlicht nicht schnell genug erfolgt.
Deshalb kehren Gasturbinen, große Diesel- und Gasgeneratoren sowie Motorkraftwerke zurück. Zu den Gewinnern der Explosion bei Turbinenaufträgen gehörte zuletzt etwa auch Litostroj in Ljubljana.
Caterpillar, einst vor allem ein Synonym für Baumaschinen, interessiert Anleger heute auch als Lieferant von Generatoren für Rechenzentren. Ähnlich wurden Siemens Energy, GE Vernova, Wärtsilä, Howmet Aerospace und Baker Hughes Teil der Geschichte.
Die alte industrielle Logik hat sich gedreht: Alles, was Strom erzeugen oder absichern kann, ist plötzlich Teil der KI-Ökonomie geworden.
Metalle und Bergbau: Kupfer, Stahl, Kabel, Konstruktionen
KI ist auch eine Geschichte der Metalle. Mehr Rechenzentren bedeuten mehr Kupfer in Kabeln, Transformatoren, Schaltanlagen, Kühlsystemen und Elektroinstallationen. Die Bedeutung von Kupfer wächst durch einen doppelten Effekt: Verkehr, Industrie und Stromnetze werden elektrifiziert, und nun kommen auch noch Rechenzentren hinzu.
Zu den Gewinnern gehören deshalb Bergbauunternehmen mit Kupferbezug, Hersteller von Kabeln und Leitungen sowie Stahllieferanten. Nucor, der amerikanische Stahlhersteller, beschrieb die Nachfrage nach KI-Infrastruktur als „weißglühend“ und verband sie mit außergewöhnlich profitablem Wachstum.
Rechenzentren brauchen Stahlkonstruktionen, Träger, Gehäuse, Elektroschränke, Rohre, Kühlsysteme und Ersatzgebäude.
Kühltechnik: von Klimaanlagen bis Flüssigkühlung
KI-Server verbrauchen nicht nur mehr Strom, sie erzeugen auch mehr Wärme. Klassische Luftkühlung reicht in den dichtesten Konfigurationen nicht mehr aus. Deshalb wächst die Nachfrage nach Klimasystemen, industrieller Kühlung, Flüssigkühlung und Wärmemanagement schnell.
Zu den Gewinnern gehören nach Angaben der Financial Times Comfort Systems USA, Vertiv, Johnson Controls, Schneider Electric und Spezialisten für Flüssigkühlung wie Motivair, in das Schneider 850 Millionen Dollar investiert hat.
Dieser Teil der Geschichte ist besonders wichtig, da die Kühlleistung unmittelbar bestimmen wird, wie viele Chips in einer Halle untergebracht werden können und wie effizient sie betrieben werden können.
Elektrische und elektronische Ausrüstung: Schalter, Transformatoren, Schränke
Jedes KI-Rechenzentrum braucht eine komplexe elektrische Architektur: Transformatoren, Schaltanlagen, Verteiler, unterbrechungsfreie Stromversorgung, Hochspannungselektronik, Sensorik und Kontrollsysteme.
Deshalb sind Eaton, Schneider Electric, Legrand, ABB und ähnliche Anbieter auf den Radar der Anleger geraten.
Eaton berichtete im ersten Quartal von einem Anstieg der Aufträge für Rechenzentren, Legrand erzielte einen großen Teil des Wachstums in diesem Jahrzehnt genau in dieser Nische.
Im Hintergrund entsteht ein neuer Engpass: Lieferzeiten für Transformatoren und Hochspannungsausrüstung sind mancherorts so lang, dass sie darüber entscheiden können, welches Rechenzentrum überhaupt rechtzeitig angeschlossen wird.
Glasfaser- und Netzwerkausrüstung: das Nervensystem der KI-Zentren
KI-Server müssen schneller und mit geringeren Verzögerungen miteinander kommunizieren als traditionelle Cloud-Server. Deshalb wächst die Nachfrage nach Glasfasern, Glasfaserkabeln, Netzwerk-Switches und Hochleistungsverbindungen.
Corning, der 175 Jahre alte Erfinder des Pyrex-Glases und Zulieferer von iPhone-Displays, wurde zu einer der symbolischen Geschichten dieses Wandels, nachdem das Unternehmen Vereinbarungen zur Lieferung optischer Verbindungen an Rechenzentren geschlossen hatte.
Neben Corning profitieren auch Unternehmen aus der Netzwerkausrüstung wie Arista Networks, Cisco und Anbieter optischer Module. Wenn Chips das Gehirn der KI sind, dann ist die Glasfaser ihr Nervensystem.
Weitere unerwartete Gewinner: Wasser, Sicherheit, Softwaresteuerung
Ein Blick auf den breiteren Markt zeigt weitere Branchen, die in der ursprünglichen Aufzählung oft übersehen werden. Die erste ist Wasserinfrastruktur. Flüssig- und Verdunstungskühlung erhöhen die Bedeutung lokaler Wasserquellen, der Reinigung, Wiederverwendung von Wasser und Umweltgenehmigungen.
Die zweite ist Brand- und physische Sicherheit, da Rechenzentren kritische Infrastruktur sind. Die dritte ist die Softwaresteuerung der Infrastruktur: Systeme, die in Echtzeit Energieverbrauch, Temperatur, Lasten, Fehler und Auslastung der Serverschränke überwachen.
Die vierte Gruppe sind spezialisierte Fachkräfte: Elektroingenieure, Bauplaner, Monteure von Hochspannungstechnik, Kühlexperten und Betreiber von Rechenzentren. KI schafft damit nicht nur eine neue technologische Börsenelite, sondern verändert auch die analogsten Teile der Wirtschaft.
Die wichtigste Frage: zyklische Blase oder struktureller Wandel?
Das Risiko ist offensichtlich. Wenn die Nachfrage nach KI langsamer wächst, wenn sich herausstellt, dass Modelle weniger Rechenleistung benötigen, oder wenn Zinsen erneut auf Technologiebewertungen drücken, kann ein Teil dieser Euphorie schnell kippen. Das zeigte sich bereits an dem Schock, den das chinesische Modell DeepSeek Anfang 2025 auslöste.
Doch selbst wenn ein Teil der Börsenhitze abkühlt, bleibt die grundlegende Verschiebung bestehen: KI hat die digitale Industrie wieder in der physischen Welt verankert.
Es geht nicht mehr nur um Programmcode, sondern um Beton, Kupfer, Wasser, Strom, Glasfaser, Turbinen und Kühlsysteme. Deshalb gehören zu den Gewinnern der KI-Manie auch Unternehmen, die gestern noch wie Relikte der alten Wirtschaft wirkten. Heute sind sie zur Infrastruktur der neuen geworden.
Entsteht eine dritte Inflationswelle?
Der KI-Rausch wird zu einem neuen Inflationstreiber, da er nicht nur Aktien verteuert, sondern auch die Realwirtschaft. Konzerne wie Alphabet, Amazon, Meta, Microsoft und Oracle geben in diesem Jahr Hunderte Milliarden Dollar für Rechenzentren aus. Die Nachfrage treibt bereits deutlich die Preise in den genannten Begleitbranchen nach oben.
Die zentrale Frage lautet, ob künstliche Intelligenz die Produktivität schnell genug steigern wird, um diesen Preisdruck auszugleichen. Ökonomen warnen, dass KI die Wirtschaft kurzfristig eher verteuert als verbilligt. Anders als bei Ölpreisschocks oder Zöllen handelt es sich um eine Nachfrage, die mehrere Jahre anhalten kann.

