Politik

EU-Sanktionen wegen Russland-Handel: Brüssel zielt nun auch auf Chinas Banken

Die EU plant erstmals Sanktionen gegen chinesische Banken wegen Unterstützung Russlands durch Kryptowährungen. Peking reagiert empört und spricht von Doppelmoral. Welche Folgen hat dieser Eskalationsschritt für die globale Finanzwelt und das Machtgefüge zwischen Europa, China und Russland?
13.06.2025 13:27
Lesezeit: 2 min

Kryptowährungen im Fokus: Brüssel verschärft Druck auf Peking

Erstmals will die EU chinesische Finanzinstitute wegen Unterstützung der russischen Kriegswirtschaft sanktionieren. Peking reagiert mit scharfer Ablehnung – und verweist auf westliche Doppelmoral.

Die Europäische Kommission bereitet Sanktionen gegen zwei chinesische Banken vor, die im Verdacht stehen, Russlands Umgehung von EU-Sanktionen durch Kryptotransaktionen zu erleichtern. Wie mehrere EU-Beamte gegenüber der Financial Times bestätigten, handelt es sich um den ersten direkten Sanktionsversuch gegen Drittstaatenbanken im Kontext des Ukraine-Krieges. Die Maßnahme ist Teil eines neuen EU-Sanktionspakets – und muss noch einstimmig von den Mitgliedstaaten verabschiedet werden.

Brüssel geht damit einen neuen Eskalationsschritt: Ziel ist es, Chinas wachsende wirtschaftliche Unterstützung für Russland in der Sanktionsarchitektur zu berücksichtigen. Zwei mit dem Vorgang vertraute Beamte erklärten, dass chinesische Finanzinstitute gezielt Kryptowährungen eingesetzt hätten, um den Import sanktionspflichtiger Güter durch Russland zu ermöglichen.

Peking warnt vor Einmischung – und betont Eigenständigkeit

Das chinesische Außenministerium reagierte prompt: Man sei grundsätzlich gegen einseitige Sanktionen, die nicht auf einem Mandat der Vereinten Nationen beruhen. Die Handelsbeziehungen zwischen chinesischen und russischen Unternehmen richteten sich „nicht gegen Drittländer und sollten nicht beeinträchtigt werden“, hieß es in einer Stellungnahme.

Peking hatte bereits frühere EU-Maßnahmen gegen chinesische Firmen, denen eine direkte Unterstützung Moskaus vorgeworfen wurde, entschieden zurückgewiesen. Die chinesische Regierung bestritt, Russland mit Waffen zu beliefern, und warf der EU eine „Politik der Doppelmoral“ vor – etwa weil Brüssel trotz Sanktionsregimen weiter Energieprodukte aus Russland importiert.

Strategische Bindung: Russland wirtschaftlich zunehmend abhängig von China

Die wirtschaftliche Verflechtung zwischen Moskau und Peking nimmt unterdessen weiter zu. Der bilaterale Handel erreichte im Jahr 2024 ein Rekordvolumen von 245 Milliarden US-Dollar – doppelt so viel wie noch 2020. Ein wachsender Teil dieser Geschäfte wird nicht mehr in westlichen Leitwährungen, sondern in Yuan oder Rubel abgewickelt.

Mit der zunehmenden Entkopplung vom westlichen Finanzsystem steigt Russlands strukturelle Abhängigkeit von chinesischen Zahlungs- und Kreditsystemen – eine Entwicklung, die geopolitisch kaum umkehrbar scheint. Beobachter sehen in dieser Dynamik eine Machtverschiebung zugunsten Pekings, die auch den Handlungsspielraum der EU in Asien und Osteuropa einschränken könnte.

In Brüssel wird der neue Sanktionsvorschlag als Testfall gewertet: Setzt sich das Maßnahmenpaket durch, könnte es zum Präzedenzfall für extraterritoriale Finanzsanktionen der EU gegen Drittstaaten werden – mit schwer kalkulierbaren Konsequenzen für das globale Bankensystem.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Veggie-Burger-Boom verliert an Tempo: Fleischersatz in Deutschland erstmals rückläufig
25.05.2026

Pflanzliche Fleischalternativen haben den Lebensmittelmarkt in Deutschland stark verändert. Doch nach Jahren kräftigen Wachstums sinkt...

DWN
Technologie
Technologie Meta: WhatsApp-Inkognito-Modus kommt für KI-Unterhaltungen
25.05.2026

Meta erweitert WhatsApp um neue KI-Funktionen und verspricht dabei mehr Datenschutz. Nutzer sollen künftig inkognito mit der Meta AI...

DWN
Politik
Politik US-Politikwissenschaftler: Der Schwerpunkt der NATO verlagert sich nach Osten, nur Europa hat das noch nicht begriffen
24.05.2026

Die NATO verändert ihre innere Geografie und Polen rückt ins Zentrum der europäischen Sicherheit. Dahinter steht das Ende eines...

DWN
Panorama
Panorama Elon Musk als Technokönig: Warum Muskismus mehr ist als Tesla und SpaceX
24.05.2026

Elon Musk ist längst mehr als ein Unternehmer. Eine neue Analyse beschreibt Muskismus als Projekt, das Technologie, Macht und...

DWN
Technologie
Technologie Handynutzung: Prepaid-Handys kommen in Deutschland aus der Mode
24.05.2026

Wie viele Minuten waren das? Wer früher bei der Handynutzung sparsam sein wollte, der hielt Telefonate kurz. Prepaid-Karten konnten...

DWN
Politik
Politik Kann Europa Weltmacht werden? Eine Analyse
24.05.2026

Die alte Weltordnung bricht weg, und Europa steht plötzlich allein zwischen den streitenden Machtblöcken. Jetzt entscheidet sich, ob der...

DWN
Technologie
Technologie Rekordabsatz bei Wärmepumpen: Fast jede zweite neue Heizung läuft elektrisch
24.05.2026

Der Markt für neue Heizgeräte erholt sich schneller als erwartet: Im ersten Quartal 2026 stieg der Gesamtabsatz um 16 Prozent....

DWN
Politik
Politik EU-USA-Abkommen: Brüssel bekommt nicht, was es wollte, aber was es braucht
24.05.2026

Bernd Lange, Chef des Ausschusses für den Außenhandel des Europäischen Parlaments, glaubt, dass die EU ein Sicherheitsnetz gegen...