Politik

Protestführer rufen in Europa zum „zivilen Ungehorsam“ gegen den Corona-Lockdown auf

Auf dem gesamten europäischen Kontinent brechen Anti-Corona-Proteste aus. Protestführer rufen zum „zivilen Ungehorsam“ auf. Die Menschen haben offenbar die Grenze ihrer psychischen und physischen Belastbarkeit erreicht.
10.02.2021 15:11
Aktualisiert: 10.02.2021 15:11
Lesezeit: 3 min

„In ganz Europa haben Corona-Beschränkungen das Leben bis zur Unkenntlichkeit verändert. Von London bis Ljubljana und an den meisten Orten dazwischen wurden die Menschen in Innenräumen eingesperrt. Sie müssen enorme wirtschaftliche, erzieherische und gesundheitliche Opfer bringen. Aber unter den Menschen in Europa beginnt sich etwas zu regen. Auf dem gesamten Kontinent gab es eine Welle von Protesten - und in einigen Fällen Unruhen“, so das Magazin „Spiked“.

Mehr zum Thema: „Feuersturm“: Die großen Corona-Unruhen werden nach der Pandemie ausbrechen

In den Niederlanden gibt es einen nationalen Lockdown. Pubs, Bars und nicht unbedingt benötigte Geschäfte sind geschlossen. Es gibt auch eine Ausgangssperre um 21 Uhr, die durch Geldstrafen geahndet wird. Letzte Woche gab es über mehrere Tage hinweg Unruhen gegen diese Ausgangssperre. Mehrheitlich jugendliche Randalierer verbrannten Autos und bewarfen die Polizei mit Steinen, führt das Magazin aus (HIER). Das Magazin wörtlich: „Diese Unruhen haben dazu beigetragen, zwei Dinge aufzudecken: die wachsende Ungeduld der Öffentlichkeit im Zusammenhang mit den Corona-Einschränkungen einerseits und die Arroganz der herrschenden Elite andererseits.“

Der niederländische Finanzminister Wopke Hoekstra wies die wachsende Wut zurück. In Bezug auf demonstrierende und randalierende Menschen sagte er, dass es sich dabei um „Abschaum“ handeln würde. Die Zerstörung von Geschäften durch Demonstranten ist falsch und die Plünderungen sollten verurteilt werden. Die Gewalt deutet jedoch auf eine wachsende Frustration unter den Menschen in Europa hin.

Auch in Frankreich braut sich eine große Unzufriedenheit zusammen. Emmanuel Macron scheint sich vorerst gegen einen nationalen Lockdown entschieden zu haben. Macrons Entscheidung gegen einen neuen nationalen Lockdown könnte eine Reaktion auf eine Warnung des Ex-Innenministers Christophe Castaner gewesen sein. Castaner sagte kürzlich, dass ein neuer nationaler Lockdown zu erheblichem „zivilen Ungehorsam“ führen könnte. In der Zwischenzeit wurden am vergangenen Wochenende 24 Restaurants in Paris von der Polizei durchsucht, nachdem sie illegal geöffnet hatten. Der Widerstand der Bevölkerung gegen Freiheitsbeschränkungen ist zu einer Bedrohung geworden, die die französische Regierung nicht länger ignorieren kann.

Mehr zum Thema: Corona-Jahr 2021: Neue Unruhen, Finanz-Crash und Amokläufe

In Brüssel verhaftete die Polizei am Wochenende über 200 Menschen bei einem Anti-Lockdown-Protest. „Wir erinnern Sie daran, dass es keine Erlaubnis gibt, diesen Sonntag zu demonstrieren“, twitterte die Stadtpolizei. Im Zeitalter von Corona ist öffentlicher Protest nur mit Zustimmung des Staates erlaubt.

In Budapest versammelten sich Demonstranten, um ihre Einwände gegen die Corona-Regeln zu zeigen. Schließlich kam es in Ungarn zu einem massiven Einbruch in der Tourismus-Branche, der wichtig ist für die ungarische Wirtschaft. Aktivisten forderten Restaurantbetreiber auf, ihre Geschäfte zu öffnen. Der Protestorganisator Aron Ecsenyi sagte: „Jedes Werkzeug, das wir bisher verwendet haben, ist erschöpft, daher sollte ab sofort jedes Geschäft im Geiste des zivilen Ungehorsams eröffnet werden“.

In Polen führte die Polizei eine Razzia in einem Nachtclub durch, der illegal eröffnet worden war. Dabei benutzten die Beamten Tränengas, um die Menschen aus den Räumlichkeiten zu verdrängen.

Währenddessen hat das gescheiterte Impfprogramm der EU das Vertrauen der Öffentlichkeit in ihre Regierungen beeinträchtigt. „Ist es also wirklich eine Überraschung, dass die Leute auf die Straße gehen? In ganz Europa hat eine große Anzahl von Menschen die Grenze der Belastbarkeit erreicht. Die Corona-Maßnahmen haben die Wirtschaft und den Lebensunterhalt zerstört und die Menschen in die Armut getrieben. Gewöhnliche Menschen wurden angewiesen, große Opfer zu bringen, von denen einige einfach zu groß sind, um sie zu ertragen“, so „Spiked“.

Die EU müsse dem Magazin zufolge ihr Impfstoffprogramm ordnen. Und die nationalen Regierungen müssen klare Pläne für die Wiedereröffnung der Gesellschaft in naher Zukunft ausarbeiten. „Sonst wächst der Ärger“, so „Spiked“.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Bundesbank: Mini-Wachstum im Frühjahr trotz Iran-Krieg
28.07.2026

Trotz des Iran-Kriegs und steigender Energiepreise bleibt die deutsche Wirtschaft stabil. Wie Verbraucher und Industrie dem Gegenwind...

DWN
Finanzen
Finanzen 20.000 Euro für Loyalität: Warum ASML Mitarbeiter halten will
28.07.2026

Das niederländische Unternehmen ASML spielt eine entscheidende Rolle für die weltweite Chip-Produktion, seine Aktie ist jedoch bereits...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Firmen streichen Ausbildungsplätze
28.07.2026

Immer weniger Ausbildungsplätze treffen auf immer weniger Bewerber. Das ist aber sowohl für Betriebe als auch für junge Menschen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Deutsche Wirtschaft schlägt Alarm: Hohe Energiekosten treiben Unternehmen ins Ausland
28.07.2026

Deutschlands Unternehmen kämpfen weiter mit hohen Energiekosten. Was zunächst wie ein kurzfristiges Problem erschien, entwickelt sich...

DWN
Finanzen
Finanzen Kreditkarten vor dem Aus: Mastercard plant den radikalen Umbau
28.07.2026

Kreditkartennummern könnten beim Onlinekauf schon bald der Vergangenheit angehören. Mastercard will Europas digitale Zahlungen bis 2030...

DWN
Technologie
Technologie RWE baut Mega-Speicher im Tagebau Hambach
28.07.2026

RWE verwandelt den Tagebau Hambach zunehmend in einen Standort für erneuerbare Energien. Ein neuer Großbatteriespeicher soll künftig...

DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis aktuell: Edelmetall fällt vor Fed-Entscheid Richtung 4.000 Dollar – wie geht es weiter?
28.07.2026

Der Goldpreis steht am Dienstag unter Druck. Vor der Fed-Zinsentscheidung rückt er wieder näher an die Marke von 4.000 Dollar. Anleger...

DWN
Finanzen
Finanzen KI-Aktien: Warum der Ausverkauf für Anleger zur großen Chance werden könnte
28.07.2026

Billionen Dollar Börsenwert sind verschwunden, Technologiekonzerne stürzen ab und die Angst vor einer platzenden KI-Blase wächst. Doch...