Fielmann-Aktie bricht nach gesenkter Prognose ein
Die anhaltende Konsumschwäche in Deutschland belastet den Optikerkonzern Fielmann stärker als bisher erwartet. Das Unternehmen hat deshalb seine Prognose für das laufende Jahr gesenkt. Anleger reagierten enttäuscht: Die Fielmann-Aktie fiel am Freitag zeitweise auf den niedrigsten Stand seit dem Frühjahr 2023.
Kurz nach dem Handelsstart sackte der Fielmann-Aktienkurs bis auf 37,95 Euro ab. Zuletzt notierte das Papier via Xetra als Schlusslicht im SDAX noch rund 6 Prozent im Minus bei 39,25 Euro. Damit steht die Fielmann-Aktie nach dem trüberen Geschäftsausblick deutlich unter Druck.
Fielmann senkt Umsatz- und Ergebnisziele
Verantwortlich für die schwächeren Erwartungen ist nach Angaben des Unternehmens die anhaltend maue Konsumstimmung im wichtigsten Markt Deutschland. Wie Fielmann am Donnerstag in Hamburg mitteilte, soll der Umsatz 2026 nun nur noch um zwei bis fünf Prozent auf 2,5 bis 2,55 Milliarden Euro steigen. Zuvor hatte der Optikerkonzern einen Umsatz zwischen 2,55 und 2,6 Milliarden Euro in Aussicht gestellt.
Auch beim bereinigten Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen fällt die Fielmann-Prognose vorsichtiger aus. Das bereinigte Ebitda soll nun zwischen 560 und 580 Millionen Euro liegen. Bislang hatte das Unternehmen mit 590 bis 610 Millionen Euro gerechnet.
Bereits Anfang Juli war Fielmann bei der Vorlage der vorläufigen Halbjahreszahlen zurückhaltender geworden und hatte für beide Kennziffern jeweils das untere Ende der bisherigen Zielspannen in Aussicht gestellt. Die erneute Anpassung des Ausblicks verschreckte den Markt nun jedoch deutlich.
Konsensschätzungen liegen über den neuen Zielen
Für die bereinigte Marge beim Ergebnis vor Steuern erwartet der Vorstand jetzt rund 12 Prozent. Zuvor lag die Zielspanne bei 12 bis 13 Prozent. Das bereinigte Vorsteuerergebnis dürfte sich entsprechend der angepassten Margenprognose entwickeln.
Einem Händler zufolge liegen die bisherigen Konsensschätzungen für den Umsatz und die bereinigte Ebitda-Marge knapp über den oberen Enden der neuen Prognosespannen. Dies erklärt, weshalb die Fielmann-Aktie nach der Veröffentlichung besonders deutlich nachgab. Für Investoren bedeutet die Anpassung, dass ihre bisherigen Erwartungen möglicherweise noch zu optimistisch angesetzt waren.
Beschleunigtes Wachstum im zweiten Halbjahr erwartet
Trotz der reduzierten Jahresziele hält Fielmann daran fest, im zweiten Halbjahr eine Beschleunigung des Umsatzwachstums zu erreichen. Als Treiber nennt das Unternehmen die verstärkte Expansion, zusätzliche Personalkapazitäten und Produktivitätssteigerungen. Diese Perspektive konnte die Anleger allerdings nicht besänftigen.
Branchenexperte Harrison Woodin-Lygo von der Privatbank Berenberg zeigte sich ebenfalls enttäuscht. Die Konsumschwäche in Deutschland sei bereits in dem im Juli gegebenen Ausblick der Fielmann-Führung berücksichtigt gewesen. Deshalb wiege die Prognosesenkung nur sechs Wochen später besonders schwer.
Der Experte verwies zugleich auf einen stabilisierenden Faktor: Dank seiner Internationalisierungsstrategie habe Fielmann die Abhängigkeit vom deutschen Heimatmarkt reduziert. Für den SDAX-Wert bleibt dennoch entscheidend, ob die geplante Wachstumsbeschleunigung tatsächlich eintritt. Bis dahin dürfte die schwache Nachfrage in Deutschland die Stimmung rund um die Fielmann-Aktie belasten.

