Finanzen

Online-Bezahlmethoden: Deutsche Bürger sind erstaunlich digitalaffin

Eine neue Studie überrascht: Entgegen landläufiger Meinungen sind die Deutschen neuen Online-Bezahlungsmethoden gegenüber durchaus aufgeschlossen – sogar im europäischen Vergleich. Im Detail zeien sich aber Widersprüche in den Bezahlvorlieben der Verbraucher.
31.03.2024 14:16
Lesezeit: 4 min

Deutsche sind gemeinhin für ihre Vorliebe der Barzahlung, des Sparens und für eher züruckhaltendes Ausgabeverhalten bekannt. Es heißt auch, dass sie neuen digitalen Zahlungsmethoden skeptisch gegenüberstehen - vor allem ältere Leute. Stimmt das oder handelt es sich nur um Vorurteile beziehungsweise falsche Verallgemeinerungen?

Eine neue Studie des Zahlungs-Dienstleisters Brite Payments“ überrascht: Demzufolge sind 40 Prozent der deutschen Verbraucherinnen und Verbraucher offen dafür, neue digitale Zahlungsmethoden auszuprobieren. Innerhalb Europas wird diese Zahl lediglich von Spanien (50 Prozent) und den Niederlanden (41 Prozent) übertroffen. In Frankreich zum Beispiel sind die Menschen reservierter, nur 33 Prozent zeigen sich offen gegenüber neuen Online-Bezahlmodellen. In Großbritannien, dem Gründungsland der ersten Neobanken wie Revolut, sind es 34 Prozent.

Die Brite-Studie untersuchte Trends und Zahlungspräferenzen in sechs europäischen Schlüsselländern (Deutschland, Frankreich, Spanien, Großbritannien, Niederlande, Finnland) und wurde in Zusammenarbeit mit dem Umfrageinstitut „YouGov“ durchgeführt.

Ältere Menschen in Deutschland offen für digitales Bezahlen

Wenig überraschend sind jüngere Menschen offener für neue Zahlweisen. In der deutschen Generation Z (18-29 Jährige) sind mit 51 Prozent knapp mehr als die Hälfte aufgeschlossen gegenüber Online-Zahlungsmethoden – in Großbritannien mit 44 Prozent und Finnland mit 40 Prozent ist die junge Generation erstaunlich konservativ. Der Anteil der Onlinezahlungs-Verweigerer ist dafür hierzulande mit 28 Prozent am größten, noch vor Frankreich mit 27 Prozent.

Auch unter den Über-40-Jährigen erweisen sich die Deutschen als unerwartet technologieoffen und immerhin noch 37 Prozent der Befragten in der Altersgruppe der Über-60-Jährigen gaben an, dass sie bereits wären, neue digitale Zahlweisen auszuprobieren. In der älteren Bevölkerung sind die Niederlande Spitzenreiter, da die Aufgeschlossenheit dort auch im höheren Alter kaum abnimmt.

Zudem legen die Niederlande als einziges Land in der Befragung nicht die höchste Priorität auf Sicherheit, wenn sie eine Zahlungsmethode auswählen. Für sie stehen die Einfachheit der Nutzung und die Schnelligkeit des Geldtransfers an erster und zweiter Stelle. Erst auf Platz drei folgt die Sicherheit. Bei der Wahl des Zahlungsanbieters legen deutsche Verbraucher wie erwartet besonderen Wert auf Sicherheit und Schnelligkeit.

Lesen Sie dazu: Welche Bezahlmethode im Internet ist die sicherste?

Deutsche zahlen beim Onlinekauf lieber mit Wallet als mit Karte

Digitale Geldbörsen (Wallets), wozu zum Beispiel „Google Pay“ zählt, sind in Deutschland beliebt – 27 Prozent zahlen auf diesem Weg mindestens einmal pro Woche, 26 Prozent monatlich. Der Anteil der Nutzer, die nie mit Wallet zahlen, ist hierzulande mit 31 Prozent so niedrig wie in keinem anderen der untersuchten Staaten.

Bei Bezahlkarten ergibt sich hingegen ein umgekehrtes Bild. Zwar sind die Karten von Visa, Mastercard und Co. nicht nur digital, sondern auch physisch nutzbar, aber ihre geringe Verbreitung für Digitalzahlungen widerspricht den obigen Erkenntnissen ein wenig. Sowohl bei Kredit- als auch bei Debitkarten belegt Deutschland in der Studie den letzten Platz. 44 Prozent der Befragten nutzt online keine Kreditkarten, 33 Prozent vertrauen (auch) nicht auf Debitkarten. Am geringsten ist die Ablehnung in Finnland. Am häufigsten genutzt werden Karten für Internet-Zahlungen in Spanien und Großbritannien.

Selektiv zeigt sich also durchaus eine Skepsis der Deutschen gegenüber Digitalzahlungen und insgesamt wirken ihre Bezahlvorlieben etwas inkonsistent. Einserseits seien die deutschen Verbraucher viel aufgeschlossener als man erwarten würde, andererseits „aber auch Urdeutsch, weil die Meisten am liebsten Bargeld in der Hosentasche haben“, sagt Lena Hackelöer, Gründerin und CEO von Brite Payments. „Hier sind digitale und bargeldlose Zahlungen weit weniger etabliert, denn auch der Besitz einer Kreditkarte ist in Deutschland kein Standard.“

Generation Z: Sicherheitsbewusst und verantwortungsvoll

Ein besonders interessantes Ergebnis der Studie betrifft die Generation Z. Entgegen dem Klischee, sie sei in Geldangelegenheiten leichtsinnig, legt die Generation Z großen Wert auf Sicherheit bei Zahlungsmethoden – ein Bewusstsein, das sie mit der vorherigen Babyboomer-Generation teilt. Ein überraschendes Detail ist die Bedeutung von Kundensupport. Im Vergleich zu älteren Generationen legen die 18 bis 29-jährigen deutlich mehr Wert auf die Möglichkeit, bei Fragen oder Problemen Unterstützung zu erhalten – vielleicht, weil mittlerweile zunehmend intelligente Chatbots ihre Anliegen behandeln und sie nicht mit einer echten Person telefonieren müssen.

Online-Bezahlprozesse werden vor allem in Deutschland großes Potential haben“

Bei der Bekanntheit und Nutzung von „Pay by Bank”-Zahlungen liegt Deutschland im Mittelfeld. 35 Prozent der Deutschen kennen sich mit dieser Zahlungsmethode gut oder sehr gut aus. Die digitalaffinen Niederländer liegen hier klar vorne: 97 Prozent Prozent der Bevölkerung sind mit schnellen Online-Zahlungen vertraut.

Bei „Pay by Bank”-Zahlungen wird Geld direkt von einem Konto auf ein anderes übertragen, ohne dass zwischengeschaltete Service-Provider wie Paypal und GooglePay oder Zahlungsinstrumente wie Kredit- und Debitkarten erforderlich sind. In der Vergangenheit wurden diese Zahlungen vor allem als bankkontospezifische Zahlungen betrachtet, beispielsweise, wenn eine Person eine Banküberweisung oder eine Lastschrift zur Bezahlung einer Rechnung verwendet. Heute gibt es diese Zahlungsform auch online: Ein Kunde loggt sich beispielsweise direkt im Bezahlprozess in einem Onlineshop in sein Bankkonto ein und verlasst die Überweisung – ohne auf die Homepage seiner Bank wechseln zu müssen.

Auch manuelle Echtzeit-Überweisungen („Instant Payments“), die es in dieser Form bislang nur im Euroraum, genauer gesagt den 36 SEPA-Ländern, gibt, kann man unter „Pay by Bank” einordnen.

Instant Payments werden in Zukunft so weit verbreitet und bekannt sein, wie heute die EC-Karte. Die breite Masse wird auf diese Weise direkt und ohne Zwischenstation von ihrem Bankkonto zahlen. Bezahlmethoden, die ohne zwischengeschaltete Drittanbieter oder Kreditkarten funktionieren, erleichtern den Online-Bezahlprozess erheblich und werden vor allem in Deutschland großes Potential haben“, so Brite-Chefin Hackelöer.

EU forciert digitale Sofortzahlungen

Brite Payments bietet „Pay by Bank”-Zahlungen in Echtzeit an und vernetzt dafür über 3.500 Banken in seinem Netzwerk. Das britische Bezahl-Unternehmen dürfte davon profitieren, dass die Europäische Union nun die sekundenschnellen Online-Zahlungen forciert. Ende Februar hat die EU eine Verordnung über Sofortzahlungen beschlossen. Sämtliche Banken und Zahlungsdienstleister, die Standardüberweisungen in EUR abieten, müssen in Zukunft – nach einer gewissen Übergangsfrist – Echtzeit-Überweisungen anbieten. Gleichzeitig bereitet die EU auch die Einführung des digitalen Euro vor und hat eine erste Bargeldobergrenze eingeführt.

Laut dem Branchenverband Deutsche Kreditwirtschaft (DK) bieten rund 1.200 Banken und Sparkassen Instant Payments an, manchmal aber nur für eingehende Zahlungen. Das ändert sich jetzt durch den neuen rechtlichen Rahmen in der EU. Demnach dürfen zudem die Gebühren nicht höher sein als für Standardüberweisungen. Da letztere zumindest digital meist kostenlos sind, bricht den Banken damit eine kleine Einnahmequelle weg. Dies betrifft vor allem Neobanken, deren Kundschaft eine höhere Affinität zu Sofortzahlungen hat und deshalb dieses Verfahren überproportional stark nutzt.

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Jakob Schmidt

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Jakob Schmidt ist studierter Volkswirt und schreibt vor allem über Wirtschaft, Finanzen, Geldanlage und Edelmetalle.

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