Politik

Ukraine-Krieg: Wie der US-Präsident Putins Argumente übernimmt

Donald Trump fordert ein Ende des Ukraine-Kriegs – durch Teilung des Donbass zugunsten Russlands. Damit übernimmt er offen die Argumente Wladimir Putins. Europas Diplomaten reagieren alarmiert: Droht jetzt eine politische Kehrtwende in Washington, die das Kräfteverhältnis in Europa grundlegend verändert?
20.10.2025 11:42
Lesezeit: 2 min

Trump fordert Teilung des Donbass: „So lassen, wie es ist“

US-Präsident Donald Trump erklärte am Sonntag, dass der Krieg in der Ukraine dadurch beendet werden solle, dass die Donbass-Region entlang der derzeitigen Frontlinie geteilt werde. Das würde bedeuten, dass der größte Teil des Gebiets an Russland fällt. „Lasst es so aufgeteilt, wie es jetzt ist“, sagte Trump laut Berichten gegenüber Journalisten an Bord der „Air Force One“. „Später können sie sich über irgendetwas einigen“, fügte er hinzu. „Aber jetzt sollten beide Seiten an der Frontlinie stoppen, nach Hause gehen, aufhören zu kämpfen und aufhören, Menschen zu töten.“

Treffen mit Selenskyj eskaliert: Trump übernimmt Putins Argumente

Wie die Financial Times (FT) unter Berufung auf informierte Kreise berichtet, habe Trump am Freitag in einem hitzigen Treffen im Weißen Haus den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj aufgefordert, die russischen Bedingungen für ein Kriegsende zu akzeptieren. Er habe gewarnt, Russlands Präsident Wladimir Putin habe ihm gesagt, er werde die Ukraine „vernichten“, falls sie sich weigere. Das Treffen zwischen den beiden Präsidenten sei mehrfach in lautstarke Auseinandersetzungen ausgeartet, hieß es. Trump habe ständig geflucht und schließlich Karten der ukrainischen Frontlinien auf den Tisch geworfen, weil er sie „nicht mehr sehen könne“. Er forderte Selenskyj auf, den gesamten Donbass an Putin abzutreten, und wiederholte mehrfach die Argumente des Kremlchefs, die dieser am Vortag in einem Telefongespräch vorgebracht habe. Laut FT stimmte Trump später einer „Einfrierung der Frontlinie“ zu – ein Zeichen dafür, dass der Präsident seine Position im Ukraine-Krieg weiter verändert und zunehmend den Forderungen Putins entgegenkommt.

„Russlands Wirtschaft floriert“ – Widersprüche in Trumps Aussagen

Nach Angaben europäischer Diplomaten, die über das Treffen informiert wurden, wiederholte Trump viele von Putins Argumenten – selbst jene, die im Widerspruch zu seinen früheren Aussagen standen. So habe Trump erklärt, Russlands Wirtschaft „floriere“, obwohl er noch vor Kurzem Putin aufgefordert hatte, zu verhandeln, da seine Wirtschaft „am Zusammenbrechen“ sei. Eine Quelle berichtete, Trump habe Selenskyj gesagt, Putin habe ihm gegenüber den Krieg als „Spezialoperation, nicht einmal als Krieg“ bezeichnet. Der ukrainische Präsident müsse daher einer Vereinbarung zustimmen – andernfalls drohe ihm die „Vernichtung“. Trump habe Selenskyj gewarnt: „Du verlierst den Krieg. Wenn Putin es will, wird er dich zerstören.“ Das Treffen fand einen Tag nach Trumps Telefonat mit Putin statt. Nach dem Gespräch erklärte der US-Präsident, es sei „produktiv“ gewesen, und kündigte an, Putin demnächst in Ungarn zu treffen. Zuvor sollen noch Delegationen beider Länder Gespräche führen. Laut Financial Times habe Putin in dem Telefonat vorgeschlagen, dass die Ukraine die von ihr kontrollierten Teile des Donbass aufgibt – im Gegenzug für kleinere Gebiete in den Regionen Cherson und Saporischschja.

Europa reagiert besorgt – auch Deutschland blickt mit Skepsis auf Trumps Kurs

Die Aussagen des US-Präsidenten sorgen in europäischen Hauptstädten für Unruhe. Diplomaten in Brüssel und Berlin sehen darin ein mögliches Signal für eine Kehrtwende in der US-Außenpolitik – weg von der bisherigen Unterstützung der Ukraine hin zu einem möglichen „Frieden um jeden Preis“. Sollte Washington tatsächlich auf eine Teilung des Donbass drängen, würde dies die Position Europas in künftigen Friedensverhandlungen erheblich schwächen. Deutschland, das weiterhin Waffen und Hilfen an die Ukraine liefert, dürfte unter Druck geraten, sich zu Trumps neuer Linie zu positionieren. Eine offizielle Stellungnahme der Bundesregierung zu den jüngsten Äußerungen des US-Präsidenten lag am Montag noch nicht vor.

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