Bodendrohne Wilk soll Erfahrungen aus dem Ukraine-Krieg in die Serienproduktion bringen
Der polnische Rüstungskonzern Stohid Technology bereitet die Serienproduktion der Bodendrohne Wilk vor und will damit insbesondere NATO-Armeen erreichen. Neben militärischen Anwendungen plant das Unternehmen zivile Varianten für Feuerwehr, Polizei und Rettungsdienste und sucht für die internationale Expansion einen Investor. Das berichten unsere Kollegen von Puls Biznesu.
Vor einigen Monaten übernahm Piotr Kisiel die Führung von Stohid Technology, einem polnischen Rüstungsunternehmen, das an der Börse NewConnect notiert ist. Der Manager verfügt über umfangreiche Erfahrung in der Verteidigungsindustrie. In der Vergangenheit leitete er unter anderem den polnischen Radpanzerhersteller Rosomak, das Business Services Center der staatlichen Rüstungsholding PGZ sowie das Wojskowe Centralne Biuro Konstrukcyjno-Technologiczne, ein militärisches Entwicklungs- und Technologiezentrum.
2024 übernahm Stohid Technology vom ukrainischen Unternehmen Stohid die geistigen Eigentumsrechte an einer Bodendrohne, die im Krieg in der Ukraine eingesetzt wird. Das Fahrzeug wurde ursprünglich entwickelt, um die Evakuierung verwundeter Soldaten zu erleichtern. Gemeinsam gründeten beide Unternehmen Stohid Europe. Die ukrainischen Partner halten 49 Prozent der Anteile, die polnische Seite 51 Prozent.
Stohid Europe soll die Bodendrohne Wilk als unbemanntes Landsystem auf internationalen Märkten vermarkten. Ausgenommen ist der ukrainische Markt. "Im August haben wir mit dem Aufbau der technologischen Produktionslinie in einer Halle bei Ostrowiec Świętokrzyski begonnen. Im ersten Quartal 2026 starten wir mit der Produktion des Wilk, der auf Grundlage der Erfahrungen vom Schlachtfeld in der Ukraine entwickelt und entsprechend den Vorgaben der Inspektion für unbemannte Waffensysteme des polnischen Verteidigungsministeriums verbessert wurde. Unsere Lösung ist vielseitig einsetzbar und bietet unter anderem Unterstützung bei Feuerleitung und Aufklärung, perspektivisch auch bei Kampfeinsätzen", sagt Piotr Kisiel.
Jarosław Gromadziński, Generalleutnant der Reserve und Berater für internationale Märkte bei Stohid Technology, betont, die Bodenplattform könne die Anforderungen von NATO-Armeen erfüllen. Seiner Einschätzung nach ist das Segment unbemannter Bodenfahrzeuge in Europa bislang vergleichsweise wenig entwickelt. Viele Hersteller konzentrieren sich weiterhin hauptsächlich auf fliegende Drohnen.
Bodendrohne Wilk für Militär, Feuerwehr, Rettungsdienste und Polizei
Stohid Technology verfügt bereits über einen Prototypen. Das Unternehmen plante dessen Präsentation im September 2025 auf der Internationalen Messe für Verteidigungsindustrie MSPO in Kielce. Dort sollte auch eine Version für die Brandbekämpfung vorgestellt werden. Zudem war eine Präsentation des Wilk beim Wirtschaftsforum in Karpacz vorgesehen. Die Bodendrohne sollte zwischen dem dritten und vierten Quartal 2025 zertifiziert und von den polnischen Streitkräften getestet werden. Stohid Technology unterzeichnete außerdem eine Kooperationsvereinbarung mit dem polnischen Militärinstitut für Panzer- und Fahrzeugtechnik, das den Wilk ebenfalls prüfen sollte.
"Nach Abschluss der erforderlichen Verfahren beginnen wir sofort mit der Produktion. Wir verwenden keine chinesischen Komponenten, sondern setzen auf europäische und vor allem polnische Software, Optik, Automatisierungstechnik, Batterien und Sensoren. Die Funkgeräte liefert uns dagegen ein amerikanisches Unternehmen aus der Verteidigungsbranche", erklärt Kisiel.
Der Vorstandschef kündigt den Verkaufsstart für 2027 an. Die Produktionslinie soll eine Fertigung von bis zu 20 Fahrzeugen täglich ermöglichen. Versionen des Wilk für Logistik, Aufklärung und Drohnenabwehr sollen nach den Unternehmensplänen als erste Varianten aus der Fabrik rollen. Weitere Modelle sollen unter anderem mit Maschinengewehren und Granatwerfern ausgestattet werden. "Der Wilk ist eine universelle Plattform. Je nachdem, mit welcher Ausrüstung sie versehen wird, entsteht eine neue Fahrzeugvariante", sagt der Vorstandschef von Stohid Technology.
Das Unternehmen sieht zugleich erhebliches Potenzial für zivile Anwendungen. Erste Dual-Use-Versionen verfügen bereits über Systeme zur Brandbekämpfung. "Wir haben erste Dual-Use-Varianten mit Löschsystemen. Sie können von Feuerwehren eingesetzt werden", erklärt Kisiel. Nach Angaben des Unternehmens könnten die Fahrzeuge außerdem Förster bei der Überwachung großer Gebiete unterstützen. Auch Einsätze durch Polizei und Rettungsdienste in urbanen Gebieten seien denkbar. Für Stohid Technology besitzt der zivile Markt einen weiteren Vorteil. Produkte für Feuerwehren, Rettungsdienste oder andere zivile Nutzer unterliegen nicht denselben militärischen Beschaffungsverfahren, Ausschreibungen und mehrstufigen Tests wie Waffensysteme.
Parallel arbeitet das Unternehmen an der Vernetzung mehrerer Fahrzeuge. Die Bodendrohnen sollen zu modularen Verbänden zusammengeschlossen werden können, die auf dem Schlachtfeld unterschiedliche Aufgaben übernehmen. Einzelne Fahrzeuge könnten für Transport, Geländeaufklärung und Drohnenabwehr zuständig sein und perspektivisch auch Kampfverbände unterstützen. "Unser wichtigstes Ziel besteht darin, ein Kampfsystem für die polnischen Streitkräfte und die Länder an der NATO-Ostflanke bereitzustellen", sagt Kisiel.
Kommerzielles Potenzial sieht das Management jedoch auch außerhalb Europas, insbesondere im Nahen Osten. Stohid Technology plante eine Präsentation seiner Systeme auf der World Defense Show in Riad. Die entsprechende Messe fand vom 8. bis 12. Februar 2026 statt und zählt zu den bedeutenden internationalen Veranstaltungen der Verteidigungsindustrie in der Region.
Investor für Stohid Technology: Expansion, Drohnenzentrum und Perspektiven für Deutschland
Neben der Fahrzeugproduktion verfolgt Stohid Technology weitere Pläne. Gemeinsam mit einem litauischen Partner, der fliegende Drohnen für die dortigen Streitkräfte herstellt, baut das Unternehmen ein internationales Ausbildungszentrum für Bediener unbemannter Systeme auf. "Das Zentrum soll im Oktober seinen Betrieb aufnehmen. Außerdem denken wir gemeinsam mit unserem litauischen Partner über ein Servicezentrum für Bodenfahrzeuge und fliegende Drohnen nach", sagt Kisiel.
Wenn die Kommerzialisierung des Wilk gelingt, erwägt Stohid Technology langfristig einen Wechsel von NewConnect an den Hauptmarkt der Warschauer Wertpapierbörse GPW. "Ein solches Szenario ist innerhalb von drei bis fünf Jahren möglich, sobald unsere Produktion stabil läuft", erklärt Kisiel.
Zunächst beschäftigt sich das Unternehmen mit der Aufnahme eines strategischen oder finanziellen Investors. Ein entsprechender Schritt ist für den Zeitraum um den Jahreswechsel 2025/2026 vorgesehen. "Wir haben ein gutes Produkt. Nach einer erfolgreichen Präsentation auf den Verteidigungsmessen werden wir entscheiden, welches Geschäftsmodell wir verfolgen", sagt Kisiel. Aktuell finanziert sich Stohid Technology aus Eigenkapital und Darlehen.

