Finanzen

SAP-Aktie nach Zahlen im Höhenflug: Analysten bleiben gespalten – wie Anleger reagieren sollten

Die SAP-Aktie überrascht nach den Quartalszahlen mit einer kräftigen Erholung. Während das starke Cloud-Geschäft Anleger begeistert, sorgt die gesenkte Gewinnprognose für Diskussionen. Analysten kommen deshalb zu völlig unterschiedlichen Einschätzungen. Kann die Rally trotzdem weitergehen?
27.07.2026 11:34
Lesezeit: 4 min
SAP-Aktie nach Zahlen im Höhenflug: Analysten bleiben gespalten – wie Anleger reagieren sollten
Die SAP-Aktie steigt nach starken Quartalszahlen kräftig. (Bild: dpa) Foto: Uwe Anspach

SAP-Aktie aktuell deutlich fester: Cloud-Geschäft überzeugt den Markt

Die SAP-Aktie setzt ihre Erholung nach den jüngsten Quartalszahlen fort und zählt zu den stärksten Werten im deutschen Leitindex. Am Montag steigt die SAP-Aktie im XETRA-Handel zeitweise um über 5,5 Prozent auf 148,40 Euro und ist damit stärkster DAX-Wert. Bereits am Freitag hatte das Papier deutlich zugelegt, nachdem Europas größter Softwarehersteller am Donnerstagabend nach US-Börsenschluss seine Zahlen zum zweiten Quartal veröffentlicht hatte.

Die SAP SE-Aktie stand in der XETRA-Sitzung um 10:57 Uhr 5,5 Prozent im Plus bei 147,92 EUR. Also hat der Anteilsschein noch ein Aufwärtspotenzial von 38,59 Prozent gerechnet zum festgelegten Kursziel. Zuletzt wurden via XETRA 959.680 SAP SE-Aktien umgesetzt. Das Papier verlor auf Jahressicht 2026 27,8 Prozent. Die Ergebnisse für Q3 2026 dürfte SAP SE am 21.10.2026 vorlegen.

SAP übertrifft Erwartungen – Cloud-Sparte liefert den entscheidenden Schub

Der Umsatz kletterte im Jahresvergleich um neun Prozent auf 9,88 Milliarden Euro und lag damit leicht über den vom Markt erwarteten Wert von 9,85 Milliarden Euro. Der Gewinn je Aktie stieg auf 1,89 Euro nach 1,45 Euro im Vorjahresquartal und übertraf damit den Konsens von 1,76 Euro. Unter dem Strich verdiente der Konzern 2,21 Milliarden Euro und damit gut ein Viertel mehr als ein Jahr zuvor.

Vor allem das Cloud-Geschäft entwickelte sich besser als erwartet. Der Cloud-Umsatz stieg im zweiten Quartal um 24 Prozent auf 6,3 Milliarden Euro. Auch der Current Cloud Backlog (CCB), also der Auftragsbestand für die kommenden zwölf Monate, wuchs währungsbereinigt um 26 Prozent auf knapp 23 Milliarden Euro. Der kurzfristige Cloud-Auftragsbestand legte im Jahresvergleich zudem um 27 Prozent auf 22,9 Milliarden Euro zu. Dieses starke Wachstum gilt für viele Analysten als wichtigster Treiber der positiven Marktreaktion auf die SAP-Zahlen.

SAP-Gewinnprognose leicht gesenkt

Trotz der starken Entwicklung im Cloud-Geschäft gab es auch einen Dämpfer. Das um Sondereffekte bereinigte operative Ergebnis erhöhte sich lediglich um sieben Prozent auf 2,74 Milliarden Euro und blieb damit hinter den Erwartungen zurück.

Für das Gesamtjahr rechnet Vorstandschef Christian Klein beim bereinigten Betriebsgewinn währungsbereinigt nun noch mit einem Wachstum von 13 bis 17 Prozent, nachdem zuvor 14 bis 18 Prozent erwartet worden waren. Finanzchef Dominik Asam begründete dies mit den kürzlich abgeschlossenen Übernahmen von Dremio und Prior Labs. Die neu übernommenen Unternehmen dürften im zweiten Halbjahr Verluste beisteuern. Hinzu kommen höhere Kosten für Marketing sowie den Einsatz von KI-Modellen.

Unverändert bleiben dagegen das Umsatzziel und der erwartete freie Mittelzufluss von rund zehn Milliarden Euro. Nach Einschätzung der Märkte überwiegt deshalb weiterhin die Stärke des Cloud-Geschäfts, auch wenn die Profitabilität kurzfristig unter Druck steht.

Analysten bewerten die SAP-Aktie unterschiedlich

Die Reaktionen der Analysten fallen entsprechend unterschiedlich aus. Jefferies bestätigte die Einstufung "Buy" mit einem Kursziel von 210 Euro. Analyst Charles Brennan bezeichnete den kurzfristigen Cloud-Auftragsbestand als klares Highlight und verwies zugleich auf die niedrige Bewertung des Unternehmens. Auch die Deutsche Bank bleibt bei ihrer Kaufempfehlung.

Die Privatbank Berenberg senkte zwar ihr Kursziel von 215 auf 205 Euro, beließ die Einstufung jedoch ebenfalls auf "Buy". Analyst Nay Soe Naing sieht ein positives Quartal und geht davon aus, dass das Management die Kosten unter Kontrolle bringen dürfte. Gleichzeitig reduzierte er seine Margenannahmen, um den höheren Kostendruck durch KI zu berücksichtigen.

Zurückhaltender äußerte sich JPMorgan. Analyst Toby Ogg sprach von einer negativen Überraschung bei der Marge. Die Jahresprognose hänge nun davon ab, dass sich die Entwicklung im zweiten Halbjahr beschleunige.

Am skeptischsten bleibt die DZ Bank. Sie bestätigte ihr Verkaufsvotum und senkte den fairen Wert für die SAP-Aktie von 130 auf 120 Euro. Experte Armin Kremser verwies auf die durch anorganische Effekte belastete operative Marge, die zu einer leichten Senkung des Ergebnisausblicks 2026 führe.

Im Durchschnitt trauen die Analysten der SAP-Aktie einen Wert von 202 Euro beziehungsweise 201,91 Euro zu. Der Konsens der Marktbeobachter sieht vom aktuellen Niveau trotz der jüngsten Kursgewinne noch 31 Prozent Kurspotenzial und rät zum Kauf.

SAP-Aktie: Rally läuft weiter – entscheidet jetzt der Chart?

Auch aus charttechnischer Sicht hat sich die Lage verbessert. Der Sprung über die 50-Tage-Linie bei 144 Euro spricht für eine Stabilisierung und eine Verfestigung des Bodenbildungsversuchs. Gelingt der Anstieg über 174 Euro, könnte sich die Aufwärtsbewegung weiter beschleunigen.

Dennoch bleibt Vorsicht angebracht. Rein statistisch liegt die Aktie seit dem 1. Januar 2026 weiterhin 32,7 Prozent im Minus. Auf Sicht der vergangenen sechs Monate beträgt der Kursverlust noch 29,2 Prozent. Der SAP-Aktienkurs hat damit zwar eine längere Warteschleife zunächst nach oben verlassen, befindet sich charttechnisch und aus technischer Sicht aber weiterhin in einem klaren Abwärtstrend.

Für die kommenden Monate wird entscheidend sein, ob die operative Marge in der zweiten Jahreshälfte wie angekündigt anzieht. Der nächste Quartalsbericht dürfte zeigen, ob die Belastungen durch die Übernahmen nur vorübergehend sind oder länger auf das Ergebnis drücken. Gleichzeitig bleibt das starke Cloud-Wachstum der wichtigste Hoffnungsträger. Ob die jüngste Erholung der SAP-Aktie den Beginn einer nachhaltigen Aufwärtsbewegung markiert oder lediglich eine kurzfristige Gegenreaktion innerhalb des bisherigen Trends ist, wird sich erst in den kommenden Quartalen zeigen.

Nächster Quartalsbericht wird zum Gradmesser für die SAP-Aktie

Die jüngsten Quartalszahlen zeigen, dass SAP beim Cloud-Geschäft weiterhin auf Wachstumskurs bleibt und damit die Erwartungen vieler Anleger übertrifft. Gleichzeitig macht die leicht gesenkte Gewinnprognose deutlich, dass Übernahmen und höhere Investitionen kurzfristig auf die Profitabilität drücken. Genau dieser Gegensatz erklärt die unterschiedlichen Einschätzungen der Analysten. Während viele Experten weiteres Kurspotenzial sehen, verweisen skeptischere Stimmen auf die Entwicklung der Margen. Für Anleger dürfte deshalb vor allem der nächste Quartalsbericht entscheidend werden. Er wird zeigen, ob die Belastungen tatsächlich nur vorübergehend sind und die jüngste Erholung der SAP-Aktie nachhaltig Bestand haben kann.

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Markus Gentner

Markus Gentner ist seit 1. Januar 2024 Chefredakteur bei den Deutschen Wirtschaftsnachrichten. Zuvor war er zwölf Jahre lang für Deutschlands größtes Börsenportal finanzen.net tätig, unter anderem als Redaktionsleiter des Ratgeber-Bereichs sowie als Online-Redakteur in der News-Redaktion. Er arbeitete außerdem für das Deutsche Anlegerfernsehen (DAF), für die Tageszeitung Rheinpfalz und für die Burda-Tochter Stegenwaller, bei der er auch volontierte. Markus Gentner ist studierter Journalist und besitzt einen Master-Abschluss in Germanistik.

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