Wirtschaft

Weltwirtschaftsforum 2025: In Davos trifft sich die Weltelite - und kreist um den großen Abwesenden

In dieser Woche treffen sich Spitzen-Unternehmer und -Politiker zum Weltwirtschaftsforum 2025 in Davos. Fehlen wird allerdings der künftige US-Präsident Donald Trump. Thema wird er trotzdem sein. Diskutieren wollen die Teilnehmer über technische Herausforderungen der Zeit, Cyberkriminalität und KI. Erwartet werden Reden von Scholz, Habeck und Merz.
20.01.2025 14:31
Aktualisiert: 20.01.2025 16:00
Lesezeit: 4 min

In dieser Woche trifft sich die politisch-ökonomische Weltelite im Schweizer Wintersportort Davos: Staats- und Regierungschefs, CEOs großer Unternehmen und mächtige Nichtregierungsorganisationen (NGOs). Alle folgen dem Ruf des Weltwirtschaftsforums (WEF), das sich dem Ziel verschrieben hat, eine bessere Welt zu schaffen.

Doch die geopolitischen Rahmenbedingungen des Treffens sind so schwierig wie lange nicht: Russlands Krieg in der Ukraine, die wackelige Waffenruhe zwischen Israel und der Hamas im Gazastreifen, die wirtschaftliche Flaute in Deutschland sowie die ersten Tage des frisch vereidigten US-Präsidenten Donald Trump – all diese Themen werden das Treffen in Davos prägen. Auch die Bundestagswahl in Deutschland wirft ihre Schatten voraus. So werden Scholz, Habeck und Merz Reden auf dem WEF halten.

Was ist das Weltwirtschaftsforum?

Das Weltwirtschaftsforum (WEF) ist eine Stiftung, die 1971 vom deutschen Wirtschaftswissenschaftler Klaus Schwab gegründet wurde. Es finanziert sich über Mitgliedsbeiträge und öffentliche Zuschüsse. Das Forum hat einen ambitionierten Anspruch: Es möchte laut eigener Aussage "den Zustand der Welt verbessern". Die zentrale Veranstaltung ist das Jahrestreffen, das am Dienstag in Davos beginnt, abgeschieden in den Schweizer Alpen.

Weltwirtschaftsforum 2025: Was passiert in Davos?

Mitglieder des WEF, vor allem große Unternehmen, kommen einmal im Jahr zusammen, um zur Lösung weltweiter Krisen zu beraten, sei es im Bereich Klima oder sozialer Ungleichheit. WEF-Präsident Borge Brende räumte jedoch ein, dass häufig auch geschäftliche Interessen im Vordergrund stehen.

Seit Jahren nutzen auch Politiker weltweit das Forum für Gespräche in informellem Rahmen. „Hier treffen sich Regierungen, Unternehmen und die Zivilgesellschaft, um gemeinsam besser zu verstehen, was in diesem Jahr auf die Welt zukommt“, erklärte Brende. Wiederholt gab es in Davos auch weltpolitisch bedeutende Durchbrüche, etwa in Bezug auf das Ende der Apartheid in Südafrika.

WEF 2025: Was ist das Motto in Davos?

Das Motto des Weltwirtschaftsforums lautet 2025 „Zusammenarbeit für das intelligente Zeitalter“. Auf dem offiziellen Programm stehen Themen wie Cyberkriminalität, künstliche Intelligenz und technologische Veränderungen. Doch der wahre Fokus des Forums könnte auch „Donald Trump“ lauten. Wenig wird das Treffen in diesem Jahr so sehr prägen wie das Comeback des US-Präsidenten und seine mit Spannung erwarteten ersten politischen Entscheidungen. Besonders die von Trump angedrohten Importzölle gegen China und andere wichtige Handelspartner sorgen bei Ökonomen für Besorgnis hinsichtlich des globalen Wirtschaftswachstums.

Welche Rolle spielt Trump beim diesjährigen WEF?

Trump hat zuletzt auch mit der Forderung provoziert, dass die anderen NATO-Staaten deutlich mehr Geld für Rüstung aufbringen müssten – was höhere Staatsschulden und steigende Zinsen zur Folge haben könnte. Die Befürchtung: In vielen Ländern könnte dies die Inflation anheizen.

Donald Trump, der wiedergewählte US-Präsident, ist eher ein Mann des Deals als der fein ausgehandelten Diplomatie – und deshalb ein Fan des Weltwirtschaftsforums. Während seiner ersten Amtszeit (2017-2021) war Trump der erste amtierende US-Präsident, der persönlich in Davos sprach. Dieses Jahr wird er jedoch lediglich digital zugeschaltet. Das Forum liegt zu nah an seiner Amtseinführung, bei der er direkt erste politische Entscheidungen treffen will. Ob sein Berater Elon Musk nach Davos kommt, ist derzeit noch unklar.

Die Gästeliste des Weltwirtschaftsforum 2025: Wer kommt? Wer spricht?

Laut dem WEF reisen in diesem Jahr rund 900 CEOs und 60 Staats- und Regierungschefs nach Davos. Auch der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj, der ebenfalls eine Schlüsselrolle im Forum spielt, wird erwartet. Ebenso wird Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) am Dienstag sprechen. Weitere wichtige Redner sind der deutsche Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne), der am Mittwoch zu hören sein wird, und der Kanzlerkandidat Friedrich Merz (CDU), der als Oppositionsführer im Bundestag auch eine Rede am Dienstagabend halten wird.

Das WEF bringt zudem wichtige Interessenvertreter aus dem Nahen Osten zusammen: Der israelische Staatspräsident Izchak Herzog hat seine Teilnahme angekündigt. Zuvor war auch eine Rede des palästinensischen Ministerpräsidenten Mohammed Mustafa geplant, diese wurde jedoch ohne Angabe von Gründen aus dem Programm genommen. Aus Syrien wird der Außenminister der Übergangsregierung erwartet, ebenso der saudische Außenminister und der Vizepräsident des Iran. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen wird ebenfalls in Davos dabei sein.

In den letzten Jahren schien das WEF an Bedeutung verloren zu haben, während der Fokus stärker auf der Münchener Sicherheitskonferenz lag. Zuletzt fehlten bei den Davoser Treffen immer wieder die ganz großen Namen wie US-Präsident Joe Biden. 2023 war Scholz der einzige Staats- oder Regierungschef eines G7-Staates, der anreiste, und 2024 verzichtete er auf eine Teilnahme. Doch mit Trumps zweiter Amtszeit rückt das WEF wieder stärker in den Fokus der politischen Elite.

Welche Kritik gibt es am WEF?

Die Öffentlichkeit spart nicht mit Kritik am WEF. So wird das Treffen oft als zu elitär kritisiert, da viele der wichtigsten Gespräche hinter verschlossenen Türen stattfinden. Die mangelnde Transparenz öffnen zudem Tor und Tür für Verschwörungstheorien. Die Teilnehmer, die oft als „globale Elite“ bezeichnet werden, sind dabei ein zentrales Ziel solcher Theorien. Diese Theorie verbreitet die Angst vor geheimen Zirkeln, die eine neue Weltordnung anstreben könnten.

Viele dieser Mythen stammen aus einem Buch, das WEF-Gründer Klaus Schwab 2020 veröffentlichte. Verschwörungstheoretiker witterten bereits im Titel „The Great Reset“ dunkle Absichten. Der vollständige Titel lautet jedoch „Covid-19 - der große Umbruch“. Aus Schwabs Appell, etwa mehr Fahrzeuge zu teilen (bekannt als „Sharing Economy“), wurde fälschlicherweise die Behauptung, das WEF wolle den Besitz von Privatautos verbieten.

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