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Mit Flixbus die Welt erobern: Eine Erfolgsgeschichte made in „Good Old Germany“

Wenn die Bahn mal wieder streikt, erwägen immer mehr Reisende auf Verbindungen von Flixbus zurückzugreifen. Und das nicht nur in Deutschland, sondern weltweit. Es ist eine seltene „Success-Story from Germany“ dieser Tage. Jetzt hat auch Porsche das erkannt und sich im Verbund mit 35 Prozent beteiligt.
15.08.2024 18:53
Lesezeit: 4 min
Mit Flixbus die Welt erobern: Eine Erfolgsgeschichte made in „Good Old Germany“
Ein Bus des Unternehmens Flixbus steht auf der Messe Bus2Bus. Ein Jahr nach dem Markteintritt in Amerika zog Flixbus positiv Bilanz und baute das Streckennetz aus.(Foto: dpa) Foto: Ralf Hirschberger

Für die einen bedeutete die Corona-Pandemie unternehmerisch das Ende. Für andere den Durchbruch! Das amerikanische Traditionsunternehmen Greyhound Lines etwa, mit dem schon Forrest Gump die USA durchstreift und erkundet hat, ist wegen mangelnder Nachfrage 2021 zusammengebrochen. Das deutsche Unternehmen Flixbus, schon seit 2018 auch auf dem amerikanischen Mobilitätsmarkt vertreten, hat das US-Busunternehmen (zuletzt im Besitz der britischen FirstGroup) geschluckt und zum Marktführer im Land der unbegrenzten Möglichkeiten aufgestiegen. Diesen Erfolg hätten sich André Schwämmlein, Jochen Engert und Daniel Krauss, die Unternehmensgründer der heutigen Flix S.E., vermutlich nicht zu erträumen gewagt – bei ihrem Start in München unter dem Namen GoBus anno 2011. Ihre Erfolgsgeschichte ist ein selten gewordenes Start-up-Märchen aus „Good Old Germany“.

Dieser Tage ist die Business-Idee sogar geadelt worden. Die Family-Offices Piëch und Porsche haben sich mit ihrer Porsche-Holding an Flix beteiligt. Für einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag, wie es heißt. Ein Schnäppchen geradezu, angesichts der galoppierenden Unternehmens-Bewertung mit dem angestrebten Ziel von sechs bis sieben Milliarden. Vor wenigen Monaten erst ging es noch um die Frage, ob Flix nicht ein klassischer Kandidat für ein IPO wäre. Doch die Inhaber wählten (vorerst) einen anderen Weg, sahen sich nach Beteiligungen um, fanden Geldgeber und inzwischen auch mit Porsche einen strategischen Partner, der sicherlich langfristige Pläne verfolgen wird. Jetzt ist der Börsengang vom Tisch. Die Struktur bleibt schlank und beweglich, um am Markt neue Gelegenheiten zu ergreifen.

Kühne, Piëch und Porsche – wie die deutschen Milliardäre bei Flix an Bord gehen

Im Juli hatte Flix schon bekanntgegeben, dass die Schweizer Kühne-Holding des gleichnamigen Logistikunternehmens (Kühne & Nagel, Hapag Lloyd) sowie der schwedische Finanzinvestor EQT Future 35 Prozent der Flix SE übernommen haben. Die Beteiligung von Porsche ist nun über EQT eingeworben worden. Das Paket stammt zum einen aus einer Kapitalerhöhung, zum anderen aus dem Kreise der EQT-Ko-Investoren, die indessen insgesamt 35 Prozent der Firmenanteile an Flix kontrollieren.

Mittlerweile gut 3.000 Mitarbeiter sind bei Flixmobility, so der bisher gebräuchliche Firmenname, beschäftigt und die Firma in 43 verschiedenen Ländern der Welt aktiv. Über 5.600 Ziele werden mit Bus und Bahnen angefahren und miteinander verbunden. Mehr als 80 Millionen Fahrgäste wurden im vergangenen Jahr befördert und sorgten für zwei Milliarden Euro Umsatz. Das Hauptgeschäft ist der Fernbus-Reiseverkehr. Seit 2018 werden unter dem Namen Flixtrain allerdings auch Bahnreisen zwischen den deutschen Ballungszentren angeboten. Während des Ausstandes der Deutschen Bahn zum Jahreswechsel 2023 auf 2024 hat Flixtrain auch auf der Schiene so ordentlich bei den Kunden punkten können und für reichlich kostenlose Werbung gesorgt.

Nicht alles am Flixbus-Erfolg ist jedoch auch eitel Sonnenschein. Das Unternehmen hat vor einigen Jahren eine de facto marktbeherrschende Stellung in Deutschland von über 90 Prozent am Fernbus-Bereich erreicht. Immer wieder wurden und werden kleinere Mitbewerber übernommen, deren Größe jedoch bislang nie die Kartellbehörde auf den Plan gerufen hat. Dass die Preisgestaltung sich an der Konkurrenz zum Fernverkehr orientiert und von daher für Passagiere eine kostengünstige Alternative sein muss, sorgt zumindest für eine gewisse Kontrolle des Quasi-Monopolisten auf Europas Autobahnen. Problematisch erscheint der Druck, den Flix auf seine Subunternehmer ausüben kann.

Denn in erster Linie sieht sich Flix als MobilityApp, die Verbindungen anbietet und vermarktet. Ein Busunternehmen im klassischen Sinne ist es natürlich nicht. Im Sinn der modernen Digitalwirtschaft geht es um den Skalierungseffekt. Flix ist in vielerlei Hinsicht also eher mit Uber und Lyft, den beiden börsennotierten Fahrdienstleistern, zu vergleichen. Bei immer wieder von den Behörden durchgeführten Kontrollen der Ruhe- und Lenkzeiten ist Flix freilich nie wirklich negativ aufgefallen. Und für die technische Zuverlässigkeit gibt es ja immer noch den TÜV.

Eine Überholspur für Busse gefunden und damit rasant per Cruise Control zum Ziel

Die Flix SE scheint es in sehr kurzer Zeit geschafft zu haben, für ihre Busse eine Überholspur gefunden zu haben, die ihr selbst international kaum mehr streitig gemacht werden kann. Es heißt, das Unternehmen hat nach Jahren der roten Zahlen mittlerweile die Gewinnzone erreicht. Das Betriebsergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) ist von 97 auf 104 Millionen Euro in 2023 angestiegen. Erreicht wurde dies ohne Börsengang, wohlgemerkt, was für die stabile Finanzierungslage spricht. Wer als Kleinanleger am Unternehmenserfolg partizipieren möchte, wird also Porsche-Aktien kaufen müssen - oder die Anteilsscheine der Mercedes-Benz Group, die gleichfalls mit ihrer Mobility-Sparte zum erlauchten Kreise der Teilhaber gehört.

Beim künftigen Wachstum dürfte vor allem der US-Markt eine entscheidende Rolle spielen. Denn das Busfahren ist in den USA in den letzten Jahrzehnten in Verruf gekommen. Wer es sich leisten kann, bemüht sich selbst, um Strecke zu machen, und zwar im eigenen Auto. Greyhound Lines litt lange unter dem Image, das Transportunternehmen der minder privilegierten Unterschicht zu sein. Flix hat dies bereits ein Stück weit verändern können, insbesondere als Carrier zwischen den großen Universitätsstädten in den USA. „Menschen in ganz Nordamerika wünschen sich völlig zu Recht erschwingliche und nachhaltige Reisealternativen zum privaten Auto. Gemeinsam werden Flixbus und Greyhound der gestiegenen Nachfrage nach umweltfreundlicher Mobilität in den USA Rechnung tragen“, betont Firmengründer André Schwämmlein.

Kein Busunternehmen, sondern zuvörderst ein Tech-Unternehmen mit MobilityApp

In den USA zählt Flix von daher zu den jungen Tech-Unternehmen des digitalen Zeitalters. Die anwenderfreundliche App überzeugt immer mehr Amerikaner, die plötzlich wider den Überlandbus in Erwägung ziehen, statt immer gleich von Stadt zu Stadt zu fliegen. Auf mittellangen Strecken gelingt es so zunehmend, Kundschaft zu locken. Die Busse haben Wifi, die Toiletten stinken nicht mehr wie zu früheren Zeiten auf den endlosen Highways in den Westen der USA. Dass auch Amerika umdenkt, zeigt, dass selbst die Autostadt Los Angeles die kommenden Olympischen Spiele 2026 mit dem ÖPNV bespielen will und das Auto aus der Innenstadt verdrängen möchte, wie Bürgermeisterin Karen Bass vor wenigen Tagen in Paris dem IOC versprach.

Start-up-Mitbegründer Jochen Engert ist heute als Board-Member des Weiteren für die Investments und Beteiligungen der SEK Ventures zuständig – dies ist die Beteiligungsfirma der Flix-Gründer. Mit inzwischen über 50 Investments zählt Engert damit zum Kreis der deutschen Business-Angels, die die hiesige Start-up-Szene unterstützen und voranbringen wollen. auch in dieser Hinsicht kann man von Flix mit Fug und Recht wohl von einem Einhorn aus Deutschland sprechen.

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Peter Schubert

Peter Schubert ist stellv. Chefredakteur und schreibt seit November 2023 bei den DWN über Politik, Wirtschaft und Immobilienthemen. Er hat in Berlin Publizistik, Amerikanistik und Rechtswissenschaften an der Freien Universität studiert, war lange Jahre im Axel-Springer-Verlag bei „Berliner Morgenpost“, „Die Welt“, „Welt am Sonntag“ sowie „Welt Kompakt“ tätig. 

Als Autor mit dem Konrad-Adenauer-Journalistenpreis ausgezeichnet und von der Bundes-Architektenkammer für seine Berichterstattung über den Hauptstadtbau prämiert, ist er als Mitbegründer des Netzwerks Recherche und der Gesellschaft Hackesche Höfe (und Herausgeber von Architekturbüchern) hervorgetreten. In den zurückliegenden Jahren berichtete er als USA-Korrespondent aus Los Angeles in Kalifornien und war in der Schweiz als Projektentwickler tätig.

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