Panorama

Guyana: Exxon Mobile größter Profiteur vom neuen Öl-Hotspot

Das kleine südamerikanische Land Guyana hat sich in einem rasanten Tempo zu einem der heißesten Ölgebiete der Welt entwickelt. Größter Profiteur ist der US-Energieriese Exxon Mobile.
07.10.2022 16:31
Aktualisiert: 07.10.2022 16:31
Lesezeit: 3 min
Guyana: Exxon Mobile größter Profiteur vom neuen Öl-Hotspot
Das kleine südamerikanische Land Guyana hat sich in kurzer Zeit zu einem Öl-Hotspot entwickelt. (Foto: iStock.com/PeterHermesFurian) Foto: PeterHermesFurian

Das verarmte, winzige südamerikanische Land Guyana hat sich zu einem der größten Ölproduzenten des amerikanischen Kontinents entwickelt und ist auf dem besten Weg, ein weltweit führender Energieexporteur zu werden. Energieriese Exxon Mobile hat die Potentiale des Landes früh erkannt und sich seinen Anteil früh gesichert. Seit 2015 hat ein von Exxon Mobil geführtes Konsortium im 6,6 Millionen Hektar großen Stabroek-Block vor der Küste Guyanas eine ganze Reihe hochwertiger Ölfunde gemacht, von denen der letzte im Juli 2022 bekannt gegeben wurde. Schätzungen zufolge haben diese Funde fast elf Milliarden Barrel förderbare Ölressourcen im Stabroek-Block aufgedeckt und weitere Ölfunde werden noch folgen.

Guyanas Rohöl billig und einfach zu produzieren

Exxon, der Betreiber, dem 45 % des Blocks gehören, während Hess 30 % und CNOOC die restlichen 25 % halten, entwickelt den Stabroek-Block in rasantem Tempo. Das Liza-Ölfeld im Südosten des Blocks pumpt derzeit rund 360.000 Barrel Rohöl pro Tag von zwei schwimmenden Produktions-, Lager- und Entladungsschiffen (FPSO), Liza Destiny und Liza Unity.

Das aus dem Liza-Feld gepumpte Erdöl ist laut Exxon Mobile leicht und mit einem geringen Schwefelgehalt. Das bedeutet, dass Rohöl der Sorte Liza billiger und einfacher zu produzieren und zu hochwertigen Kraftstoffen zu raffinieren ist, was zu einer geringeren CO2-Bilanz im Vergleich zu schwereren, sauren Sorten führt, insbesondere zu denen, die im benachbarten Venezuela gefördert werden.

Infolgedessen ist das vor der Küste Guyanas entdeckte und geförderte Öl besonders attraktiv für globale Energieunternehmen, die unter erheblichem Druck stehen, ihre Emissionen deutlich zu senken und ihre Tätigkeiten zu dekarbonisieren. Die niedrigen Kosten der Branche, die sich im prognostizierten durchschnittlichen Break-even-Preis von 35 US-Dollar pro Barrel widerspiegeln, machen das zutiefst verarmte Land zu einem der kostengünstigsten und damit profitabelsten Gebiete in Lateinamerika. Diese Faktoren haben dazu geführt, dass Offshore-Guyana von Brancheninsidern als das spannendste Ölfördergebiet der Welt bezeichnet wird. Dies führt zu einem noch größeren Investitionszufluss ausländischer Energieunternehmen in Guyanas Kohlenwasserstoffsektor.

Exxon Mobile unter heftiger Kritik

Im November 2020, als der Preis für die Sorte Brent bei etwa 45 Dollar pro Barrel lag, gab Exxon bekannt, dass Guyana neben dem Permian Basin und Brasilien aufgrund des beträchtlichen Potenzials des Landes bei Investitionen Priorität genießt. Die laufende Ausbeutung des Stabroek-Blocks durch Exxon wird eine wichtige Rolle bei den Plänen des Unternehmens spielen, seine Aktivitäten aggressiv zu dekarbonisieren, nachdem es für seine Ignoranz gegenüber den Gefahren des Klimawandels heftig kritisiert wurde.

Aus diesen Gründen treibt Exxon die Erschließung des Stabroek-Blocks und die Explorationsaktivitäten in anderen Blöcken voran, an denen das Unternehmen vor der Küste Guyanas beteiligt ist. Im Jahr 2021 kündigte der Energieriese an, dass er zwischen 2022 und 2027 20 bis 25 Mrd. US-Dollar für Investitionen ausgeben will, wobei 60 % dieser Investitionen in Guyana, Brasilien, die Permian-Region und sein LNG- sowie Chemiegeschäft fließen sollen.

Exxon hat in Guyana schon zwei neue Prokjekte in der Pipeline. Das Payara-Projekt mit einer Kapazität von 220.000 Barrel pro Tag befindet sich derzeit in der Entwicklungsphase und liegt etwa fünf Monate vor dem Zeitplan, so dass die Produktion noch vor Ende 2023 aufgenommen werden soll. Exxon treibt auch das Yellowtail-Projekt voran, das voraussichtlich im Jahr 2025 mit einer Kapazität von 250.000 Barrel pro Tag in Betrieb gehen wird. Mit der Fertigstellung von Payara und Yellowtail wird der Stabroek-Block bis Ende 2025 mindestens 810.000 Barrel pro Tag produzieren, möglicherweise sogar mehr.

Ölressourcen auf mehrere Milliarden Barrel geschätzt

Branchenanalysten gehen davon aus, dass Guyana bis 2027 täglich mindestens eine Million Barrel Rohöl fördern wird, wobei einige glauben, dass diese Zahl noch höher liegen könnte, nämlich bei 1,2 Millionen Barrel. Damit würde Guyana Kolumbien überholen und zum drittgrößten Erdölproduzenten in Lateinamerika und der Karibik aufsteigen.

Jüngste Entdeckungen in dem Becken sowie Schätzungen des Kohlenwasserstoffpotenzials deuten laut Oilprice darauf hin, dass die förderbaren Ölressourcen vor der Küste Guyanas und Surinams zusammen mehr als 18 Milliarden Barrel Öläquivalent betragen. Diese Zahl ist deutlich höher als die vom U.S. Geological Survey im Jahr 2012 geschätzten durchschnittlichen 13,6 Milliarden Barrel unentdeckter Ölressourcen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Damit Sie sich auf Ihr Unternehmen konzentrieren können

Ein Unternehmen zu führen, bedeutet, täglich Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig soll möglichst...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Technologie
Technologie Farizon V7E im Test: Chinas Angriff auf Europas Transporter
19.10.2026

Europas Transporterhersteller bekommen Konkurrenz aus China. Der Farizon V7E will mit viel Ladefläche, moderner Technik und einem...

DWN
Finanzen
Finanzen Einkommens-Vergleich: Wann man in Deutschland reich oder arm ist
19.10.2026

Ab wann gehört jemand zur Mittelschicht und wo beginnt Reichtum? Mit einem Rechner des IW Köln können Verbraucher ermitteln, wo sie...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Hohe Kerosinkosten: Eurowings streicht Flüge und prüft Kurzarbeit
19.10.2026

Brandbrief an Mitarbeiter: Die Dubai-Flüge ab Köln und Stuttgart sind bereits gestrichen, weitere Einschnitte im Winterflugplan folgen....

DWN
Politik
Politik Neue Kandidaten für die Atombombe: Welches Land könnte die zehnte Atommacht werden?
19.10.2026

Iran steht einer eigenen Atomwaffe am nächsten, Saudi-Arabien baut ein Atomprogramm auf, technologisch überraschen dagegen Japan und...

DWN
Technologie
Technologie Elektromobilität: Wo Elektroautos besonders boomen
19.10.2026

Förderung, breitere Auswahl und die hohen Spritpreise treiben die Elektroautoneuzulassungen in Deutschland. In zwei Bundesländern fährt...

DWN
Politik
Politik Midterms: Trump geht auf Putin zu - Verständigung trotz Ukraine-Krieg
19.10.2026

Trump ist Selenskyj schon oft in den Rücken gefallen, in seinem aktuellen Kurs sehen einige Experten eine neue Qualität. Gibt der...

DWN
Politik
Politik Experte: Trumps neue Grönland-Ankündigung dreht sich um etwas ganz anderes
19.10.2026

Donald Trump kündigt eine großangelegte Suche nach Öl, Gas und kritischen Mineralien in Grönland an. Doch zwei Experten bezweifeln,...

DWN
Politik
Politik Heil statt Klingbeil? Ex-Arbeitsminister schließt Kandidatur für SPD-Vorsitz nicht aus
18.10.2026

Bekommt Lars Klingbeil jetzt Konkurrenz? Ex-Arbeitsminister Hubertus Heil bekommt nach eigenen Worten aus der SPD viele Ermutigungen, für...