Goldpreis-Entwicklung: Der Goldrausch ist abgeklungen
Für kurze Zeit erreichte der Goldpreis Ende Januar 2026 bis zu 5.589 USD je Unze. Nach mehreren Monaten mit Rückgängen fiel er kurzzeitig unter 4.000 USD. Seit einem Monat pendelt er jedoch in einer Spanne von 4.000 bis 4.150 USD. Das sieht nach dem Ende eines mehrmonatigen Abwärtstrends aus, 25 Prozent unter dem Rekord vom Januar. Selbst wenn man fast 5.600 USD je Unze als eine gewisse Eintagserscheinung betrachtet, ist der Goldpreis noch immer etwa 20 Prozent unter das Niveau gefallen, das er im ersten Quartal längere Zeit gehalten hatte.
„Über viele Monate war ich der Meinung, dass sich der Preis von 4.000 USD je Unze wegen seines runden Charakters halten und zu einem Wendepunkt werden würde, von dem aus der Kurs wieder steigt. Ich beginne jedoch, auch das Szenario zuzulassen, dass dieses Niveau nach unten durchbrochen wird und der Preis des Edelmetalls sogar auf 3.600 USD fällt. Aus technischer Sicht ergibt sich das daraus, dass die Erholungen aus dem Bereich um 4.000 USD immer schwächer werden. Fundamental muss man betrachten, ob der Dollar weiter an Wert verlieren wird, wie es mit der amerikanischen Verschuldung weitergeht und welche Entscheidungen die Fed treffen wird“, kommentiert Marcin Kiepas, Analyst des Unternehmens Tickmill, gegenüber dem Wirtschaftsportal Puls Biznesu.
Seiner Ansicht nach wäre ein Rückgang des Goldpreises in den Bereich von 3.600 USD jedoch der letzte Akkord der Korrektur. Danach würde eine schnelle Rückkehr auf 4.000 USD folgen.
„Langfristig gibt es keinen Zweifel: Gold befindet sich in einem Aufwärtstrend. Die Korrektur wird höchstens bis zum Herbst dauern. Danach wird der Goldpreis auf 4.500 bis 5.000 USD steigen“, prognostiziert Marcin Kiepas.
Die Goldpreis-Entwicklung hängt an der Fed
Das Niveau von 4.000 USD hält weitere Preisrückgänge bei Gold tatsächlich auf. Im Grunde hängt das Schicksal des Edelmetalls in dieser Lage davon ab, ob und welche Zinserhöhungen es in den Vereinigten Staaten geben wird.
Die Erwartungshürde liegt nicht besonders hoch. Der Markt preist für 2026 einen Anstieg der amerikanischen Leitzinsen um 0,43 Prozentpunkte ein. Zugleich scheint es, dass die Zinserhöhungen geringer ausfallen könnten, als der Markt es einpreist, falls die amerikanische Wirtschaft schwächer werden sollte und die Inflation einigermaßen unter Kontrolle bleibt.
Gold hat außerdem weiterhin Argumente auf seiner Seite, die mit strukturellen Schwächen der Vereinigten Staaten verbunden sind. In einigen Monaten stehen die sogenannten Zwischenwahlen an. Mit politischer Unsicherheit kann auch das Interesse an dem Edelmetall steigen. Eine Rückkehr der Goldpreise auf höhere Niveaus als derzeit ist also durchaus möglich, betont Bartosz Sawicki, Analyst bei Exante.
Der fundamentale Wert kommt wohl noch nicht in diesem Jahr
Sebastian Buczek, Vorstandschef von Quercus TFI, hält an der Einschätzung fest, dass der fundamentale Wert des Edelmetalls bei etwa 3.000 USD je Unze liegt.
„Nach einem solchen Rückgang wie in den vergangenen Monaten kann sich der Kurs aber auf 4.500 USD erholen“, betont Sebastian Buczek.
Das bedeutet jedoch nicht, dass er glaubt, Gold werde überhaupt nicht auf diesen fundamentalen Wert von 3.000 USD je Unze fallen.
„In diesem Jahr muss es nicht so weit kommen, aber für 2027 würde ich das nicht ausschließen. Ein Preisrückgang nach dem Platzen einer Blase dauert immer eine Weile, und die Blase bei Gold ist Ende Januar 2026 geplatzt“, meint Sebastian Buczek.
Gold braucht Zeit, keine Nervosität
Wenn man Gold als Wette auf das nächste Quartal betrachtet, kann die Korrektur wie eine Niederlage wirken. Wenn man es jedoch als Teil des Vermögens betrachtet, der verschiedene wirtschaftliche, politische und währungspolitische Zyklen überstehen soll, hört ein einzelner Rekord oder Rückgang auf, der wichtigste Bezugspunkt zu sein.
In diesem Sinne mag Gold keinen Lärm. Er verkürzt den Anlagehorizont, begünstigt nervöse Entscheidungen und zwingt dazu, nur auf den aktuellen Preis zu schauen. Entscheidend ist jedoch nicht, ob man Gold ideal am Tiefpunkt kauft, sondern ob man dieser Investition genügend Zeit gibt. Das bedeutet: Gold muss nicht jedes Jahr gewinnen, um langfristig seine Funktion zu erfüllen, meint Paweł Mazurek, Vorstandsmitglied der Mennica Mazovia.
Ein Goldbarren für zehn Jahre sollte keinen Verlust bringen
Mazurek analysierte die vergangenen 30 Jahre am Goldmarkt im Zusammenhang mit dem Kauf des Edelmetalls zum Durchschnittspreis einzelner Monate. Von 318 Fällen fünfjähriger Investitionen endete jede vierte nominal im Minus.
Den größten Verlust, rund 35 Prozent, erlitten jene Anleger, die das Edelmetall im Februar 1996 kauften und im Februar 2001 verkauften. Der Kauf fiel in eine Phase, in der Gold im Vergleich zu den folgenden Jahren relativ hoch stand. Der Verkauf erfolgte nahe dem Tief einer mehrjährigen Baisse, kurz vor der späteren Aufwärtswelle.
Anders gesagt: Fünf Jahre erwiesen sich als zu kurzer Zeitraum, um aus einem besonders ungünstigen Szenario unbeschadet herauszukommen, also aus einem Kauf auf dem Hoch und einem Verkauf am Tief.
Fünf Jahre sind ein zu kurzer Zeitraum, um aus einem besonders ungünstigen Szenario unbeschadet herauszukommen, also aus dem Kauf von Gold auf dem Hoch und dem Verkauf am Tief.
Der Zehnjahreszeitraum verändert das Bild
Eine Verlängerung der Investition auf zehn Jahre veränderte die Perspektive radikal. Von 258 möglichen zehnjährigen Investitionen erwiesen sich nur zwei als verlustreich, also weniger als ein Prozent.
Das schlechteste Ergebnis brachte der Kauf im Oktober 2012 und der Verkauf im Oktober 2022. Das bedeutete einen Verlust von rund 4,7 Prozent. Der Anleger kaufte Gold nach einer sehr starken Hausse, als der Markt die Rekorde von 2011 und die Euphorie rund um das Edelmetall noch im Gedächtnis hatte. Verkauft wurde dagegen in einem schwierigeren Umfeld: bei einem starken Dollar und nach einer Reihe kräftiger Zinserhöhungen in den Vereinigten Staaten.
Trotz dieses ungünstigen Zusammentreffens der Umstände war der Verlust relativ gering. Das zeigt, dass ein Jahrzehnt das Risiko eines schlechten Kaufzeitpunkts stark verringert, auch wenn es dieses Risiko nicht vollständig beseitigt.
„Gold ist zwar kein Investmentfonds, aber die Emotionen des Anlegers funktionieren hier sehr ähnlich. Die größte Bewegung entsteht meist dann, wenn der Preis bereits hoch ist oder wenn der Markt heftig fällt. Gerade dann ist es am leichtesten, eine Entscheidung zu treffen, die man später bereut. Bei Gold gewinnt selten derjenige, der versucht, der Schnellste zu sein. Viel häufiger gewinnt derjenige, der von Anfang an weiß, warum er das Edelmetall kauft, und dieser Investition Zeit gibt“, fasst Paweł Mazurek zusammen.
Die Goldpreis-Entwicklung bleibt Mitte 2026 von mehreren Kräften abhängig: den Entscheidungen der Fed, der Stärke des Dollars, der politischen Unsicherheit in den USA und der Frage, ob die Korrektur technisch bereits ausgelaufen ist. Kurzfristig sind weitere Rücksetzer möglich. Langfristig aber sehen mehrere Experten Gold weiterhin als Anlage, die vor allem Geduld verlangt.

