Wirtschaft

VDI-Ingenieurmonitor: Arbeitslosigkeit unter Ingenieuren erreicht Rekordniveau

Ingenieure und Informatiker galten lange als besonders gefragt. Doch aktuelle Zahlen zeigen, dass selbst technische Berufe die Konjunkturschwäche deutlich zu spüren bekommen. Handelt es sich nur um eine vorübergehende Delle oder um eine tiefgreifende Veränderung des Arbeitsmarktes?
03.08.2026 19:31
Lesezeit: 2 min
VDI-Ingenieurmonitor: Arbeitslosigkeit unter Ingenieuren erreicht Rekordniveau
Der aktuelle Ingenieurmonitor zeigt mehr Arbeitslose und deutlich weniger offene Stellen. (Bild: ChatGPT)

Mehr als 58.000 Ingenieure und IT-Fachkräfte ohne Job

Die Konjunkturflaute belastet auch den Arbeitsmarkt in den Ingenieur- und Informatikberufen. Im vierten Quartal 2025 verzeichnet der neueste Ingenieurmonitor mit 58.392 Arbeitslosen in Ingenieur- und IT-Berufen den höchsten Stand seit Beginn der Erhebungen im Jahr 2011. Dies entspreche einem Anstieg der Arbeitslosigkeit um 16,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, wie der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) in Düsseldorf berichtete.

Die Zahl der offenen Stellen lag gleichzeitig bei 96.780. Das waren 18,2 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Der VDI-Ingenieurmonitor wird regelmäßig in Zusammenarbeit mit dem Institut der deutschen Wirtschaft (IW) erstellt.

33 Prozent weniger offene Stellen in IT-Berufen

Zwischen den einzelnen Berufsfeldern gab es der Untersuchung zufolge erhebliche Unterschiede. So ging die Zahl der offenen Stellen in den Bauingenieurberufen nur um 3,8 Prozent zurück, in den Informatikberufen aber um 33,0 Prozent. "Besonders stark nahmen die offenen Stellen in Bayern und Baden-Württemberg ab, in denen die besonders wirtschaftlichen belastete Branche des Fahrzeugbaus eine hohe Bedeutung hat", hieß es im Monitor.

Große Unterschiede zwischen den Branchen gab es auch bei der Arbeitslosigkeit: Während sie in den Bauingenieurberufen im Vergleich zum Vorjahr nur um 5,8 Prozent anstieg, erhöhte sie sich in den Ingenieurberufen Technische Forschung und Produktionssteuerung um 32,9 Prozent. In den Ingenieurberufen Maschinen- und Fahrzeugtechnik legte sie sogar um 34,0 Prozent zu. Die Arbeitslosigkeit stieg demnach ebenfalls am stärksten in Bayern und Baden-Württemberg.

VDI: Langfristiger Bedarf bleibt bestehen

Nach Ansicht des VDI darf man aus den Zahlen nicht ableiten, dass Deutschland künftig weniger technische Fachkräfte braucht. "Die Modernisierung unserer Infrastruktur, die Transformation der Energieversorgung, Digitalisierung und neue Technologien werden den Bedarf an qualifizierten Ingenieurinnen und Ingenieuren langfristig prägen", erklärte VDI-Direktor Adrian Willig.

Die Zahlen zeigten, dass sich der Ingenieurarbeitsmarkt je nach Berufsfeld sehr unterschiedlich entwickele, so der VDI. Für die langfristige Fachkräftesicherung bleibe es daher weiterhin wichtig, den Ingenieurnachwuchs zu fördern, besonders durch das Gewinnen von Frauen für den Ingenieurberuf. "Wer jetzt bei Nachwuchs, Qualifizierung und Fachkräftesicherung nachlässt, riskiert, dass bei einer wirtschaftlichen Erholung genau die Kompetenzen und Fachkräfte fehlen, die wir dann dringend brauchen", erklärte Willig weiter.

Fachkräftemangel bleibt trotz aktueller Schwäche ein Zukunftsthema

Die aktuellen Zahlen zeigen, dass die Konjunkturflaute inzwischen auch den Arbeitsmarkt für Ingenieure und IT-Fachkräfte deutlich erreicht hat. Weniger offene Stellen und steigende Arbeitslosigkeit verdeutlichen die wirtschaftlichen Herausforderungen vieler Unternehmen. Gleichzeitig sprechen langfristige Trends wie Digitalisierung, Energiewende und Infrastrukturmodernisierung weiterhin für einen hohen Bedarf an technischen Fachkräften. Entscheidend wird deshalb sein, kurzfristige Marktschwächen nicht mit einem dauerhaft sinkenden Bedarf gleichzusetzen. Investitionen in Ausbildung, Qualifizierung und Nachwuchsförderung könnten sich langfristig auszahlen und dazu beitragen, künftige Fachkräfteengpässe zu vermeiden, sobald die Wirtschaft wieder an Dynamik gewinnt.

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