Finanzen

Inflationsschock in den USA: Verbraucherpreise steigen um 4,2 Prozent

Die Furcht vor einer höheren Inflation lastet seit Tagen auf den Aktienmärkten. Nun meldet das Arbeitsministerium die höchste Inflationsrate seit 2008.
12.05.2021 15:40
Aktualisiert: 12.05.2021 15:40
Lesezeit: 2 min

Die Inflation in den USA hat im April stark zugelegt. Gegenüber dem Vorjahresmonat stiegen die Lebenshaltungskosten um 4,2 Prozent, wie das Arbeitsministerium am Mittwoch in Washington mitteilte. Das ist die höchste Rate seit September 2008. Im März hatte die Rate mit 2,6 Prozent noch wesentlich niedriger gelegen. Analysten hatten zwar mit einem Anstieg gerechnet, aber nicht in diesem Ausmaß. Im Schnitt wurde eine Rate von 3,6 Prozent erwartet.

Nicht nur auf Jahressicht, auch gegenüber dem Vormonat stiegen die Verbraucherpreise mit 0,8 Prozent kräftig. Dies war viermal so stark wie von Analysten erwartet. Besonders stark legten im Monatsvergleich die Preise für gebrauchte Autos und Lastkraftwagen zu.

Im Jahresvergleich erhöhten sich die Preise für Energie besonders kräftig. Dies ist auch eine Folge ihres schweren Einbruchs während der ersten Corona-Welle vor etwa einem Jahr. Die Kerninflation ohne Energie und Lebensmittel betrug 3,0 Prozent. Im Monatsvergleich stiegen die Kernpreise um 0,9 Prozent, das ist der stärkste Zuwachs seit dem Jahr 1982.

In einer vorausschauenden Betrachtung vom 7. Februar 2021 hatten die Deutschen Wirtschaftsnachrichten ausgeführt: „Durch die Niedrigzinspolitik der EZB konnte der deutsche Staat seinen Haushalt sanieren. Die USA werden hingegen als neues Vehikel die Inflation dazu nutzen, um ihren Staatshaushalt zu sanieren. Die direkten Zahlungen an die US-Haushalte werden eine inflationäre Phase einleiten, die später zu einer Hyperinflation führen könnte (Mehr HIER).“

Bankvolkswirte kommentierten die Zahlen einerseits mit kühlem Kopf, andererseits warfen sie wichtige Fragen auf. Thomas Gitzel, Chefökonom der VP Bank, nannte zahlreiche Sondereffekte, die die Inflation nach oben treiben. Dazu gehörten neben dem Energiepreiseinbruch vor etwa einem Jahr die umfassenden Corona-Beschränkungen während der ersten Corona-Welle.

Die Volkswirte von Capital Economics nannten vor allem zwei Gründe für den Teuerungsschub. Zum einen profitiere die US-Wirtschaft von weniger Corona-Beschränkungen, was auch die Preise treibe. Zum anderen wiesen die Experten auf Angebotsengpässe hin, die ebenfalls preistreibend wirkten. Schon seit längerem steigen die Preise vieler Rohstoffe und Vorprodukte, weil es zahlreiche Probleme in den internationalen Lieferketten gibt.

Obwohl die Zielinflation der US-Notenbank Fed von zwei Prozent mittlerweile klar übertroffen wird, hat die Fed bereits signalisiert, auf den Preisanstieg nicht zu reagieren. Sie betrachtet die Entwicklung größtenteils als übergangsweises Phänomen. Entscheidend für die Sichtweise der Fed dürfte die Lohnentwicklung sein. "Ob die Inflation dauerhaft anzieht, wird vor allem davon abhängen, ob die Lohnkosten weiterhin nur moderat zunehmen", sagten Ökonomen der Commerzbank.

An den Finanzmärkten fielen die ersten Reaktionen auf die Daten heftig aus, sie waren aber teils nur kurzlebig. Der Euro geriet zunächst unter Druck, stabilisierte sich aber recht bald wieder. Der Goldpreis legte ebenfalls nur kurzzeitig zu. Der deutsche Aktienindex Dax geriet nur vorübergehend unter Druck. Die Renditen von US-Staatsanleihen stiegen dagegen deutlich an. In den vergangenen Tagen haben die Inflationserwartungen an den Finanzmärkten kräftig zugelegt, was die Renditen mit nach oben zieht.

Mehr zum Thema:

Deutsche Inflationsrate steigt auf Zweijahreshoch

Inflation im Anmarsch: Bauindustrie kündigt steigende Preise an

Inflationswarnung: Stärkster Anstieg der Erzeugerpreise seit 10 Jahren

Euro-Inflationserwartung auf höchstem Stand seit Ende 2018

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen

Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsen im Überblick: Chip-Aktien bescheren der Wall Street das beste Quartal seit 2020
30.06.2026

Erfahren Sie, welche Triebkräfte den US-Markt zu neuen Höhen verhalfen und welche Aktien jetzt die Trends setzen.

DWN
Politik
Politik Nato-Abschreckung an der Ostflanke: Neues Hauptquartier
30.06.2026

Macht Europa genug für seine militärische Sicherheit? Deutschland und die Niederlande wollen im Baltikum ein Zeichen für mehr...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Fallende Ölpreise und Tankrabatt: Inflation sinkt deutlich
30.06.2026

Die Inflation verliert überraschend an Tempo, weil Ölpreise fallen und der Tankrabatt die Spritkosten drückt. Doch die Entlastung...

DWN
Politik
Politik Arzneimittelpreise: Warum Berlin plötzlich für Amerikas Pillenproblem zahlen soll
30.06.2026

Donald Trump verspricht den Amerikanern billigere Medikamente, doch die Rechnung dafür könnte in Europa landen. Nach Großbritannien...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Monatlich 15.000 Arbeitslose aus der Industrie
30.06.2026

Es geht weiter bergab mit der deutschen Industrie. Tausende von Menschen in der Branche verlieren monatlich ihren Job - ohne Aussicht auf...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Bahn muss Trassen abgeben
30.06.2026

Die Deutsche Bahn verliert auf wichtigen Fernverkehrsstrecken exklusiven Zugriff auf begehrte Trassen. Die Bundesnetzagentur stärkt neue...

DWN
Politik
Politik EU zahlt Milliarden: Ukraine rüstet Drohnen auf
30.06.2026

Nach monatelanger Blockade floss vergangene Woche erstmals Geld aus dem riesigen EU-Hilfskredit an die Ukraine. Jetzt stellt die EU weitere...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Aufhebungsvertrag wegen Personalabbau: Die wichtigsten Fakten
30.06.2026

Personalabbau ist auf Grund der schlechten wirtschaftliche Lage derzeit für viele Unternehmen ein Thema. Maßnahmen sind häufig...