Politik

Trump-Zölle: USA drohen China und Indien mit Strafabgaben wegen russischem Öl

Trump verschärft den Druck: Wer russisches Öl kauft, soll zahlen. Mit drastischen Strafzöllen auf China und Indien will er Putins Kriegskasse austrocknen. Warum Deutschland direkt von den Folgen betroffen wäre.
10.09.2025 11:03
Lesezeit: 2 min

Die USA sind bereit, Zölle auf Länder zu erhöhen, die weiterhin russisches Öl kaufen, um Moskau die Finanzierung des Krieges in der Ukraine zu erschweren. Voraussetzung sei, dass die Europäische Union ähnliche Maßnahmen beschließt, erklärte ein US-Beamter am Dienstag gegenüber AFP. Präsident Donald Trump, der sich telefonisch an den Gesprächen zwischen US- und EU-Vertretern beteiligte, brachte Zölle von 50 bis 100 Prozent für Abnehmerländer wie China und Indien ins Spiel, so der Beamte, der nicht befugt war, die Details öffentlich zu erläutern.

Druck auf Moskau und seine Handelspartner

Die Gespräche fanden statt, während EU-Gesandter David O'Sullivan in Washington eintraf, um mit einer Delegation über Sanktionen zu beraten. Trump nahm telefonisch auch an Gesprächen mit dem ukrainischen Premierminister teil. „Das Geld für die russische Kriegsmaschinerie stammt aus China und Indien, die Öl kaufen“, sagte der Beamte. „Ohne diese Geldquelle ist es unmöglich, die Kriegsmaschinerie zu stoppen.“ Auch Finanzminister Scott Bessent, Vertreter des Handelsbeauftragten sowie des Außenministeriums waren beteiligt. Trump sei handlungsbereit, betonte der Regierungsvertreter, doch brauche er die EU an seiner Seite.

Ein weiterer US-Beamter verwies auf einen von 85 Senatoren unterstützten Gesetzentwurf, der Trump befähigen würde, Sekundärzölle auf Länder mit Russland-Geschäften zu verhängen. Zweifel bestünden jedoch, ob das Europäische Parlament den politischen Willen habe, wirtschaftlichen Druck über Zölle zu erhöhen. Neben den angedrohten Strafabgaben diskutierten die Beamten auch eingefrorene russische Vermögenswerte. Trump hatte am Sonntag nach dem schwersten russischen Luftangriff auf die Ukraine mit weiteren Sanktionen gegen Moskau gedroht.

Bedeutung für Deutschland und Europa

Für Deutschland hätte die Einführung von Trump-Zöllen weitreichende Folgen. Als zentrale Industrienation Europas ist Berlin stark von den Energie- und Rohstoffströmen zwischen Russland, China und Indien betroffen. Höhere Strafabgaben könnten globale Lieferketten unterbrechen, deutsche Exporteure treffen und zugleich den Druck auf die Bundesregierung erhöhen, im EU-Rahmen härtere Maßnahmen gegen Moskau mitzutragen. Auch die Debatte über den russischen Ölkonzern Lukoil, den Deutschland gemeinsam mit Frankreich ins Visier nehmen will, erhält durch die US-Initiative neues Gewicht.

Der US-Präsident drohte erneut mit Strafen für Länder, die russisches Öl kaufen, um Putin die Einnahmen zu entziehen. Bisher verhängte Trump lediglich Sekundärzölle gegen Indien. „Wir wollen diesen Krieg beenden und fordern unsere europäischen Freunde dringend auf, Maßnahmen zu ergreifen“, sagte ein US-Beamter. Die EU arbeitet derzeit am 19. Sanktionspaket seit Beginn der russischen Invasion 2022. Es soll zusätzliche Sekundärsanktionen gegen Länder enthalten, die Russland bei der Umgehung unterstützen. Deutschland und Frankreich drängen darauf, Lukoil direkt ins Visier zu nehmen.

Bessent erklärte nach dem Treffen auf „X“, alle Optionen würden im Einklang mit Trumps Strategie geprüft, um die Friedensgespräche zwischen Moskau und Kiew zu unterstützen. Das US-Finanzministerium äußerte sich zu den Beratungen bislang nicht.

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Marius Vaitiekūnas

Zum Autor:

Marius Vaitiekūnas ist ein ausgewiesener Experte für Geopolitik und internationale Wirtschaftsverflechtungen. Geboren 1985 in Kaunas, Litauen, schreibt er als freier Autor regelmäßig für verschiedene europäische Medien über die geopolitischen Auswirkungen internationaler Konflikte, wirtschaftlicher Machtverschiebungen und sicherheitspolitischer Entwicklungen. Seine inhaltlichen Schwerpunkte sind die globale Energiepolitik und die sicherheitspolitischen Dynamiken im osteuropäischen Raum.

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