Wirtschaft

Österreichs Maßnahmen gegen die Inflation – und die Bedeutung für Deutschland

Österreich steckt in der Krise: Die Regierung verspricht Milliardenhilfen, doch bei genauerem Hinsehen bleiben nur kleine Reformen übrig. Während die Inflation hoch bleibt und die Wirtschaft stagniert, feiern sich die Koalitionsparteien für Maßnahmen, die längst beschlossen sind. Was das für Österreich – und auch für Deutschland – wirklich bedeutet, lesen Sie hier.
07.09.2025 05:41
Lesezeit: 3 min

Milliardenhilfen doch nur ein Tropfen auf den heißen Stein?

Die österreichische Regierung prahlt mit milliardenschweren Anreizen für Unternehmen, doch Medien weisen darauf hin, dass die einzige wirklich neue Maßnahme nur die Erhöhung der Investitionsbegünstigung ist.

Die österreichische Wirtschaft stagniert, die Inflation liegt bei 4,1 Prozent – weit über dem Durchschnitt des Euroraums und weit über dem Inflationsziel der EZB von zwei Prozent. Die Regierungskoalition in Wien – bestehend aus Volkspartei, Sozialisten und Neos – rühmte sich mit Maßnahmen für Unternehmen und mit einer stärkeren Attraktivität Österreichs für Investitionen. Eine genaue Analyse zeigt jedoch: Der Berg kreißte und gebar eine Maus.

Das Wirtschaftsblatt Der Standard mahnt, dass die Regierung zwar von milliardenschweren Anreizen spricht, die Detailprüfung aber ein anderes Bild offenbart. Von großen Milliardenpaketen sei keine Rede mehr – das Geld sei schlicht aufgebraucht. Beleg dafür sei auch der jüngste Vorschlag der Regierung. Statt einer Milliarde gibt es nur noch eine Viertelmilliarde. Die meisten Maßnahmen, die als neu beworben werden, sind ohnehin schon Teil des Koalitionsvertrags und im Budget der kommenden zwei Jahre enthalten. Wirklich neu ist lediglich die Erhöhung der Investitionsbegünstigung.

Deutschland liegt mit rund 2 Prozent Inflation genau im Eurozonen-Schnitt. Doch es zeigt sich keine besondere Sorge der Regierung um Kaufkraftverlust und die schwierigen Rahmenbedingungen für Unternehmen. Systematische Überlegungen oder politische Maßnahmen, um den Menschen das Leben zu erleichtern, sind nicht erkennbar.

Die Maßnahmen der österreichischen Regierung im Überblick

Nach Angaben von Der Standard und OE24 umfasst das Paket folgende Punkte:

  1. Investitionsbegünstigung: Neben der üblichen Abschreibung können Unternehmen künftig zusätzlich 20 Prozent der Anschaffungskosten eines neuen Wirtschaftsguts geltend machen, bei umweltfreundlichen Investitionen sogar 22 Prozent. Kosten für den Staat: 220 Millionen Euro. Die Begünstigung ist auf eine Million Euro pro Unternehmen gedeckelt – große Konzerne profitieren also kaum. Dennoch bezeichnet die Regierung dies als starken Investitionsanreiz.
  2. Bonus für energieintensive Unternehmen: 150 Millionen Euro in den kommenden zwei Jahren – allerdings bereits im Budget enthalten. Zudem müssen 80 Prozent dieser Subventionen reinvestiert werden.
  3. Senkung der Abgaben auf grüne Energie: Entlastung bei Steuern, Abgaben und Beiträgen für erneuerbare Energien.
  4. Mehr Wettbewerb bei Energiepreisen: Gesetzliche Bindung von Energiepreisen an das öffentliche Interesse, Einführung eines Krisenmechanismus.
  5. Förderung von Breitbandnetzen: 40 Millionen Euro für die Jahre 2027–2029. Wirkung erst in ferner Zukunft.
  6. Neuer Fonds für Start-ups: Ziel ist die Mobilisierung privater Investitionen. Details noch offen.
  7. Förderung älterer Arbeitnehmer: Beschäftigung von Senioren soll attraktiver werden – für Arbeitnehmer und Unternehmen.
  8. Mehr Befugnisse für die Wettbewerbsbehörde: Branchenuntersuchungen in Bereichen wie Energie oder Lebensmittelhandel sollen künftig wirksamere Eingriffe ermöglichen.
  9. Bekämpfung der „Shrinkflation“: Hersteller müssen klar kennzeichnen, wenn sie die Menge reduzieren, ohne den Preis zu senken.
  10. Klagen gegen Handelsunternehmen: Vorgehen gegen irreführende Rabatte und unklare Preisgestaltung.
  11. Maßnahmen gegen steigende Lebensmittelpreise: Bis Jahresende will die Regierung gemeinsam mit der Industrie Lösungen beschließen.
  12. Mietpreisdeckelung: Erstmals Eingriff auch in private Mieten – ein kontroverser Schritt, da er die Wohnungsknappheit nicht zwingend lindert und in die unternehmerische Freiheit eingreift.

Bedeutung für die deutsche Wirtschaft

Die Entwicklung in Österreich ist für Deutschland relevant. Österreich zählt zu den engsten Handelspartnern der Bundesrepublik und ist Teil derselben Währungszone. Eine dauerhaft hohe Inflation und stagnierende Wirtschaft bei den Nachbarn könnten den deutschen Export belasten, da die Kaufkraft in Österreich sinkt. Zudem signalisiert die österreichische Politik, dass selbst wohlhabendere EU-Staaten kaum noch fiskalischen Spielraum für neue Milliardenpakete haben – ein Hinweis darauf, dass auch Deutschland künftig härter priorisieren muss, wenn es um Investitionsanreize und Entlastungen geht.

Die österreichische Regierung verkauft altbekannte Maßnahmen als neue Milliardenoffensive. In Wahrheit bleibt der Spielraum begrenzt, die Inflation hoch und die Zukunftsaussichten unsicher. Österreichs Wirtschaft steht vor dem Dilemma, Investitionen ankurbeln zu wollen, ohne über die nötigen Mittel zu verfügen. Für Deutschland zeigt sich einmal mehr: Die gesamte Eurozone ringt um Stabilität – und Schönfärberei hilft dabei nicht weiter.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen XRP-Ledger-Transaktionsvolumen überschreitet die Marke von 1 Million

Analysten erwarten ein Aufwärtspotenzial von 100%. XRP Wie können Inhaber neue passive Einkommensquellen schaffen?

X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

avtor1
Simona Toplak

Simona Toplak ist Chefredakteurin der slowenischen Wirtschaftszeitung Casnik Finance.

DWN
Finanzen
Finanzen Fed-Zinsentscheid veröffentlicht: US-Notenbank lässt Leitzins unverändert
17.06.2026

Zum vierten Mal im laufenden Jahr bleibt der US-Leitzins unverändert. Das dürfte vor allem US-Präsident Trump ärgern, der mit dem...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Baumarktkette Hellweg meldet Insolvenz an: 2900 Mitarbeiter betroffen
17.06.2026

Hellweg meldet Insolvenz in Eigenverwaltung an: Alle Filialen und der Online-Shop des Dortmunder Unternehmens bleiben vorerst geöffnet....

DWN
Politik
Politik „Jagd auf Migranten“: ZDF streicht falsche Musk-Anmoderation aus Mediathek
17.06.2026

Das ZDF wirft Elon Musk vor, die Ausschreitungen in Belfast befeuert zu haben. Dieser wehrt sich daraufhin juristisch. Der...

DWN
Finanzen
Finanzen Fed-Zinsentscheid könnte dramatischen Wandel auslösen: Stehen wir an der Schwelle zu einer neuen Ära?
17.06.2026

Mit Kevin Warsh steht ein neuer Chef an der Spitze der US-Notenbank, der mit jahrzehntealten Traditionen brechen könnte. Seine Pläne für...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Europas Drohnenmarkt Polen führt, doch die eigene Industrie wächst erst
17.06.2026

Polen ist der größte Drohnenexporteur Europas. In diesem Jahr könnte der Export von Drohnen aus Polen die Marke von einer Milliarde Euro...

DWN
Politik
Politik EU-Frühstücksrichtlinie: Marmelade darf wieder Marmelade heißen
17.06.2026

Konfitüre, Fruchtaufstrich oder Gelee: Der Wortsalat am Frühstückstisch hat ein Ende. Warum Marmelade in der EU wieder offiziell...

DWN
Politik
Politik AfD baut Vorsprung aus: CDU/CSU und SPD historisch niedrig
17.06.2026

Die AfD liegt in Umfragen deutlich vor der Union und nähert sich inzwischen der 30-Prozent-Marke. Der Vorsprung zur CDU/CSU ist in einer...

DWN
Politik
Politik Weitere Sanktionen gegen Russland: G7-Staaten kündigen Verschärfungen an
17.06.2026

Mehr Waffen, schärfere Sanktionen: Die G7 setzen auf zusätzlichen Druck gegen Russland. Kanzler Merz sieht einen "Tag der...