Politik

Europa beugt sich dem Zobelfell, Russland nutzt die Gelegenheit zum Spott

Die EU hat verarbeitete russische Zobelfelle wieder von der Sanktionsliste gestrichen. Während Brüssel über das Ende von Pelztierfarmen diskutiert, spotten russische Stimmen über Europas Doppelmoral. Besonders Italien und Griechenland sollen von der Ausnahme profitieren.
31.07.2026 11:00
Lesezeit: 9 min
Europa beugt sich dem Zobelfell, Russland nutzt die Gelegenheit zum Spott
Europa beugt sich der Modeindustrie und macht eine Ausnahme für russischen Zobel. (Foto: dpa) Foto: Daniel Reinhardt

Luxuspelz statt Prinzipien: EU streicht Zobel von der Sanktionsliste

Wie aus einer Verordnung des EU-Rates hervorgeht, die „The Insider“ ausgewertet hat, wurden gegerbte oder behandelte Felle der Zobelart „Martes zibellina“ von der Sanktionsliste gestrichen. Das Importverbot für andere behandelte Pelzfelle aus Russland in die EU bleibt bestehen.

Die Europäische Kommission erklärte, die Entscheidung beruhe auf praktischen Erwägungen und nicht auf politischen Zugeständnissen. Kritiker der Sanktionspolitik nennen sie jedoch ein Einknicken vor den Modehäusern.

Italien und Griechenland profitieren besonders

Russland dankt Italien und Griechenland, den wichtigsten Abnehmern dieses Fells in der EU, witzelt das Wirtschaftsportal Verslo Zinios. Früher hatten diese Länder auch Ausnahmen bei Visa-Beschränkungen für Bürger des Aggressorstaates erreicht.

Nach Angaben der internationalen Pelzauktion „Sojuzpuschnina“ blieben Unternehmen aus Italien und Griechenland auch nach Beginn des russischen Krieges gegen die Ukraine unter den größten ausländischen Käufern von Zobelfellen. Im September 2022 erwarb das italienische Pelzhaus „Maurizio Braschi“ die wichtigste bei der Auktion angebotene Zobelpartie für sein Unternehmen, im Mai 2023 dann für einen Privatkunden aus Moskau.

„Wir erinnern daran, dass der EU-Rat früher zunächst den Import unbearbeiteter Felle verboten hatte. Damals passten sich europäische Unternehmer an und begannen, bereits behandelte Felle zu importieren. Etwas später, nach Inkrafttreten des Importverbots für behandelte Felle, sahen sich einige europäische Marken mit Verlusten konfrontiert oder standen kurz vor der Schließung der Produktion“, heißt es auf der Internetseite des russischen Auktionshauses furs.su.

Zobel gehört zu den teuersten Pelzen der Welt

Zobelfell gilt als eines der teuersten der Welt. Ein daraus genähter Pelzmantel kann Zehntausende oder sogar Hunderttausende Euro kosten. Allerdings bleibt es weiterhin verboten, fertige Produkte aus russischen Fellen in die EU einzuführen. Europäische Unternehmen dürfen zudem keine Pelzkleidung als Luxusware nach Russland exportieren.

Das Verbot wird genau zu dem Zeitpunkt aufgehoben, an dem in der EU über die Möglichkeit diskutiert wird, Pelztierfarmen aufzugeben. Solche Farmen gibt es bislang noch in Griechenland, Spanien, Ungarn, Finnland und Polen.

Die EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit fand keine Wege, wie sich das derzeitige Wohlergehen von Nerzen, Füchsen, Marderhunden und Chinchillas in der Zucht verbessern ließe. Deshalb könnten in der gesamten EU Einschränkungen für dieses Geschäft eingeführt werden, schreibt euractiv.com.

Russischer Spott über europäische Werte

„Der Zobel hat sich als zu wertvoll erwiesen“, spottet ein Kommentar auf der Seite der russischen Bank alfabank.ru.

Demnach habe Europa gezeigt, dass die Frage des Überlebens angesichts der Prognose eines rekordkalten kommenden Winters die politische Haltung besiegt habe. Und als Italien und Griechenland damit gedroht hätten, dass ihre Pelzfabriken stillstehen und Tausende Arbeiter auf die Straße gehen würden, sei Brüssel zurückgewichen. Und zwar erstaunlich schnell.

Die griechische Region Kastoria, die europäische Hauptstadt der Pelzindustrie, ist etwa vom Import behandelter Felle aus Russland abhängig. Auch italienische Modehäuser, die Pelzmäntel für Stars aus Showbusiness, Film und Sport herstellen, spürten die Gefahr.

Naturpelz kehrt in anderer Form zurück

Seit 2017 viele bekannte europäische Designermarken beschlossen hatten, in ihren Kollektionen auf Naturpelz zu verzichten, kehrt dieser wieder in die Mode zurück. Allerdings in anderer Form.

Derzeit sind verschiedene Arten von Vintage-Pelzmänteln aus Nerz, Fuchs und Biber gefragt, die früher von Modehäusern wie „Christian Dior“, „Fendi“, „Oscar de la Renta“ oder „Prada“ hergestellt wurden.

In den Winterkollektionen 2027 wird Naturpelz, meist Schaffell, nur noch für Details verwendet: für Kragen, Manschetten, Taschen oder Ähnliches.

Der Rat amerikanischer Modedesigner, der die New Yorker Fashion Week organisiert, hat angekündigt, dass ab September 2026 bei Veranstaltungen im offiziellen Programm der Modewoche keine Tierpelze mehr verwendet werden dürfen.

Möglich ist, dass dieses Sanktionspaket gegen Russland das letzte seiner Art ist. Wie die „Financial Times“ berichtet, erwägt die EU, auf große antirussische Sanktionspakete zu verzichten, da es inzwischen sehr schwierig geworden ist, sie unter den Mitgliedstaaten abzustimmen.

„Dieser Ansatz funktioniert nicht mehr“, zitiert die Zeitung einen Gesprächspartner und merkt an, dass Brüssel nach einem neuen Umgang mit dieser Frage sucht.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Welche Funktionen sind 2026 bei Trading-Plattformen wirklich wichtig?

Trading-Plattformen entwickeln sich rasant weiter. Im Jahr 2026 geht es längst nicht mehr nur darum, Wertpapiere oder andere...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

avtor1
Rima Rutkauskaitė

***

Rima Rutkauskaitė ist Analystin für den Industriesektor. Sie absolvierte den damaligen Fachbereich für Journalistik der Universität Vilnius und sammelte praktische Erfahrungen in der Redaktion einer Regionalzeitung, beim litauischen Journalistenverband, bei den Nachrichtenagenturen "Agence France-Presse" und "Elta" sowie in weiteren beruflichen Stationen. Seit 2004 arbeitet sie bei "Verslo žinios" und beschäftigt sich dort intensiv mit dem Industriesektor.

 
 
DWN
Politik
Politik „Wenig Verständnis für den Osten“: Kretschmer droht mit Veto bei Rentenreform
31.07.2026

Die Bundesregierung betrachtet ihr geplantes Paket zur Rente und Pflege als unteilbares Gesamtwerk. Doch in den Bundesländern wächst die...

DWN
Politik
Politik Europa beugt sich dem Zobelfell, Russland nutzt die Gelegenheit zum Spott
31.07.2026

Die EU hat verarbeitete russische Zobelfelle wieder von der Sanktionsliste gestrichen. Während Brüssel über das Ende von Pelztierfarmen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Sommerflaute am Arbeitsmarkt: Zahl der Arbeitslosen knackt die Drei-Millionen-Marke
31.07.2026

Der Juli bringt auf dem deutschen Arbeitsmarkt den gewohnten sommerlichen Dämpfer – dieses Jahr allerdings mit einer symbolträchtigen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Tarif-Plus für Nachwuchskräfte: Azubi-Gehälter wachsen deutlich schneller als reguläre Löhne
31.07.2026

Auszubildende in tarifgebundenen Unternehmen können sich über spürbare Einkommenszuwächse freuen. Die Ausbildungsvergütungen steigen...

DWN
Panorama
Panorama DWN-Podcast Folge 36: Die Woche im Rückblick – KW 31
31.07.2026

Unser neuer Podcast ist da: Die ganze Woche in wenigen Minuten. Der DWN-Wochenrückblick bringt die Themen, die zählen – eingeordnet,...

DWN
Finanzen
Finanzen Anthropic: KI des OpenAI-Rivalen griff echte Firmen an
31.07.2026

Nach dem OpenAI-Vorfall muss auch Anthropic einen unbeabsichtigten KI-Angriff einräumen. In Testläufen drangen Anthropic-Modelle in reale...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Hensoldt-Aktie: Rüstungskonzern profitiert von Rekordaufträgen – Anleger verkaufen trotzdem
31.07.2026

Die Hensoldt-Aktie gerät trotz starker Geschäftszahlen unter Druck. Der Rüstungselektronikkonzern profitiert zwar von der Aufrüstung...

DWN
Finanzen
Finanzen Dax vor Rekordhoch: Technologie-Erholung gibt dem Markt Rückenwind
31.07.2026

Der deutsche Aktienmarkt dürfte am Freitag mit Gewinnen in den Handel starten. Eine deutliche Erholung der Technologieaktien in den USA...