Unternehmen

Insolvenzverschleppung: Ermittlungen gegen Galeria beendet

Der insolvente Warenhauskonzern Galeria Karstadt Kaufhof kann sein Insolvenzverfahren ohne Altlasten angehen. Die Staatsanwaltschaft Bochum beendet die Ermittlungen wegen Insolvenzverschleppung.
17.01.2023 11:23
Aktualisiert: 17.01.2023 11:23
Lesezeit: 2 min

Galeria Karstadt Kaufhof kann im Rahmen seines Insolvenzverfahrens einmal aufatmen. Das Unternehmen hatte im November 2022 Insolvenz angemeldet und ein Schutzschirmverfahren beantragt. Nun wurde bekannt, dass die Staatsanwaltschaft Bochum die Ermittlungen gegen verantwortliche Manager von Galeria wegen des Anfangsverdachts der Insolvenzverschleppung aus dem Jahr 2020 eingestellt hat.

Der Tatverdacht bestätigte sich nicht

Die Staatsanwaltschaft und das Unternehmen gaben auf Anfrage der Lebensmittelzeitung an, dass das Verfahren aus dem Frühjahr 2020 eingestellt worden sei. Das Ermittlungsverfahren stammt aus der Zeit mit dem ersten Schutzschirmverfahren. Eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Bochum begründete: „Die Ermittlungen sind Ende 2022 mangels hinreichenden Tatverdachts beendet worden“. Die Ermittlungen zogen sich insgesamt über zwei Jahre hin. Zunächst hatte die Staatsanwaltschaft Essen den Fall übernommen. Mitte 2021 leitete die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen an die Behörde in Bochum weiter. Die Staatsanwaltschaft Bochum gehört zu den Schwerpunktstaatsanwaltschaften im Bereich Wirtschaftskriminalität in NRW.

Das Ermittlungsverfahren kam durch eine Einzelperson zu Stande. Die Staatsanwaltschaft Essen musste daraufhin nach Eingang der Anzeige die Ermittlungen starten. Der Urheber der Anzeige definierte seinen Verdacht der Insolvenzverschleppung mit dem Vorwurf, Galeria hätte vermeintlich schon vor Beginn des Schutzschirmverfahrens 2020 vereinzelt Abfindungen und Sozialabgaben nicht komplett gezahlt. Der Verfasser selbst sah sich um seine Abfindung betrogen.

Schon zu Beginn der Ermittlungen Zweifel

Schon zu Beginn der Ermittlungen kamen große Zweifel bei Insidern der Materie auf, ob sich der Anfangsverdacht bestätigen lässt. Das Unternehmen selbst wies über den Anwalt alle Beschuldigungen von sich und stellte klar, dass die Vorwürfe falsch seien. Man versuchte auch aus Sorge Medienberichte über die Anzeige zu stoppen. Trotz diesen Bedingungen wurde der Fall öffentlich und sorgte für Gesprächsstoff, da der Konzern gerade erst die Zusage für staatliche Finanzspritzen in der Höhe von 460 Millionen Euro bekommen hatte.

Der Sanierungsplan für Galeria Karstadt Kaufhof muss derweil bis Ende des Monats vorliegen. Erste Details zu dem Plan wurden in den letzten Tagen bekannt. Laut Medienberichten will man sich bei Galeria in Zukunft viel lokaler organisieren. Die jeweiligen Filialen sollen also demzufolge mehr Entscheidungskompetenzen bekommen. Ganz neu sind diese Pläne nicht. Zwar gilt der Vorgänger des Konzerns, Karstadt als sehr zentral geführt, Galeria hingegen war hingegen dezentral organisiert. Die Tatsache, dass die Häuser des Konzerns zukünftig mehr Berechtigungen bekommen sollen, um ihr Angebot intensiver auf den einzelnen Standort vermarkten zu können, war bereits in der Vergangenheit mehrmals kommuniziert worden.

Multilabel-Kette Aachener offenbar interessiert an Filialen

Über die Sanierungsdetails im Einzelnen ist auch noch wenig bekannt. So steht noch nicht genau fest, mit welchen Beeinträchtigungen das Unternehmen letztendlich kämpfen muss. Interne Planungen haben ergeben, dass nur etwa 40 der 131 Häuser von Galeria Karstadt Kaufhof eine Bestandsgarantie besitzen. Mitte Dezember war bekannt geworden, dass bis zu 90 Filialen könnten von einer Schließung betroffen sein könnten. Es heißt jedoch unter Insidern, dass es nicht zu 90 Schließungen kommen wird, realistischer ist ihnen, dass sich das Filialnetz um rund die Hälfte reduziert.

Was eine Übernahme einiger Filialen angeht, fällt der Fachzeitschrift „Textilwirtschaft“ zufolge der Name Friedrich-Wilhelm Göbel. Der ehemalige Sinn-Manager ist seit 2022 mit seiner Multilabel-Kette Aachener erfolgreich und soll sich in Gesprächen mit der Geschäftsführung von Galeria über die Übernahme mehrere Filialen befinden. Die Modekette Sinn hatte der Lebensmittelzeitung zufolge bereits Interesse an der Übernahme einiger Filialen geäußert. Es besteht also eine gewisse Hoffnung für einige Standorte.

Göbel hatte gegenüber „Textilwirtschaft“ im November 2022 als Reaktion auf das Schutzschirmverfahren bei Galeria erklärt, dass Filialen des Konzerns für andere Marktteilnehmer interessant sein könnten: „Galeria hat das Privileg unter dem Schutzschirm, die Dinge so aufzustellen, dass ein erfolgreiches Unternehmen entsteht. Das gilt es abzuwarten. Eventuell ergeben sich Situationen, in denen die Entscheidungen bei Galeria mit den Interessen anderer Marktteilnehmer parallel laufen“.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen

 

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Tarifjahr 2026: Lohnrunden unter wachsendem Druck
21.02.2026

Rund zehn Millionen Beschäftigte verhandeln 2026 neue Tarifverträge, denn in zahlreichen Schlüsselbranchen laufen Entgelttarifverträge...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Gehaltsverhandlungen: Welche Faktoren entscheiden über den Erfolg?
21.02.2026

Der Spielraum für Gehaltsverhandlungen schrumpft in einem sich beruhigenden Arbeitsmarkt, während die Erwartungen an Vergütung und...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Leapmotor C10 im Praxistest: Günstiger Elektro-SUV im Tesla-Vergleich
21.02.2026

Der elektrische Leapmotor C10 ist rund sechstausend Euro günstiger als ein Tesla Model Y, die Hybridvariante C10 REEV liegt preislich...

DWN
Politik
Politik Cum-Ex-Skandal: Kronzeuge Steck im DWN-Interview – wie Banken deutsche Gesetze mitschrieben
21.02.2026

Cum-Ex gilt als größter Steuerskandal der deutschen Geschichte. Doch wie konnte es passieren, dass ausgerechnet Banken beim Schreiben der...

DWN
Politik
Politik Cum-Ex-Skandal: Kronzeuge Steck im DWN-Interview – der Betrug, den Politik und Banken gemeinsam möglich machten
21.02.2026

Zehn Milliarden Euro Schaden, tausende Beschuldigte – und bis heute keine politische Verantwortung. Der Cum-Ex-Kronzeuge und Autor Dr....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Europa reformiert Lkw-Maut 2026: Höhere Tarife und neue CO2-Regeln
21.02.2026

Europas Lkw-Maut wird 2026 umfassend reformiert, viele Staaten erhöhen Tarife und stellen auf CO2-basierte Kilometerabrechnung um. Welche...

DWN
Finanzen
Finanzen Abkehr vom Dollar: Trumps Politik treibt Kapital nach Europa
21.02.2026

Jahrelang galt der Dollar als sicherer Hafen und US-Aktien als alternativlos. Doch geopolitische Spannungen, Trumps Handelspolitik und ein...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsen: Entscheidung des Obersten Gerichtshofs der USA beflügelt die Wall Street
20.02.2026

Die Wall Street beendete den Handelstag am Freitag mit Gewinnen, nachdem der Oberste Gerichtshof der USA die von Präsident Donald Trump...