Polestar 5 fordert Porsche Taycan und Audi heraus
Der Polestar 5 ist das bislang teuerste und leistungsstärkste Auto der Marke. Er bietet eine echte Luxus-Rückbank wie in einer Staatslimousine und verschlingt mühelos Kilometer auf der Autobahn. Leider ist er aber nicht vollkommen. Das berichten unsere Kollegen von Borsen.
Polestar bringt sein neues Spitzenmodell auf den Markt, den Polestar 5. Der elektrische Grand Tourer soll gleichermaßen leistungsstark und luxuriös sein. Die Preise beginnen in Deutschland bei 118.600 Euro, die stärkere Performance-Version kostet mindestens 141.600 Euro. Damit tritt das Fahrzeug unter anderem gegen den Porsche Taycan, den Audi RS e-tron GT und den Lotus Emeya an. Die Preise entsprechen den aktuellen Angaben von Polestar Deutschland.
Der Polestar 5 verfügt über Allradantrieb, wurde in Schweden entworfen und wird in China mit einer völlig neuen Technik der Marke produziert. Die Karosserie besteht aus Aluminium, und die Batterie ist in die Konstruktion integriert, um die Verwindung zu reduzieren. Das Fahrwerk ist adaptiv und verfügt in der Performance-Version über magnetisch geregelte Dämpfer. Dadurch kann das Auto im Alltag ausreichend komfortabel sein und gleichzeitig eine straffere Abstimmung bieten, wenn es sportlicher zur Sache gehen soll.
Und die Balance zwischen Komfort und Sportlichkeit ist gut gelungen. Das 509 Zentimeter lange und 206 Zentimeter breite Auto schluckt Unebenheiten der Fahrbahn souverän. Aktiviert man die straffere Fahrwerksabstimmung, reduziert sich die Seitenneigung, sodass das Fahrzeug wie festgeklebt auf dem Asphalt liegt.
Das aerodynamische Design und die aktive Geräuschunterdrückung sorgen während der Fahrt für einen nahezu lautlosen Innenraum. Stattdessen kann man den Klang des fantastischen Bowers-&-Wilkins-Soundsystems mit 21 Lautsprechern genießen. Es gehört zu den besten Anlagen, die im Rahmen von Fahrzeugtests bislang ausprobiert wurden.
Wenn es ans Überholen geht, stehen grundsätzlich 748 PS zur Verfügung. Das Auto ist aber auch in einer leistungsstärkeren Performance-Version erhältlich, die in Deutschland mindestens 141.600 Euro kostet und hier getestet wird. Sie bietet 884 PS, die das Fahrzeug in 3,2 Sekunden von null auf 100 km/h katapultieren. Anschließend beschleunigt es weiter bis zur Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h.
Das ist eine gewaltige Beschleunigung, die einen in die fantastischen Recaro-Sportsitze presst. Diese verfügen über Heizung, Kühlung und Massagefunktion.
Auch auf einer Rennstrecke wurde das Auto kurz gefahren. Dort schlägt es sich ordentlich, wirkt aber größer und schwerer als ein Porsche Taycan. Mit einem Gewicht von 2,5 Tonnen ist es das auch.
Auf der Autobahn fühlt sich der Polestar 5 allerdings deutlich mehr zu Hause. Hier kann er mühelos viele Kilometer zurücklegen. Die Reichweite beträgt bis zu 678 Kilometer nach WLTP. Dieser Höchstwert gilt für die Version Dual Motor. Das getestete Performance-Modell erreicht laut deutschen Herstellerangaben bis zu 558 Kilometer.
Da die Plattform auf 800-Volt-Technik basiert und von Polestar selbst entwickelt wurde, lässt sich die 106 kWh große Batterie mit bis zu 350 kW laden. Der Ladevorgang von zehn auf 80 Prozent dauert damit nur 22 Minuten.
Minimalistischer Innenraum überzeugt, doch die Software macht Probleme
Wie in den anderen Fahrzeugen von Polestar dominiert auch hier ein minimalistisches Design den Innenraum. Dazu kommen schöne Oberflächen und eine hochwertige Verarbeitung. Holz, Metall, Leder und nur wenig kratzempfindlicher Klavierlack prägen das Ambiente.
Die Bedienung erfolgt hauptsächlich über den Touchscreen, der über eine neue Software verfügt. Das Menüdesign ist weitgehend genauso einfach aufgebaut wie bei den anderen Fahrzeugen der Marke.
Leider reagierte der Bildschirm während der Testwoche einige Male nicht auf Berührungen. Das ist die Gefahr bei neuen Autos mit neuer Software und besonders frustrierend, wenn praktisch alle Funktionen über den Touchscreen gesteuert werden.
Die Probleme verschwanden mitten in der Testwoche, obwohl das Auto kein Softwareupdate erhalten hatte.
Eine andere Schwierigkeit, die allerdings bestehen blieb, betraf die Fahrerassistenzsysteme. Das Auto verfügt sowohl über einen adaptiven Tempomaten als auch über einen aktiven Spurhalteassistenten. Theoretisch kann es damit einen Großteil der Fahraufgaben selbst übernehmen.
Auf acht von zehn Straßen funktionieren die Assistenzsysteme. Besonders auf Stadt- und Landstraßen zeigte sich während des Tests jedoch ein zögerliches Verhalten, vor allem beim Tempomaten.
Ohne erkennbaren Grund bremste das Auto aus Angst vor einer Kollision mit einem entgegenkommenden Fahrzeug. Dabei führte die Fahrt über eine offene Straße mit einer Mittellinie, und es bestand keinerlei unmittelbare Gefahr, mit dem Gegenverkehr zusammenzustoßen.
Das ist ärgerlich. Besonders deshalb, weil solche Fehler bei den Assistenzsystemen eines Porsche oder Audi nicht in gleicher Weise auftreten.
Elektrisch verstellbare Luxussitze machen den Polestar 5 zum Langstreckenauto
Wo der Polestar allerdings sowohl Porsche als auch Audi übertrifft, ist die Rückbank. Hier bietet der Testwagen zwei elektrisch verstellbare Luxussitze, wie man sie aus Staatslimousinen kennt. Beide verfügen über Heizung, Kühlung und Massagefunktion. Dank eines Radstands von mehr als drei Metern gibt es außerdem reichlich Kniefreiheit.
Hinzu kommen eine eigene Klimazone und ein guter Blick durch das große Panorama-Glasdach.
Polestar bietet deutlich mehr luxuriöse Serienausstattung als Porsche und Audi. Die beiden deutschen Hersteller lassen sich dafür stärker individualisieren, was den Preis allerdings schnell in die Höhe treibt.
Wer sich zwischen den beiden deutschen Modellen und dem neuen Polestar 5 entscheiden muss, wird mit dem Polestar garantiert mehr Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Während der Testwoche erntete das Auto mehr Blicke, als es in dieser Fahrzeugklasse normalerweise der Fall ist.
Die Garantie beträgt großzügige fünf Jahre beziehungsweise 200.000 Kilometer. Die Auslieferungen sollen laut dem dänischen Ausgangsbericht rund um den Jahreswechsel beginnen.
Für Deutschland ist der Polestar 5 bereits bestellbar. Der deutsche Online-Konfigurator nennt für eine aktuelle Bestellung eine voraussichtliche Lieferung im Januar oder Februar 2027.
Bedeutung für Deutschland
Für den deutschen Automobilmarkt ist der Polestar 5 vor allem wegen seiner Positionierung gegen den Porsche Taycan und den Audi RS e-tron GT interessant. Mit einem Einstiegspreis von 118.600 Euro und 748 PS bietet die elektrische Sportlimousine bereits in der Basisversion eine hohe Leistung. Das Performance-Modell kostet mindestens 141.600 Euro und leistet 884 PS.Damit greift Polestar ein Marktsegment an, in dem deutsche Premiumhersteller traditionell stark vertreten sind. Besonders interessant ist die Kombination aus luxuriöser Serienausstattung, großzügigem Platzangebot im Fond und hoher Ladeleistung. Allerdings zeigt der Test auch, dass leistungsfähige Assistenzsysteme und zuverlässige Software entscheidende Kriterien für Kunden im deutschen Premiumsegment sind. Gerade bei einem Fahrzeug dieser Preisklasse dürften technische Schwächen stärker ins Gewicht fallen als bei günstigeren Modellen.
Der Polestar 5 ist ein beeindruckender elektrischer Grand Tourer, der seine Stärken vor allem auf langen Autobahnfahrten ausspielt. Das komfortable Fahrwerk, die leise Kabine, die hochwertigen Materialien und das großzügige Platzangebot machen ihn zu einer ernsthaften Alternative zu Porsche und Audi. Die Performance-Version begeistert zusätzlich mit einer Leistung von 884 PS und einer Beschleunigung, die selbst sportliche Fahrer beeindrucken dürfte.
Vollkommen ist das Fahrzeug dennoch nicht. Der zeitweise unzuverlässige Touchscreen und die nervösen Assistenzsysteme trüben das ansonsten überzeugende Gesamtbild. Besonders bei einem Preis von mehr als 140.000 Euro sollten solche Schwächen nicht auftreten. Wenn Polestar diese Probleme behebt, könnte der Polestar 5 für die deutschen Premiumhersteller zu einem ernsthaften Konkurrenten werden.







